Pannen-Flughafen

Berliner Wirtschaft für eine rasche Erweiterung des BER

Der BER ist nicht einmal eröffnet, da ist er schon zu klein. Jetzt müsse die Erweiterung geplant werden, findet auch die Berliner IHK.

Die Berliner Wirtschaft unterstützt Forderungen nach einem raschen Ausbau der Kapazitäten am neuen Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld. Es sei höchste Zeit, dass die Flughafenplanung den aktuellen Entwicklungen im Luftverkehr der Hauptstadtregion Rechnung trage und die Kapazitätsplanung für den BER zukunftsfähig gemacht werde, sagte am Freitag der Vizehauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin, Christian Wiesenhütter. Wichtige Weichenstellungen dazu könnten und müssten bereits vor Inbetriebnahme des Airports erfolgen.

Zuvor hatte der Flughafenkoordinator des Landes Brandenburg, Rainer Bretschneider, gefordert, rasch Entscheidungen zum Ausbau des noch unvollendeten Großflughafens zu treffen. „Wenn die Hauptstadtregion weiterhin so stark wächst, benötigt Berlin einen Flughafen, der langfristig mehr als 40 Millionen Passagiere pro Jahr abfertigen kann“, sagte Bretschneider in einem Interview. Der noch im Bau befindliche BER-Terminal, der Ende 2017 eröffnet werden soll, ist für eine Jahreskapazität von 27 Millionen Fluggästen ausgelegt.

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Berlin hat schon jetzt 28 Millionen Fluggäste

Der frühere Flughafenchef Hartmut Mehdorn rechnete gar nur mit rund 23 Millionen Passagieren, die nach der Eröffnung des BER dort abgefertigt werden können. Doch bereits im Vorjahr hatten die beiden Alt-Flughäfen in Tegel und Schönefeld knapp 28 Millionen Fluggäste zu bewältigen. Für die nächsten Jahren rechnen die Flughafenbetreiber mit weiteren Steigerungen.

Der aktuelle Flughafenchef Karsten Mühlenfeld hatte daraufhin angekündigt, noch vor der BER-Fertigstellung den bishiergen Flughafen Schönefeld (SXF) mit erheblichem Aufwand zu modernisieren und für bis zu zehn Millionen Passagiere im Jahr auszubauen. Das alte SXF-Terminal soll nach der Eröffnung des eneuen Großflughafens noch weitere fünf Jahre als Teil des BER in Betrieb bleiben. Billig-Airlines wie Ryanair oder Norwegian hatten bereits ihr Interesse an der Weiternutzung der Abfertigungsgebäude bekundet. Eigentlich sollte Schönefeld-Alt zu einem Terminal für den neuer Regierungsflughafen umgebaut werden. Doch nun werden Staatsgäste mindestens bis 2022 in einen Interimshangar auf einer anderen Flughafenfläche empfangen.

Alternativen werden geprüft

Flughafenchef Mühlenfeld lässt neben dem Ausbau von Schönefeld-Alt auch noch andere Erweiterungslösungen prüfen. Denkbar sind auch Anbauten am Nordpier des Hauptterminals oder Provisorien, wie sie beispielsweise in Tegel längst zur Dauerlösung geworden sind. Die Baugenehmigung für den BER lässt zudem den Bau eines weiteren Terminalgebäudes zu, mit dem sich seine Abfertigungskapazität auf bis zu 45 Millionen Fluggäste im Jahr vergrößern soll. Doch für den sogenannten Satelliten gibt es bislang keinerlei konkrete Planungen, auch keine baulichen Vorbereitungen.

IHK schlägt Verlängerung der Piers vor

Die IHK hat bereits vor einiger Zeit einen eigenen Vorschlag zur BER-Erweiterung vorgelegt. Er beinhaltet zum einem die Erweiterung der Gepäckförderanlagen und Check-in-Kapazitäten im bestehenden BER-Terminal. Auch im Süden des Gebäudes könnten zusätzlichen Abfertigungsflächen geschaffen werden, dafür müsste allerdings ein bereits gebautes Parkaus abgerissen werden. Mehr Gates könnten auch dadurch geschaffen werden, dass der Nord- und der Südpier kurzfristig verlängert werden. Der Aufsichtsratschef der Berliner Flughäfen, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), hat aber allen Erweiterungen eine Absage erteilt, die zu nochmaligen baulichen Veränderungen im Hauptterminal führen könnten. Dies könnte die für die zweiten Jahreshälfte 2017 angekündigte Eröffnung des BER gefährden, so seine Begründung.