BER-Debakel

Erster Teil der Startbahn-Sanierung fertig

Die Sanierung der Nordbahn am BER ist im Zeitplan. Doch Fluggäste brauchen noch bis zum Oktober viel Geduld.

Seit Anfang Mai wird die Nordbahn des Flughafens Schönefeld saniert. Die Arbeiten sollen ein halbes Jahr dauern.

Video: Abendschau, RBB
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Schönefeld –.  Es gibt Aussagen, die waren an Berlins größtem Infrastrukturprojekt, dem Großflughafen BER, in den letzten drei Jahren nicht mehr zu hören. Dazu gehört der Satz: „Wir liegen voll im Zeit- und im Kostenplan.“ Nicht nur, dass die Eröffnung des neuen Hauptstadt-Airports seit 2011 vier Mal verschoben werden musste, auch die Kosten sind von anfangs knapp zwei Milliarden auf inzwischen 5,3 Milliarden Euro geradezu explodiert. Das scheint zumindest bei der Sanierung der nördlichen Start- und Landebahnin Schönefeld anders zu laufen. Der erste von drei Bauabschnitten sei fristgerecht fertiggestellt worden, konnte Flughafenchef Karsten Mühlenfeld am Montag bei einem Ortstermin verkünden. Auch das Budget sei bislang eingehalten worden, fügte er hinzu.

Die Bauarbeiten an der nördlichen Start- und Landebahn hatten Anfang Mai begonnen. Am 24. Oktober, mit Beginn des Winterflugplans, soll die 3600 Meter lange Piste wieder in Betrieb genommen werden. Bis dahin erhält sie neue Asphaltschichten, auch das Entwässerungssystem, das verhindern soll, das Wasser auf der Bahn steht, wird komplett erneuert. Zudem wird die Befeuerung, die den Piloten bei Starts und Landungen zur optischen Orientierung dient, auf energiesparende Leuchtdioden umgerüstet. Zum Abschluss bekommt die Bahn einen Anti-Skid-Belag, damit Flugzeuge auch bei Dauerregen und Schnee nicht ins Rutschen geraten. „Der Belag ist bislang nur eine Empfehlung der Luftfahrtorganisation ICAO, wir realisieren ihn aber schon jetzt auf allen unseren Start- und Landebahnen“, sagt Flughafen-Betriebsleiter Elmar Kleinert.

Erste 2100 Meter sind geschafft

Die ersten 2100 Meter der Nordbahnsanierung sind nun geschafft. Damit ist der Weg frei für die Arbeiten im zweiten Bauabschnitt. Dieser ist 700 Meter lang und befindet sich in der Mitte der Start- und Landebahn. Mitte August will die Strabag AG, die den Auftrag von der Flughafengesellschaft erhalten hat, schließlich mit den Arbeiten am dritten und letzten Bauabschnitt beginnen. „Ende September wollen wir dann baulich soweit durch sein“, hofft Jörn Aßmus, Projektleiter der Nordbahnsanierung. Anschließend werde die Qualität der Bahn unter anderem bei Probelandungen überprüft. Eigentlich sollte die 3600 Meter lange Asphaltpiste, die bislang für den alten Flughafen Schönefeld (SXF) genutzt wurde, erst nach der für die zweite Jahreshälfte 2017 angekündigten Eröffnung des neuen Airports erneuert werden. Die Idee, die Sanierung der maroden Startbahn vorzuziehen, hatte noch der frühere Flughafenchef Hartmut Mehdorn. Diese Entscheidung spart der Betreibergesellschaft nun richtig Geld. Statt wie anfangs kalkuliert 150 Millionen Euro wird die Sanierung nur noch etwa 50 Millionen Euro kosten.

Die Kostendifferenz entsteht vor allem dadurch, dass die Baufirmen nach einer Eröffnung des BER, für dessen Betriebskonzept ständig zwei Start- und Landebahnen zur Verfügung stehen müssen, nur während der nächtlichen Betriebspausen hätten arbeiten können. Die Sanierung hätte sich dann wohl über mehrere Jahre hinweg hingezogen und wäre dadurch deutlich teurer geworden.

Mehrkosten entstehen nun jedoch den Airlines, die derzeit den alten SXF nutzen. Deren Flugzeuge müssen während der Nordbahn-Sanierung von der eigentlich für den BER gebauten Südbahn abheben. Das bedeutet längere Rollwege und eine höhere Kerosinverbrauch. „Die Anfahrt zum Start dauert rund zehn Minuten länger“, bestätigte Betriebsleiter Kleinert. Eine Gebührenermäßigung für die Fluggesellschaften gibt es dafür nicht. „Wir sanieren ja die Flughafeninfrastruktur im Interesse der Airlines“, betonte Mühlenfeld.

Taxiway wird verlängert

Der Flughafenchef verteidigte auch den Ausbau des Taxiway Charlie. Der geplanten Verlängerung der Bahn, auf dem die Flugzeuge zum Start rollen sollen, stehen zwei alte Hangars von Lufthansa und Bombardier im Wege. Diese müssen nun abgerissen und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden. Das soll bis zu 30 Millionen Euro kosten. Von einer weiteren „BER-Planungspanne“ war nach Bekanntwerden des Projekts Anfang Juli die Rede. Laut Mühlenfeld ist die Verlängerung schon lange Teil der Planung, sollte aber erst 2020, also nach der BER-Eröffnung erfolgen. Wegen des starken Wachstums im Berliner Luftverkehr müsse der Ausbau vorgezogen werden. Das Bereitstellen zusätzlicher Vorfeldflächen würde eine „zweistelliger Millionenbetrag“ kosten. Die Hangars selbst werden nun im Westteil des BER bei Selchow neu errichtet, die Kosten dafür würden jedoch die Nutzer und nicht die Flughafengesellschaft tragen.

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