Dem künftigen Hauptstadtflughafen BER drohen neue, ernsthafte Probleme bei seiner Fertigstellung. Einer der wichtigsten Auftragnehmer des Milliardenprojekts, der niederländische Gebäudeausstatter Royal Imtech NV, hat für seine deutsche Tochter Insolvenz angemeldet. Das teilte das Unternehmen am Donnerstagnachmittag mit.
Die Flughafen Berlin-Brandenburg GmbH (FBB) kündigte an, die Auswirkungen des vorläufigen Insolvenzverfahrens auf die BER-Baustelle in Schönefeld umgehend prüfen zu wollen. Imtech ist laut FBB Auftragnehmer für Elektroarbeiten sowie als Teil der Arbeitsgemeinschat IMCA auch zuständig für Heizung, Sanitär und Lüftung. In einem Telefonat habe der Geschäftsführer der Imtech Deutschland, Felix Colsmann, der FBB maximale Unterstützung für die Weiterführung der Arbeiten zugesagt, so die Flughafengesellschaft. Mängel beim Brandschutz gelten als Hauptgrund dafür, dass der neue Großflughafen bislang nicht in Betrieb genommen werden konnte. Inzwischen werden im Terminal umfangreiche Umbauten bei der Haustechnik vorgenommen, an denen Imtech maßgeblich mit beteiligt ist.
Löhne nur zögerlich gezahlt
Bereits in den vergangenen Tagen hat sich laut einem Bericht der „Welt“ abgezeichnet, dass das niederländische Renommierunternehmen zumindest mit seinem deutschen Zweig tief in Finanzproblemen steckt. Die Zahlung der Juligehälter soll nur zögerlich erfolgt sein. Die Muttergesellschaft mit Sitz in Gouda hatte bereits in der vorigen Woche bekannt gegeben, dass sie einen dreistelligen Millionenbetrag benötigt.
„Im Lichte dieser Ereignisse und sich daraus ergebender möglicher Interessenkonflikte hat der Vorsitzende von Imtech Deutschland, Felix Colsman, seinen Rücktritt als Vorstandsmitglied bei Royal Imtech erklärt“, heißt es in einer Mitteilung. Er bleibe aber Chef der – nun insolventen – deutschen Tochter.
Im Zusammenhang mit Imtech-Aufträgen am BER hatte es zudem Korruptionsvorwürfe gegeben. Ein früherer Bereichsleiter des Flughafens wurde im Mai in Untersuchungshaft genommen, wie die Staatsanwaltschaft Neuruppin damals bestätigte. Der frühere Prokurist soll Imtech-Nachforderungen von über 60 Millionen Euro bewilligt haben, nachdem er von dem Konzern 150.000 Euro Schmiergeld erhalten habe. Dringender Tatverdacht besteht auch gegen einen ehemaligen Deutschland-Chef und gegen einen Regionalleiter von Imtech.
Noch am Donnerstagvormittag hatte der Flughafenbetreiber Baufortschritte am BER vermeldet. Bei der Sanierung der überbelegten Kabeltrassen seien die Arbeiter auf der Zielgerade, teilte Flughafenchef Karsten Mühlenfeld in einem sogenannten BER-Barometer mit. Nicht ganz so schnell geht es demnach bei der Mängelbeseitigung und bei Restleistungen voran. „Das ist ok, könnte aber besser sein“, so Mühlenfeld. „Denn leider sind, wie ich bereits mehrfach gesagt habe, einige Meilensteine verzögert.“ Er erwarte von den Planungsbüros und Baufirmen ein noch höheres Engagement. Der Flughafen soll nach mehreren Terminabsagen im zweiten Halbjahr 2017 in Betrieb gehen.
mit dpa





