Lärmschutz

Piloten sollen am BER schneller an Höhe gewinnen

Die Sonderreglung für nächtliche Flüge soll dafür sorgen, dass Anwohner im Berliner Südwesten besser vor Fluglärm geschützt werden.

Ein Flugzeug am Flughafen Schönefeld

Ein Flugzeug am Flughafen Schönefeld

Foto: dpa

Schönefeld –. Die Fluglärmkommission für den neuen Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld will mit einer Sonderregelung nächtliche Flüge über den Berliner Südwesten sowie die Umlandgemeinden vermeiden.

Die Kommission beschloss am Montag die Forderung, dass Piloten erst auf einer Höhe von 10.000 Fuß (rund 3000 Meter) die festgelegte Flugroute verlassen dürfen, wie der Vorsitzende Gerhard Steintjes nach mitteilte. Üblich ist, dass der Pilot bei 5000 Fuß die Route verlassen und den kürzesten Weg wählen kann, wenn der Lotse im Tower einverstanden ist.

Je nach Ziel können sie dann auch über dicht bewohnte Stadtgebiete fliegen. In Tegel gilt aus Lärmschutzgründen nachts und am Wochenende eine höhere Grenze für das Verlassen der Flugroute, dort ist eine Mindesthöhe von 8000 Fuß vorgeschrieben.

Die Fluglärmkommission aus Bürgermeistern, Behörden- und Luftfahrtvertretern kann indes nur Empfehlungen geben. Die Entscheidung liegt nun bei der Deutschen Flugsicherung (DFS), die die Routen erarbeitet, und dann beim Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF), das sie festlegt.

Die Verdoppelung der üblichen Höhe fürs Abdrehen am BER beträfe zudem nur die Route, auf der die Maschinen am späten Abend und am frühen Morgen von der Nordbahn in Richtung Westen an Blankenfelde-Mahlow vorbei dicht am Berliner Stadtrand entlang fliegen. Die Route ist nach einem Gerichtsurteil neu zu regeln, die übrigen Flugkorridore bleiben wie bereits 2011 für den BER festgelegt.

Erfolgreiche Klage gegen die BER-Flugrouten

Hintergrund des Votums der Kommission ist die erfolgreiche Klage von Blankenfelde-Mahlow gegen die BER-Flugrouten. Die Gemeinde gehört zu dem am stärksten vom Fluglärm belasteten Orten, wird sie doch sowohl bei den Starts, als auch bei den Landungen am BER in geringer Höhe und damit an allen Tagen im Jahr überflogen.

Damit wenigstens eine halbwegs normale Nachtruhe möglich ist, hatte das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg die Route, die direkt über die Ortsmitte führt, für den späten Abend und für den frühen Morgen für unzulässig erklärt.

Die Fluglärmkommission empfahl für nächtliche Starts von der Nordbahn in Richtung Westen nun einen Kurs zwischen Blankenfelde-Mahlow und Lichtenrade hindurch, weiter zwischen Großbeeren und Teltow und dann nach Südwesten auf den Berliner Ring. Eine Höhe von 10.000 Fuß würden die meisten Flugzeuge erst an der Autobahn erreichen.

„Das ist unbedingt notwendig, damit man Zehlendorf, Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf von den direkten Überflügen verschont“, sagte Steintjes. Etwa 50 Flüge würden täglich in der Zeit zwischen 22 Uhr und Mitternacht sowie 5 und 6 Uhr erwartet.

Strenges Nachtflugverbot nur von Mitternacht bis 5 Uhr

Ein strenges Nachtflugverbot gilt am BER nur von Mitternacht bis 5 Uhr morgens. Versuche Brandenburgs, für einen besseren Lärmschutz der Anwohner das Flugverbot am BER auszuweiten, scheiterten bisher am Widerstand von Berlin und dem Bund, die um die Wirtschaftlichkeit des aktuell 5,4 Milliarden Euro teuren Airports fürchten.

Unterdessen sind weitere Mehrkosten bekannt geworden. So wird im Zuge der Sanierung der alten Nordbahn in Schönefeld auch die Rollbahn „Taxiway Charlie“ ausgebaut. Dafür müssten Wartungshallen von Lufthansa und Bombardier abgerissen und verlagert werden, sagte Brandenburgs Flughafen-Koordinator Rainer Bretschneider am Montag im Landtag. Das werde 30 Millionen Euro kosten.

„Aber so können wir 700 qualifizierte Arbeitsplätze am Standort halten.“ Der Ausbau des „Taxiway Charlie“ sei notwendig, damit Flugzeuge bei Havarien ausweichen könnten. Die Maßnahme wäre jedoch besser früher berücksichtigt worden.