Wer wird Berlins neuer Flughafenchef? Noch sind sich die Eigentümer der Flughafengesellschaft über ihr Vorgehen bei der Suche nach einem Mehdorn-Nachfolger nicht einig. Berlins neuer Regierender Bürgermeister und Flughafenaufsichtsrat Michael Müller (SPD) machte jedoch kein Hehl daraus, dass er eine interne Lösung favorisiert. „Ich habe das Gefühl, dass es gut wäre, wenn diejenigen, die eine gute Grundlage geschaffen haben, auch in der Verantwortung bleiben“, sagte er. Alle, die bei der Aufsichtsratssitzung am vergangenen Freitag dabei gewesen seien, hätten gute Arbeit geleistet. Technikchef Jörg Marks wurde von Müller explizit hervorgehoben. Marks hatte am Freitag gemeinsam mit Mehdorn eine Terminplanung für den Hauptstadtflughafen im Aufsichtsrat durchgesetzt.
Der amtierende Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider, der in dem Gremium auch Brandenburg vertritt, legte sich dagegen nicht fest. „Erst muss über die Struktur entschieden werden, dann klären wir Personalfragen“, sagte er dem „Handelsblatt“. Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums sagte zu Spekulationen, Verkehrsstaatssekretär Rainer Bomba (CDU) könnte Mehdorn auf dem Geschäftsführerposten nachfolgen: „Das steht nicht zur Debatte.“
„Das ist nicht anständig“
Wie berichtet, hatte Flughafenchef Hartmut Mehdorn am Montag überraschend seinen Rücktritt erklärt. Gleichzeitig bot er jedoch an, bis zum Finden eines Nachfolgers im Amt zu bleiben, längstens jedoch bis zum 30. Juni 2015. Hintergrund des Rücktritts waren Spekulationen über seine Zukunft. Demnach sollte vor allem auf Betreiben des Bundes und Brandenburgs sein im März 2016 auslaufender Geschäftsführervertrag nicht verlängert werden, auch sollten Gespräche mit potenziellen Nachfolgern schon vereinbart worden sein. „Das ist nicht anständig, das so zu tun. Das geziemt sich nicht für einen Aufsichtsrat, und es kam ja aus dem Aufsichtsratsumfeld“, kritisierte Mehdorn am Dienstag in einem Interview mit dem Fernsehsender n-tv. „Wenn mir einer quer kommt, dem sage ich: ‚Sie sind ein Klotzkopf.‘ Aber ich gehe nicht hinter den Vorhang und murmel da etwas an Dritte“, sagte Mehdorn.
Bereits seit einigen Tagen wird mehr oder minder offen über mögliche Nachfolger spekuliert. Wie schon vor der Berufung Mehdorns im März 2013 sind dafür der Köln-Bonner Flughafenchef Michael Garvens und der Technikchef des Münchner Flughafens Thomas Weyer im Gespräch. Bretschneider sagte dazu nur, dies seien „Menschen, die in der Flughafenszene eine wichtige Rolle spielen“. Der Betriebswirt Garvens ist seit 2002 Chef des Flughafens Köln-Bonn. Dem 56-Jährigen, der in Berlin schon als Geschäftsführer des Airport-Bodendienstleisters GlobeGround tätig gewesen ist, werden durchaus Ambitionen nachgesagt. Angeblich sollen die Flughafengesellschafter bereits ein Treffen mit ihm vereinbart haben, das jedoch abgesagt wurde, als es kurz vor der Aufsichtsratssitzung in der vergangenen Woche öffentlich gemacht wurde. Kontakte zu Garvens soll es noch geben, heißt es aus Flughafenkreisen.
Weyer war von 2004 bis 2008 als Technikgeschäftsführer der Berliner Flughafengesellschaft für den Bau des neuen Hauptstadtflughafens in Schönefeld zuständig, bevor er nach München wechselte. Der heute 54 Jahre alte Airport-Manager ist in der dortigen Flughafengesellschaft für Finanzen und Infrastruktur zuständig. Der Bauingenieur und Betriebswirt mit Auslandserfahrung verfügt damit über Fachkenntnisse, die am pannengeplagten BER gefragt sein dürften. Er hat zudem seinen Wohnsitz unweit des Neubaus in Kleinmachnow. Der Flughafen München stellte indes klar, es habe keine Gespräche mit Weyer gegeben. Der Manager selbst wolle Spekulationen auch nicht kommentieren.
„Verlässliches Abarbeiten“
Berlins Regierender Bürgermeister Müller äußerte sich skeptisch zu einer Neubesetzung des BER-Chefpostens von außen, auch wegen der Gefahr einer erneuten Verzögerung der Eröffnung. „Ja, genau, das ist so eine Gefahr und deswegen bin ich auch skeptisch und vorsichtig, wenn ich lauter Namen in der Zeitung lese“, sagte er am Dienstag dem RBB-Sender radioeins. Er wolle vielmehr ein Team, das da anknüpft, „wo wir jetzt stehen“. Es sei viel abgearbeitet worden in den letzten zwei Jahren, und durch den neuen Technikchef Jörg Marks habe wirklich eine Perspektive formuliert werden können, was an nächsten Schritten ansteht. „Und dieses verlässliche Abarbeiten der Probleme im BER ist mir wichtiger, als dass jemand jetzt wieder den ganz großen Wurf und Neuanfang formuliert. Und deswegen gucken wir ganz genau hin, wer in dieses Team passt und wer nicht“, sagte Müller.
Gut ins Team könnte auch Elmar Kleinert passen. Kleinert leitet seit Juni 2013 den Flugbetrieb an den Flughäfen Tegel und Schönefeld. Zuvor war er einige Jahre Chef des Flughafens Paderborn-Lippstadt, bevor ihn Mehdorn wieder in die Hauptstadt holte. Der Erfahrung und dem umsichtigen Tun Kleinerts ist es nach Ansicht vieler Beobachter hauptsächlich zu verdanken, dass der Betrieb am Flughafen Tegel trotz permanenter Überlastung bislang nicht zusammengebrochen ist. So ist es wenig überraschend, dass derzeit auch über eine Beförderung des 53-Jährigen spekuliert wird.
Geht es nach Martin Delius von den Piraten, der den BER-Untersuchungsausschuss im Berliner Abgeordnetenhaus leitet, sollten die Flughafengesellschafter gar Horst Amann reaktivieren. Der zeitweilige Technikchef stehe ja schließlich in Berlin noch unter Vertrag und sei bei einer Tochtergesellschaft geparkt, argumentierte Delius. Der stellte schließlich Amann und seine Mitarbeiter kalt und baute die gesamte Führungsspitze um. Kehrt Amann zurück, dürfte es monatelange Personalquerelen geben, fürchten Insider. Auch Mehdorns Eröffnungskonzept werde Amann kaum kritiklos übernehmen, hat er doch mit diesem eine Rechnung offen.



