Großflughafen

BER soll spätestens Ende 2017 eröffnen

Der BER soll Ende 2017 an den Start gehen. Das sagte Vize-Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider am Freitagnachmittag nach der Aufsichtsratssitzung.

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Der Großflughafen BER soll im zweiten Halbjahr 2017, also in etwa drei Jahren, eröffnet werden. Das hat der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Flughafengesellschaft, Rainer Bretschneider, am Freitag am Rande einer Sitzung des Kontrollgremiums in Motzen (Brandenburg) mitgeteilt. Ein konkreter Termin wurde nicht genannt. Das möchte die Flughafengesellschaft im Sommer nächsten Jahres tun. „Zur Jahresmitte 2015 wollen wir die Unwägbarkeiten soweit abgearbeitet haben, dass wir einen konkreten Eröffnungstermin nennen können“, heißt es in einem Papier der Flughafengesellschaft, das der Berliner Morgenpost vorliegt. Ursprünglich sollte der Hauptstadtflughafen Ende Oktober 2011 an den Start gehen.

Der Aufsichtsrat wolle eine „möglichst schnelle und möglichst sichere, havariefreie Eröffnung“, sagte Bretschneider. „Wir wollen, dass der Flughafen fliegt“, fügte er hinzu. Flughafenchef Hartmut Mehdorn sprach von einer „frohen und guten Botschaft“. Er sagte auch: „Ich habe es geschafft, das Chaos auf der Baustelle in den Griff zu kriegen.“ Nach Bretschneiders Angaben habe der Aufsichtsrat am Freitag ein „Terminband“ beschlossen. Danach sollen alle Planungen bis Mitte kommenden Jahres beendet werden, die bauliche Fertigstellung und Abnahme des BER bis Juli 2016. Anschließend sollen die Anlagen getestet werden.

Der Aufsichtsrat habe der Geschäftsführung für dieses Konzept „alle Unterstützung zugesagt“, so Bretschneider. „Entscheidend dafür war, dass sie eine nachvollziehbare Schrittfolge vorgestellt hat und die Unterstützung aller am Bau Beteiligten für diesen Terminplan darstellen konnte“, sagte er. Seit dem ersten Spatenstich für den Flughafen 2006 sind bereits vier Eröffnungstermine geplatzt. Zu den Ursachen zählen Planungsfehler, Baumängel und Technikprobleme, vor allem beim Brandschutz.

Auseinandersetzungen zwischen Geschäftsführung und Aufsichtsrat

Vor der Sitzung hatte es tagelange heftige Auseinandersetzungen zwischen Geschäftsführung und Aufsichtsrat gegeben. Mehdorn hatte sich gegen eine externe Kontrolle seiner Arbeit im Auftrag des Aufsichtsrates gewehrt. Das Gerücht stand im Raum, die Gesellschafter Bund und Brandenburg würden bereits einen Nachfolger für den 72-Jährigen suchen. Die Wogen scheinen zunächst geglättet. „Wir stehen alle zusammen“, sagte Bretschneider zum Sitzungsverlauf. „Das Ganze war getragen von einem Geist der Kooperation und der Gemeinschaft, und das hat uns gut getan.“ Verkehrsstaatssekretär Rainer Bomba (CDU) sprach Mehdorn am Freitagmorgen das Vertrauen des Bundes aus.

Thema im Aufsichtsrat war auch eine mögliche Erweiterung des Flughafens, der für 27 Millionen Passagiere pro Jahr ausgelegt und mutmaßlich bereits bei der Eröffnung überlastet ist. In diesem Jahr werden in Schönefeld und Tegel insgesamt schon 28 Millionen Fluggäste erwartet. Mehdorn möchte, dass die Aufseher ein zweites Terminal am BER genehmigen. Die Sitzung dauerte am Abend noch an.

Flughafenchef Hartmut Mehdorn hat allerdings auch eine schmerzliche Niederlage hinnehmen müssen. Die dringend notwendige Sanierung der alten, noch aus DDR-Zeiten stammende Start- und Landebahn am Flughafen Schönefeld darf zwar wie vorgesehen im nächsten Jahr erfolgen. Die Arbeiten an der sogenannten Nordbahn können aber nicht wie von ihm beantragt Ende März, sondern erst am 2. Mai 2015 beginnen. Das teilte am Freitag Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (parteilos, für SPD) in Potsdam mit.

Grundlage dafür ist eine entsprechende Entscheidung der gemeinsamen Oberen Luftfahrtbehörde der Länder Berlin und Brandenburg (LuBB). Während der sechsmonatigen Bauphase soll der gesamte Flugverkehr in Schönefeld über die neue, eigens für den künftigen Hauptstadtflughafen BER gebaute Startbahn geleitet werden.

Mehdorns Appell blieb ohne Erfolg

Angesichts der Rückstände beim Schallschutz für die Anwohner hatte sich diese Entscheidung bereits vor drei Wochen bei der Beratung der Schönefelder Fluglärmkommission abgezeichnet. Mehdorn warnte anschließend jedoch eindringlich vor einer Terminverschiebung um vier Wochen. Diese würde zu erheblichen Mehrkosten führen, erklärte er damals. Zuletzt hieß es, die Sanierung werde etwa 50 bis 60 Millionen Euro kosten. Zudem würde sich der Bauablauf unnötig verkomplizieren, da die auf insgesamt ein halbes Jahr konzipierte Sanierung in die Schlechtwetterperiode rutschen würde. „Wir haben alles unternommen, damit die Südbahn-Anwohner rechtzeitig ihren Schallschutz bekommen. Eine mit Augenmaß urteilende Behörde würde eine derart sachfremde Entscheidung niemals treffen“, sagte Mehdorn damals. Sein Appell blieb ohne Erfolg.

Nach Ansicht der Oberen Luftfahrtbehörde ist mit dem neuen Termin ein guter Kompromiss zwischen den Interessen der Flughafengesellschaft und denen der Anwohner gefunden worden. Zwar seien die Schallschutzauflagen für die betroffenen rund 4300 Anwohner noch nicht vollständig erfüllt, sagte LuBB-Chef Wolfgang Fried. Damit noch möglichst viele Fälle geklärt werden könnten, sei der Sanierungsbeginn von Ende März auf den 2. Mai verschoben worden. „Die Auflage für die Flughafengesellschaft geht dahin, so viel Schallschutz wie möglich herzustellen“, sagte Fried.

Bislang hätten etwa 3000 Anwohner einen Bescheid der Flughafengesellschaft erhalten und könnten die Arbeiten für den Schallschutz in Auftrag geben, sagte Schneider. In weiteren 1100 Fällen hake die Bearbeitung nach Angaben der Flughafengesellschaft aus verschiedenen Gründen, etwa weil die Eigentümer nicht zu ermitteln seien oder weil es sich um Gartengrundstücke ohne Anspruch auf Schallschutz handele.

Leipzig und Dresden könnten BER entlasten

Infrastruktur-Ministerin Schneider betonte, dass es sich lediglich um eine befristete Inbetriebnahme der Südbahn und nicht um eine Teileröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER handele. Dabei gehe es um gut 36.000 Flugbewegungen, gegenüber rund 195.000 Starts und Landungen, die von der Flughafengesellschaft nach einer vollständigen Inbetriebnahme des Hauptstadtflughafens in den verkehrsreichsten sechs Monaten prognostiziert seien.

Unterdessen hat Sachsens Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) die Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden als Entlastung für den künftigen Großflughafen BER in Schönefeld angeboten. „Anstatt dort mit viel Aufwand weitere Terminals zu bauen, sollte man gerade die Kapazitäten von Leipzig nutzen“, sagte Tillich am Freitag. Eine Bahnfahrt von Leipzig nach Berlin dauere nicht länger als die Fahrt mit der S-Bahn vom Berliner Zentrum nach Schönefeld. Ähnlich wie in London oder Frankfurt könnten Fluglinien auf benachbarte Flughäfen ausweichen. Die Landeplätze Leipzig/Halle und Dresden sind bisher nicht ausgelastet.

Laut der aktuellen Passagierzahlen in Berlin steht schon heute fest, dass der BER zu klein konzipiert wurde. Der neue Flughafen, dessen Eröffnungstermin nach mehreren Pannen immer wieder verschoben worden ist, ist für 27 Millionen Passagiere pro Jahr ausgelegt. Bereits zum jetzigen Zeitpunkt aber haben der Flughafen Tegel und der alte Flughafen Schönefeld 28 Millionen Fluggäste in diesem Jahr abgefertigt.

BER-Geschäftsführer Hartmut Mehdorn will deshalb die alten Rollfelder in Schönefeld weiter nutzen und plant noch vor der Eröffnung den Bau zusätzlicher Terminalgebäude. Diese sollen noch vor der nunmehr für das zweite Halbjahr 2017 angekündigten Eröffnung des BER errichtet werden.