BER

Druck auf Flughafen-Chef Mehdorn steigt

Das Land Brandenburg sendet neue Vertreter in den Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft. Das lässt die Spekulationen um die Zukunft von BER-Chef Mehdorn sprießen.

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Im Aufsichtsrat für den künftigen Hauptstadtflughafen BER, aber auch in der Gesellschafterversammlung stehen personelle Veränderungen an: Brandenburg schickt – wie berichtet – den 65-jährigen ehemaligen Daimler- und Rolls-Royce-Manager Axel J. Arendt in das 15-köpfige Kontrollgremium. Dies hat das Landeskabinett am Dienstag beschlossen. Geplant ist laut Morgenpost-Informationen, dass der Top-Manager Anfang nächsten Jahres als Nachfolger von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) für den Vorsitz vorgeschlagen wird. Bis dahin soll Brandenburgs Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider als Vize-Vorsitzender den Aufsichtsrat leiten.

Wenn der BER-Aufsichtsrat am kommenden Freitag in Schönefeld zusammentritt, soll also noch kein neuer Chef gewählt werden. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sagte am Dienstag: „Mit Axel J. Arendt haben wir einen Fachmann aus der Wirtschaft mit sehr, sehr großer Reputation gewinnen können.“ Der Luftfahrtexperte habe sich nicht nur in der Zeit bei Rolls-Royce, sondern auch danach als Repräsentant der Flughafenregion mehr als verdient gemacht. „Er hat in der Region wesentlich dazu beigetragen, dass Rolls-Royce in Dahlewitz die Erfolgsgeschichte geworden ist“, so Woidke. Arendt ist Vorsitzender des „Forum Luft- und Raumfahrt“, einer Lobbyorganisation der Luftfahrtindustrie. Er hat eine Beratungsgesellschaft, ist Mitglied mehrerer Aufsichtsräte.

Schon einmal im Gespräch

Der gebürtige Hannoveraner war zwischen 2006 und 2009 Chef von Rolls-Royce in Deutschland. Den Großteil seines beruflichen Lebens hat er bei Daimler-Benz verbracht. Arendt ist bereits für den BER tätig, als Repräsentant für die wirtschaftliche Entwicklung der Airport Region Berlin. Er war schon einmal als Aufsichtsratmitglied im Gespräch. Damals lehnte er ab, angeblich auch wegen der schlechten Bezahlung. Pro Sitzung erhalten Aufsichtsräte 128 Euro. „Es war nicht ganz leicht“, sagte Woidke zu seinem Coup. „Die Leute stehen dafür nicht Schlange.“ Mit Wolfgang Krüger, Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus, sitzt für Brandenburg ein weiterer Mann der Wirtschaft in dem Gremium.

Das Land schickt außerdem Finanzstaatssekretärin Daniela Trochowski (Die Linke) neu in den Aufsichtsrat. Finanzmininister Christian Görke (Linke) wechselt an ihre Stelle in die Gesellschafterversammlung. Der frühere Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Die Linke) scheidet aus. „Die neue Brandenburger Aufsichtsratsmannschaft bietet eine ausgewogene Fachkompetenz der Wirtschaft und Repräsentanz der Landesinteressen“, sagte Woidke. Die „Neuen“ wurden in der Gesellschafterversammlung des BER am Dienstag ebenso wie Berlins designierter Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) in den Aufsichtsrat gewählt.

Auch in der Gesellschafterversammlung soll die Eignerrolle künftig gestärkt werden. Nach Informationen der Berliner Morgenpost wird unter den drei Anteilseignern derzeit eine Neuaufstellung der Gesellschafterversammlung diskutiert – mit noch mehr Befugnissen gegenüber der Flughafen-Geschäftsführung. Dazu müsste der Gesellschaftervertrag geändert werden. Die Flughafengesellschaft gehört den Ländern Berlin und Brandenburg zu jeweils 37 Prozent und dem Bund zu 26 Prozent. Bislang war in der Gesellschafterversammlung die Fachebene vertreten.

Wie die Berliner Morgenpost erfuhr, erwägt Ministerpräsident Woidke, künftig ständig in der Gesellschafterversammlung vertreten zu sein, zusammen mit Regierungsvize Görke. Der Brandenburger Regierungschef steht vor allem in Berlin in der Kritik, weil er – anders als Michael Müller – nicht in den Aufsichtsrat gehen will. „Die Gesellschafterversammlung soll noch stärker zum Machtzentrum werden“, heißt es in Gesellschafterkreisen. Das Gremium ist zuständig für die grundlegenden Entscheidungen wie die Kapitalausstattung des Flughafens.

Offenbar wollen die Anteilseigner künftig größeren Einfluss auf das Agieren von Flughafen-Geschäftsführer Hartmut Mehdorn nehmen. Denn die Unzufriedenheit mit dem ehemaligen Bahn- und Air-Berlin-Manager wächst. Nach Informationen der Zeitung „Handelsblatt“ hat die Suche nach einem Nachfolger für Mehdorn bereits begonnen. Für Berichte, wonach der Bund einen Headhunter eingeschaltet hat, gab es aber keine offizielle Bestätigung. Mehdorns Vertrag läuft im Februar 2016 aus. Ein Jahr vorher müsste beschlossen werden, ob er verlängert wird. Das ist derzeit tatsächlich offen. Regierungschef Woidke sagte lediglich: „Über eine Vertragsverlängerung werden wir uns derzeit nicht unterhalten. Sie ist momentan kein Thema.“ Zumindest Brandenburg und Berlin würden nicht aktiv suchen.

Der designierte Berliner Senatschef Müller bedauerte den Rückzug der Brandenburger Spitzenpolitiker aus dem Aufsichtsrat. „Ich glaube, dass die Politik dort eine Verantwortung trägt“, sagte Müller der RBB-Abendschau. Wer der Vorsitzende des Gremiums werde, sei „völlig offen“.

Mögliche Nachfolger

Bestrebungen, Mehdorn abzulösen, kommentierte Müller mit großer Skepsis. „Das muss man sich schon sehr gut überlegen, ob man führende Köpfe austauscht, weil die Gefahr besteht, dadurch Fahrt zu verlieren“, sagte Müller dem RBB. Als mögliche Mehdorn-Nachfolger wurden in Luftfahrtkreisen der Kölner Flughafenchef Michael Garvens und der Münchener Flughafenmanager Thomas Weyer genannt. Auch der Verkehrsstaatssekretär des Bundes, Rainer Bomba, der jetzt im BER-Aufsichtsrat sitzt, sei im Gespräch.

Aus Müllers Umfeld hieß es dazu, wer sich selbst ins Gespräch bringe, erhöhe nicht seine Chancen, eine Position auch zu bekommen. Medienmeldungen, am kommenden Montag würden Woidke und Müller bereits mit einem möglichen Mehdorn-Nachfolger sprechen, seien falsch. In Berliner Regierungskreisen war man am Dienstag aber auch durchaus verstimmt darüber, dass Informationen über Axel J. Arendt als möglichen Aufsichtsratsvorsitzen durchgesickert waren.