Hauptstadtflughafen

BER droht wegen mangelnden Schallschutzes neue Verzögerung

In Schönefeld ist die pünktliche Sanierung der Nordbahn in Gefahr. Denn dafür müssen Tausende BER-Anwohner vor Lärm geschützt sein. Doch die Anträge auf Schallschutz werden nur schleppend bearbeitet.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Für die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg wird der Schallschutz zu einem Wettlauf gegen die Zeit. Werden in den kommenden zwei Monaten nicht noch mehr als 4000 Bescheide an Anwohner der Südbahn des neuen Flughafens BER ausgegeben, verzögert sich die geplante Sanierung der nördlichen Start- und Landebahn weiter. Die Anwohner erhalten je nach Lärmbelastung Schallschutzfenster, Dämmungen und Lüfter oder sie werden mit Geld entschädigt.

Zudem haben noch nicht alle Hausbesitzer Anträge auf Schallschutz gestellt. Dabei gehen Experten des Flughafens davon aus, dass sie bei rund 2000 Gebäuden eigens Lüftungssysteme einbauen müssen, weil die Bewohner wegen des Krachs der startenden und landenden Jets ihre Fenster nicht mehr zum Lüften öffnen können.

Erst Schallschutz, dann Flugbetrieb

Flughafenchef Hartmut Mehdorn hat bei der Luftfahrtbehörde beider Länder beantragt, ab 29. März 2015 die neu angelegte Südbahn nutzen zu wollen. Dann soll die bestehende Nordbahn, über die bislang der Flughafen Schönefeld seinen Verkehr abwickelt, für 45 Millionen Euro saniert werden. Eine Erlaubnis, vor der BER-Eröffnung dessen neue Startbahn in Betrieb zu nehmen, bekommt Mehdorn jedoch erst, wenn die Anwohner vor Lärm der 60.000 Flugbewegungen pro Jahr geschützt sind.

Ursprünglich wollte Mehdorn schon im Juli mit der Sanierung beginnen, musste diesen Plan aber im Februar wegen der nach seiner Darstellung überraschenden neuen Schallschutzauflagen absagen. Die Brandenburger Landesregierung betrachtet die Entwicklung mit Sorge. „Bisher sind noch zu wenige Bescheide rausgeschickt worden, obwohl 88 Prozent der Bestandsaufnahmen durchgeführt worden sind“ sagte Kathrin Schneider, Staatssekretärin des Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft. „Die Flughafengesellschaft muss das jetzt dringend hochfahren.“

Mindestens 730 Millionen Euro für Schallschutz

Tatsächlich verläuft die Bearbeitung der Anträge schleppend. Die Flughafengesellschaft rechnet nach den Worten eines Sprechers mit 4900 Haushalten, die im Einzugsgebiet der Südbahn Anspruch auf Schallschutz bei Tag oder in der Nacht haben. Bearbeitet werden derzeit 4360 Anträge, herausgeschickt sind bisher aber erst etwas mehr als 200 Bescheide. Noch gar keinen Antrag haben 309 Anwohner der Südbahn gestellt. Insgesamt sind im Umfeld des BER 25.500 Haushalte berechtigt, ihre Häuser auf Kosten der Flughafengesellschaft mit passivem Lärmschutz ausrüsten zu lassen. Wo die Einbauten sich nicht lohnen, werden die Eigentümer finanziell entschädigt. Laut Flughafengesellschaft sind insgesamt rund 2000 Anträge abschließend bearbeitet worden.

Der Brandenburger CDU-Verkehrsexperte Rainer Genilke forderte die rot-rote Landesregierung unter Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) auf, noch „viel mehr Druck zu machen“. Nach verschärften Vorgaben des Oberverwaltungsgerichts, wonach in Innenräumen eine Lautstärke von 55 Dezibel im Durchschnitt nur jeden zweiten Tag einmal überschritten werden darf, haben sich die erwarteten Kosten massiv erhöht. Die Flughafengesellschaft kalkuliert mit 730 Millionen Euro, ursprünglich waren nur 139 Millionen Euro veranschlagt.

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