Korruptionsverdacht

BER-Chef Mehdorn - „Ich habe diesem Mann getraut“

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Joachim Fahrun

Foto: Stephanie Pilick / dpa

BER-Chef Mehdorn hat Technikchef Großmann nach den Korruptionsvorwürfen gefeuert und will jetzt schnell einen Nachfolger benennen. Erste Kandidaten hat er sich bereits ausgesucht.

Flughafenchef Hartmut Mehdorn hat Spekulationen zurückgewiesen, die umfangreichen Umplanungen an der Brandschutzanlage des Flughafens BER seien auf Initiative des unter Korruptionsverdacht stehenden früheren Technikchefs Jochen Großmann vorgenommen worden. Bei der Entscheidung, die nicht abnahmefähige Anlage in drei Teile zu zerlegen, sei Großmann „nicht dominant“ gewesen, versicherte Mehdorn am Mittwoch im Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses. In die Vergabe von Planungsaufträgen sei er als Berater mit seiner technischen Expertise zwar eingebunden gewesen, er habe aber die Entscheidungen nicht getroffen und auch keine Unterschriften geleistet. „Er war für nichts bevollmächtigt“, sagte Mehdorn. Großmann habe nie Planungen angeordnet. Die Entscheidungen darüber seien vor seiner Zeit gefallen. Alle anderen Darstellungen seien „Räuberpistolen“.

Großmann habe aber die Angebote der einzelnen Ingenieurfirmen gekannt und habe sein Wissen „extern vermarktet“, sagte der Regierende Bürgermeister und Flughafen-Aufsichtsratschef Klaus Wowereit (SPD). Er soll Vertreter eines Unternehmens mit Hauptsitz in Holland dazu aufgefordert haben, mehr Honorar zu fordern, weil sie dann immer noch die günstigsten Bieter seien und den Zuschlag bekommen würden. Als Gegenleistung für diese Information wollte er 350.000 Euro haben.

Die interne Revision der Ingenieurfirma entdeckte die Manipulationen und informierte den Flughafenchef, der wiederum die Staatsanwaltschaft einschaltete. Es gebe bisher keine Hinweise darauf, dass die Firma den Auftrag ohne den Korruptionsfall nicht bekommen oder nicht die Expertise hätte, sagte Wowereit. Die Fragestellungen der Opposition seien eine „Unterstellung“. Es gehe nicht um „die Korruption am BER“, sondern um einen Einzelfall.

Mehdorn sagte, er habe den erst im April fest am Flughafen angestellten Technikchef inzwischen entlassen: „Ich habe ihm vertraut“, so der Flughafen-Geschäftsführer. Im Grundsatz werde der mit dem Honorarprofessor der Hochschule Cottbus eingeschlagene Pfad zur Lösung der technischen Probleme mit dem Brandschutz weiter beschritten. In der Arbeit habe Großmann fachlich einen sehr guten Eindruck hinterlassen, so der Flughafen-Chef. „Dass er schwach geworden ist, ist eine Sauerei“, sagte Mehdorn. Er räumte ein, dass es in der Flughafengesellschaft keine eigenen technischen Fachkenntnisse gebe. Der BER werde im Wesentlichen von externen Ingenieuren geplant und gebaut. Nur fünf Prozent der Flughafenmitarbeiter seien mit dem Bau befasst.

Suche nach einem Nachfolger

In der kommenden Woche will Mehdorn den Aufsichtsrat darüber informieren, ob die Entlassung Großmanns den bisherigen Zeitplan weiter verzögert habe. Ob es einen weiteren Zeitverlust gebe oder nicht, entscheide sich daran, wie schnell ein Nachfolger gefunden werde und ob der Flughafen die Truppe von 16 Fachleuten, die Großmann aus seiner Firma Gricon mitgebracht hat, behalten kann. All diese Mitarbeiter hätten Erklärungen unterzeichnet, dass sie von den Praktiken ihres Chefs nichts gewusst hätten.

Wowereit und Mehdorn mussten sich zahlreichen und oft wenig fokussierten Nachfragen von Grünen, Linken und Piraten stellen. Diese wurden im Ausschuss zu umfangreichen Fragelisten zusammengefasst. Deutlich wurde aber auch, dass diese Art der Befragung kaum neue Erkenntnisse bringen kann.

Mehdorn betonte, man habe einen Zeitplan für die nächsten Schritte am BER. Für die nächste Aufsichtsratssitzung am 30. Juni wolle er eine Kostenplanung zur Fertigstellung des BER vorlegen. Darauf drängen nicht nur die Berliner Abgeordneten. Auch Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke) hat abgelehnt, ohne Kostenplan weiteres Geld für den Bau zu bewilligen. Auch die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau, die der Flughafengesellschaft Geld leiht für den BER, hat die Auszahlung der letzten 100-Millionen-Euro-Tranche eines Kredits von entsprechenden Informationen abhängig gemacht.

Eine Weile reicht das Geld am BER noch

Mehdorn gab Entwarnung an der Finanzfront. Weil der Bau weniger schnell vorangekommen sei als geplant und die Flughafenanlieger Mittel für den Schallschutz langsamer abgerufen hätten, reiche das Geld der Flughafengesellschaft noch bis ins nächste Jahr hinein. Wowereit sagte, der Flughafen werde auch vom Land Berlin nur dann Geld bekommen, wenn er es wirklich braucht.

Verantwortlich für den schleppenden Fortschritt der Arbeiten an der Entrauchungsanlage sind nach Mehdorns Darstellung die Vergaberegeln. „Sie warten und warten, das geht einem auf den Keks“, sagte der als ungeduldig geltende Manager. Die Planungen für den Umbau der Anlage liefen aber allmählich in Bauaufträge ein. Die letzten Pläne für den Umbau würden im Juli oder August fertig, dann könnten die einzelnen Arbeiten konkret koordiniert werden. Damit werde man bis Jahresende oder spätestens im ersten Quartal 2015 durch sein. Und dann könne man gesichert sagen, wann der Flughafen in Betrieb geht.