Die Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER könnte sich weiter verzögern, eine Inbetriebnahme im Oktober 2016 sei „akut gefährdet“ und nur bei massiven strukturellen Verbesserungen des Baugeschehens möglich. Das hat nach Angaben aus Kreisen des Aufsichtsrates ein leitender Mitarbeiter der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg an Flughafenchef Hartmut Mehdorn geschrieben.

Der Brief, über den erstmals die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet hatte, ist auch an mehrere Aufsichtsräte gegangen. Bei dem Mitarbeiter handelt es sich um den Bereichsleiter Real Estate Management, Harald Siegle. Seine Abteilung ist zuständig für die Vermarktung von Flächen und Immobilien am BER.

Siegle habe vor Fehlern beim Umbau des Unternehmens und Missmanagement gewarnt, heißt es in dem Zeitungsbericht. Er erhebe Vorwürfe gegen die von Mehdorn geleitete Geschäftsführung der Flughafengesellschaft: Es fehle eine klare Planung, Entscheidungen erfolgten ohne angemessene Abstimmung und Sachkunde, seien oft von Aktionismus geprägt.

Eröffnung mehrmals abgesagt

Die Eröffnung des BER musste bereits mehrfach abgesagt werden: Im Juni 2010 wurde entschieden, sie um sieben Monate von Herbst 2011 auf den 3. Juni 2012 zu verschieben. Doch im Mai 2012, nur dreieinhalb Wochen vor der geplanten Eröffnung, musste die Party abgesagt werden, weil die Brandschutzanlage nicht funktionierte. In der Folge wurden weitere Termine genannt – und zurückgezogen.

Der Brandschutz ist nach wie vor das zentrale Problem. Mittlerweile lehnen es Hartmut Mehdorn und auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) als Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft ab, einen Eröffnungstermin zu nennen.

Zudem steigen die Kosten permanent, mittlerweile ist von mehr als fünf Milliarden Euro die Rede. Mehdorn will den Hauptstadt-Airport zum Ende dieses Jahres „baulich fertiggestellt“ haben, der Aufsichtsrat forderte ihn schon mehrfach auf, einen Terminplan vorzulegen.

Flughafengesellschaft kommentiert das Thema nicht

Das Real Estate Management sei auch zuständig für Qualitätskontrollen zur Funktionsfähigkeit und Sicherheit der Flughafengebäude, so die „Süddeutsche“. Nun warne Siegle die Aufsichtsräte, dass Mehdorn den Bereich kurzfristig auflösen und aufteilen wolle. Damit gingen nach seinen Angaben „eine Reihe von Funktionen verloren, die für die Betriebssicherheit und die Fertigstellung des BER wesentlich sind“.

Dazu verlautete aus Aufsichtsratskreisen gegenüber der Berliner Morgenpost, Mehdorn wolle etliche Flächen nicht mehr verkaufen. Sie sollen verpachtet werden und dauerhaft Geld bringen. Daher wolle er das Real Estate Management verkleinern. Das sei aber noch nicht im Aufsichtsrat besprochen worden. Siegles Befürchtungen müssten aber ungeachtet der strategischen Differenzen ernst genommen werden, hieß es. Er soll in einem zweiten Brief an Mehdorn auch Kritik an dessen „Sprint“-Projekt geübt haben, mit dem der Bauablauf beschleunigt werden soll: Der Zustand habe sich seit dem Sprint-Start nicht verbessert, es fehle nach wie vor eine professionelle Terminsteuerung, es herrsche „Kompetenzwirrwarr“.

Die Flughafengesellschaft kommentierte das Thema nicht. BER-Sprecher Lars Wagner sagte der Berliner Morgenpost: „Zu internen Organisations- und Personalangelegenheiten äußern wir uns nicht. Die zügige, sichere und verlässliche Inbetriebnahme des Flughafens steht im Zentrum unseres Handelns.“