Hauptstadtflughafen

BER – Die drei wichtigsten Fragen und ihre Antworten

Werden Grundstücke in Flughafennähe teurer? Wann wird der Großflughafen eröffnet? Wird das Nachtflugverbot ausgeweitet? Hier beantworten wir Ihnen die drei wichtigsten Fragen zum BER.

Foto: Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

Der Eröffnungstermin ist bereits viermal verschoben worden: Wann wird der Großflughafen nun endlich eröffnet? Trotz beständigen Fluglärms könnten die Preise im Umfeld des Flughafens drastisch ansteigen: Wie weit wird sich die Preisschraube drehen? Berlins Regierender Klaus Wowereit stemmt sich vehement gegen eine Ausweitung des Nachtflugverbots - mit Erfolg?

Die Berliner Morgenpost gibt Antworten auf die derzeit drängendsten drei Fragen, die nicht nur die betroffenen Anwohner und die künftigen Fluggäste bewegt.

1. Frage: Werden Grundstücke in Flughafennähe teurer?

Trotz des zu erwartenden Fluglärms verteuern sich die Preise für Wohnbauimmobilien um den künftigen Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld (Dahme-Spreewald) weiterhin leicht. „Vor allem in den S-Bahn-Gemeinden Eichwalde, Zeuthen und Schulzendorf wies das Preisniveau bei zunehmender Nachfrage moderate Steigerungen um bis zu zehn Prozent auf“, sagte Landrat Stephan Loge (SPD) bei der Vorstellung der Bodenrichtwerte von 2013 am gestrigen Dienstag in Wildau.

Als Gründe dafür sieht Loge die Nähe zu Berlin sowie die guten Arbeitsbedingungen und das Interesse von künftigen Mitarbeitern des Großflughafens. „Wie in den Jahren zuvor haben sich die Befürchtungen nicht bewahrheitet, dass die Preise für Wohnbaulandflächen wegen des Fluglärms drastisch zurückgehen.“

Um den Flughafen herum sind 353 Wohnbaugrundstücke mit einer Fläche von 30,1 Hektar verkauft worden. Damit wurden 23,8 Millionen Euro erzielt. Wie der Gutachterausschuss nach Auswertung von 2617 Kaufverträgen ermittelte, liegt der Spitzenwert weiter in Zeuthen. In Uferlage kostet dort der Quadratmeter 200 Euro. Gestiegen sind auch die Preise in Schönefeld. Im neuen Wohngebiet bezahlten die Interessenten für den Quadratmeter 160 Euro. Überraschend: 2013 wurden bei 55 Verkäufen im künftig stark lärmbelasteten Schulzendorf 3,7 Millionen Euro umgesetzt, fast 60 Prozent mehr als im Vorjahr.

In Zeuthen konnten 5,25 Millionen Euro bei 62 Verkäufen eingenommen werden. 2012 waren es 4,3 Millionen Euro bei 48 Verkäufen. Der Wert von Acker- und Grünflächen hat sich um 15 Prozent erhöht. „In fünf Jahren haben sich die Preise fast verdoppelt“, sagte die Vize-Vorsitzende des Gutachterausschusses, Judith Killiches. Die Preise für Gewerbeflächen stagnieren. Nach der immer wieder geplatzten BER-Eröffnung warten Investoren weiter ab.

2. Frage: Wann wird der Großflughafen nun endlich eröffnet?

Wann der Flughafen eröffnet wird, ist immer noch völlig unklar. Es wird frühestens 2016 der Fall sein. Berlins Regierender Bürgermeister und BER-Aufsichtsrats-Chef Klaus Wowereit (SPD) kündigte am Dienstag an, dass auch bei der nächsten Aufsichtsratssitzung am 11. April kein Eröffnungstermin festgelegt werde.

„Es macht keinen Sinn, einen Eröffnungstermin zu nennen, so lange etliche bauliche Maßnahmen noch nicht vollendet sind“, sagte Wowereit. „Es muss vor allem die Entrauchung und die Brandschutzanlage funktionieren. Insofern bitte ich da um etwas Geduld.“ Flughafenchef Hartmut Mehdorn hatte jüngst erklärt, er wolle „erst zwölf Monate vor der Inbetriebnahme einen Termin festlegen“. Weder die Gesellschafter noch der Flughafen-Manager will eine erneute Panne riskieren.

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Der Eröffnungstermin war bereits viermal verschoben worden. Ursprünglich sollte der Hauptstadtflughafen am 30. Oktober 2011 an den Start gehen. Dieser Termin wurde 16 Monate vorher gekippt. Für den 3. Juni 2012 waren bereits die Einladungen verschickt. Doch der Brandschutz funktionierte nicht. Als neuer Termin wurde der 17. März 2013 angesetzt. Zuletzt konnte auch der 27. Oktober 2013 nicht gehalten werden.

Wie Landrat Stephan Loge am Dienstag mitteilte, ist das Nordpier am BER inzwischen fertig gestellt und wurde am 28. Februar bereits genehmigt. Die Feuerwache Ost sei am 12. März abgenommen worden, die Feuerwache West werde voraussichtlich in der nächsten Woche fertig. Am Nordpier wollte Flughafenchef Mehdorn eigentlich von Juli an mit bis zu sechs Flügen der Gesellschaft Germania einen Probebetrieb aufnehmen, um damit einen Großteil der Systeme und Abläufe im Terminal zu testen. Die eingereichten Anträge auf den rund sechs Millionen Euro teuren Umbau haben sich erledigt, denn er sagte das Vorhaben jüngst ab.

3. Frage: Wie weiter mit dem Nachtflugverbot?

Berlin will dem Drängen des Mitgesellschafters Brandenburg auf eine Ausweitung des Nachtflugverbots am künftigen Hauptstadtflughafen nicht nachgeben. Berlins Regierender Klaus Wowereit: „Es gibt ein Nachtflugverbot, das ist rechtlich nicht mehr anzugreifen.“ Die bestehende Nachtflug-Regelung erlaubt zwischen Mitternacht und fünf Uhr keine regulären Flüge.

Zwischen 22 und 0 Uhr sowie zwischen 5 und 6 Uhr sind aber insgesamt 77 Flüge möglich. Indessen wurde bekannt, dass die Bundesregierung neue Auflagen bei der Festlegung von Flugrouten plant. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrinth (CSU) will – wie von der EU gefordert – gesetzlich eine Umweltverträglichkeitsprüfung einführen. Dabei geht es aber um die Auswirkung auf Pflanzen und Tiere. Die Prüfung bezieht sich laut rbb nicht auf den Lärmschutz von Flughafen-Anwohnern.

Welche Auswirkungen das geplante Gesetz auf die stark umstrittenen BER-Flugrouten hat, ist bisher unklar. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen – der sich aus sieben unabhängigen Professoren als Berater der Bundesregierung zusammensetzt – will heute in Berlin ein Sondergutachten zur Fluglärmreduzierung bei der Planung von Flugrouten vorstellen. Nach Informationen der Berliner Morgenpost schlägt das Expertengremium ein zweistufiges Verfahren vor.

So soll zunächst das Planfeststellungsverfahren laufen. Bei der späteren Festlegung der Flugrouten soll eine Umweltprüfung erfolgen und auch die Öffentlichkeit erneut beteiligt werden. „Vor dem Hintergrund der staatlichen Schutzpflicht für die menschliche Gesundheit als Grundrecht müssten Flüge in der Nacht eine besonders rechtfertigungsbedürftige Ausnahme bleiben“, heißt es zum Nachtflug. Auch das Umweltbundesamt hat ein Gutachten zum Vorgehen bei der Festlegung der Flugrouten erstellen lassen, das dieser Zeitung vorliegt. Darin wird vor allem mehr Transparenz gefordert.