Der Aufsichtsrat der Berliner Flughäfen berät seit Freitagmittag über die Fertigstellung des Hauptstadtflughafens. Es zeichnete sich ab, dass der Berliner Regierungschef Klaus Wowereit (SPD) von dem Kontrollgremium wieder zum Vorsitzenden gewählt wird. Wowereit sagte vor der Sitzung im brandenburgischen Motzen, er strebe das Amt nicht an, stehe aber zur Verfügung. Das Vorschlagsrecht für den Posten liege aber beim Land Brandenburg. Der brandenburgiche Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte sich am Donnerstag für Wowereit als Aufsichtsratschef ausgesprochen.
Vor der Sitzung hatten die Aufsichtsratsmitglieder die Flughafen-Baustelle in Schönefeld besucht. Wowereit sagte, dort seien „Fortschritte deutlich zu erkennen“, etwa bei den Kabeltrassen im Terminal. Bei der Kabelverlegung war vor der geplanten Flughafen-Eröffnung im Juni 2012 vieles durcheinander gegangen. „Aber es ist noch viel zu tun“, fügte Wowereit hinzu.
Wowereit war bereits von 2008 bis Anfang 2013 Aufsichtsratschef. Unter dem Eindruck scharfer Kritik nach der Absage der Flughafen-Eröffnung im Januar gab er den Posten an den damaligen Ministerpräsidenten Brandenburgs, Matthias Platzeck (SPD), ab. Der wiederum trat im August aus Gesundheitsgründen zurück, worauf Wowereit kommissarisch wieder an die Spitze des Aufsichtsrats rückte.
Die Oppostion in Brandenburg hatte sich am Mittwoch strikt gegen Wowereit als Chefaufseher des BER ausgesprochen und einen Experten an der Spitze des Aufsichtsrats gefordert.
Brandenburgs CDU-Chef Michael Schierack sagte: „Es wäre ein Treppenwitz, wenn derjenige, der für die Verschiebung des Eröffnung und riesige Mehrkosten verantwortlich ist, wieder den Vorsitz übernähme.“ Auch die Bündnisgrünen im Brandenburger Landtag fordern die Wahl eines Fachmanns. Diese wichtige Aufgabe müsse ein Experte übernehmen, der Hartmut Mehdorn Paroli bieten könne, sagte Fraktionschef Axel Vogel.
Widerstand aus Brandenburger Regierungslager
Selbst aus dem Brandenburger Regierungslager regt sich Widerstand gegen Wowereit. Der Fraktionsvorsitzender der Linken im brandenburgischen Landtag, Christian Görke, kündigte am Freitag im Inforadio des RBB an, die beiden Vertreter seiner Partei würden im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft nicht für den Regierenden Bürgermeister als neuen Vorsitzenden des Gremiums stimmen.
Auch Bundestagabgeordnete der Grünen warnten vor Wowereit als Aufsichtsratsvorsitzenden und forderten einen „qualifizierten“ Neustart mit einem Fachmann an der Spitze des Aufsichtsrats. „Nun ausgerechnet die Person, die für die Flughafen-Misere die politische Verantwortung trägt, wieder zum Aufsichtsratschef machen zu wollen, ist schlicht unverantwortlich“, so die Berliner Abgeordnete Renate Künast in einer Mitteilung.
2014 soll wieder geprobt werden
Flughafenchef Hartmut Mehdorn kündigte vor der Sitzung an, die Vorbereitungsphase für die Inbetriebnahme des Airports wieder in Gang zu setzen. Dem Touristik-Fachmagazin FVW sagte er: „Es gibt ein vorgeschriebenes Verfahren von der ICAO, das ist in einem Inbetriebnahmeprozess zusammengefasst. Und den setzen wir ab Januar 2014 wieder auf.“ Die ICAO ist die internationale Organisation der zivilen Luftfahrt.
Bei Probeläufen werde zunächst der Flughafenbetrieb von Mitarbeitern getestet, „später mit Tausenden von Testpersonen“, erläuterte Mehdorn. Proben an den Schaltern im Terminal mit Testpassagieren hatte es zuletzt im Frühjahr 2012 gegeben. Schwere Bau- und Planungsfehler waren der Grund dafür, dass die Airport-Eröffnung auf unbestimmte Zeit verschoben wurde.
Der Aufsichtsrat wird sich mit dem aktuellen Projektstand befassen. Einen Bericht der „Märkischen Allgemeinen“ (Donnerstag), wonach die Gesamtkosten für den Airport von den zuletzt offiziell genannten 4,3 Milliarden auf mindestens 4,8 Milliarden Euro steigen sollen, bestätigte die Flughafengesellschaft nicht. „Diese Zahl kommt nicht von uns“, sagte Flughafensprecher Ralf Kunkel am Donnerstag. Klar ist, dass die Kosten erst dann einigermaßen abschätzbar sind, wenn ein Eröffnungstermin feststeht.





