Pannenflughafen

Der BER-Aufsichtsrat tagt – und vertagt alle Fragen

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Thomas Fülling

Die Verantwortlichen haben stundenlang über das Baudebakel am BER beraten. Mehdorn soll den Hauptstadtflughafen schnell an den Start bringen – aber keinen übereilten Starttermin nennen.

Eigentlich müsste in diesen Tagen in Schönefeld hektische Betriebsamkeit herrschen. Denn am kommenden Sonntag sollte die erste Maschine am neu errichteten Hauptstadtflughafen „Willy Brandt“ abheben. Doch der Termin für die Eröffnung des BER wurde schon vor Monaten abgesagt, genauso, wie alle anderen Termine zuvor.

Am Mittwoch wollte Geschäftsführer Hartmut Mehdorn dem Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) endlich einen verbindlichen Termin benennen, an dem der BER wenigstens teilweise in Betrieb gehen soll. Doch inzwischen können die Verantwortlichen für das größte öffentliche Baudesaster der Republik nicht einmal mehr diese Zusage einhalten. Auch nach mehr als einem Jahr Bestandsanalyse wurde am Mittwoch weder ein konkreter neuer Eröffnungstermin benannt, noch die Geldsumme beziffert, die für eine Fertigstellung des wichtigsten Infrastrukturprojekts der Region am Ende benötigt wird.

Erst zu Wochenbeginn hatte Brandenburgs Vertreter im Flughafen-Aufsichtsrat, der frühere Verkehrsstaatssekretär Rainer Bretschneider, bestätigt, was die Spatzen schon seit Monaten von den Dächern pfeifen: Die Baukosten für den BER werden auf mehr als fünf Milliarden Euro steigen, das ist mehr als zweieinhalb mal so viel Geld wie ursprünglich kalkuliert.

Rückendeckung für sein vorsichtiges Vorgehen erhielt Flughafen-Chef Mehdorn von den politisch Verantwortlichen. So hatte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bereits im Vorfeld der Aufsichtratssitzung erklärt, dass es „keinen absoluten Zeitdruck in Richtung eines konkreten Termins“ gebe. „Wichtig ist, dass die Arbeiten weiter gehen und Fortschritte erkennbar sind. Die Erfahrung hat gezeigt, dass eine definitive Terminverkündung mit hohen Risiken verbunden ist“, ließ Wowereit am Mittwoch ausrichten.

Dabei hatte Hartmut Mehdorn, der im März Nachfolger des zuvor geschassten Flughafen-Chefs Rainer Schwarz wurde, schon kurz nach Amtsantritt versprochen, er werde im Herbst einen neuen BER-Eröffnungsterrmin benennen. Im September, spätestens im Oktober präzisierte er später. Doch inzwischen ist fraglich, ob er sich in diesem Jahr überhaupt noch festlegen wird.

Erst die Hausaufgaben machen

Die Inbetriebnahme des Flughafen-Neubaus ist seit dem ersten Spatenstich am 5. September 2006 wegen unterschiedlicher Bau- und Planungsmängel bereits vier Mal abgesagt worden. Die ursprünglich geplante Eröffnung am 30. Oktober 2011 fiel nach der Pleite eines wichtigen Planungsbüros ins Wasser. Die dann für den 3. Juni 2012 angekündigte BER-Inbetriebnahme wurde vier Wochen vor dem Termin abgesagt, weil das Brandschutzsystem im neuen Terminal nicht funktionierte. Der im August 2012 berufene neue Technik-Geschäftsführer verkündete anschließend, den neuen Flughafen am 17. März 2013 in Betrieb nehmen zu wollen.

Dieser Termin platze ebenso wie der später benannte 27. Oktober 2013. Am Mittwoch nun berichtete Mehdorn dem Aufsichtsrat hinter verschlossenen Türen, was sich aktuell auf der Baustelle tut. Noch immer sind die Probleme beim Brandschutz nicht gelöst. Seit morgens um 10 Uhr wurde am Flughafen Tegel getagt. Ein Ergebnis lag bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht vor.

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Erst vor wenigen Tagen wurde beschlossen, dass Siemens für 14 Millionen Euro die Steuerung für die Entrauchung und Frischluftzufuhr umbauen wird. 18 Monate Zeit hat das Unternehmen dafür. Siemens erklärte jedoch umgehend, dass dieser Termin nur zu halten sei, wenn es vom Bauherrn die dafür nötigen Planungsunterlagen erhalte und wenn die versprochenen baulichen Vorleistungen erbracht werden.

Im Klartext: Die Flughafengesellschaft muss erst noch ihre Hausaufgaben machen, bevor Siemens loslegen kann. Benötigt das Unternehmen die volle Zeitspanne von eineinhalb Jahren für den Umbau, könnte die Bauaufsicht das Terminal erst im Frühjahr 2015 abnehmen. Danach müsste eine mindestens halbjährige Erprobungsphase folgen, bevor der BER vollständig eröffnet werden kann. Das wäre dann frühestens im Herbst 2015.

Nicht nur die Terminfrage, auch wichtige Personalentscheidungen hatte der Aufsichtsrat vertagt. Damit nimmt das Gremium, in dem die Vertreter der drei Flughafen-Eigentümer, der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg, Rücksicht auf die ausstehende Bildung einer neuer Bundesregierung. Bevor nicht klar sei, wer neuer Bundesverkehrsminister werde und wen dieser in den Aufsichtsrat schicke, soll kein neuer Vorsitzender gewählt werden, hieß es. Wowereit, der zu Jahresbeginn den Aufsichtsratssitz zunächst niederlegte, leitet seit dem Platzeck-Rücktritt im August kommissarisch das Kontrollgremium.