Kommentar

Hartmut Mehdorn darf BER schon mal üben

Die Erprobung eines internationalen Großairports auf Grundlage eines Dorfflugplatzes überzeugt Jochim Stoltenberg nicht. Sicher ist nur, dass Mehdorns Spielplatz weitere Millionen verschlingen wird.

Kaum zu glauben. Aber ein kleines Berliner Flughafen-Wunder gibt es tatsächlich zu vermelden. Wer hätte gedacht, dass der gute alte Airport Tegel den Massenansturm während der Sommersaison so schadlos abwickelt! Verantwortlich dafür ist allerdings nicht der vermeintliche Macher und Flughafenchef Hartmut Mehdorn, sondern der Leiter des Flughafenbetriebs Elmar Kleinert. Das ist die derzeit einzig positive Nachricht rund um BER. Denn wirkliche Fortschritte sind auch nach der Aufsichtsratssitzung vom Freitag nicht zu vermelden.

Die auf Drängen Mehdorns gebilligte Mini-Eröffnung für täglich maximal zehn Billig-Flüge irgendwann in der ersten Jahreshälfte 2014 täuscht Fortschritt nur vor, ist aber tatsächlich nur erzwungene Solidarität mit dem Manager. Der soll nämlich mit Rücktritt gedroht haben, falls ihm die Testphase am Nordpier der Großbaustelle BER verweigert wird. Das hätte den Bauherren aus Berlin, Brandenburg und dem Bund gerade noch gefehlt: Der so selbstbewusste wie unabhängige Mehdorn schmeißt hin, und die Fahndung nach einem neuen Flughafenchef beginnt von vorn. Auch Mehdorn war ja nur eine Notlösung, weil sich kein anderer auf das Abenteuer Schönefeld einlassen wollte.

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Von der Sache her überzeugt die Erprobung eines internationalen Großflughafens auf Grundlage eines Dorfflugplatzes ebenfalls nicht. Höchst zweifelhaft, ob ein Test mit täglich einigen Hundert Passagieren die Komplexität der Gesamtanlage auch nur ansatzweise widerspiegeln kann. Zumal an Mehdorns „Flughäfchen“ Abfertigungsschalter und Gepäckbänder erst noch installiert werden müssen. Vor allem ob der generell als neuralgisch geltende Koffertransport in dem nur als Wartehalle konzipierten Nordpier als Test für die Großanlage taugt, ist fraglich. Unklar zudem, ob eine behördliche Genehmigung überhaupt erteilt wird.

Sicher ist dagegen, dass Mehdorns Spielplatz weitere Millionen verschlingen wird: für Umbauten, Investitionen und zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen für dann wieder drei Berliner Flughäfen. Und geradezu grotesk ist Mehdorns Argument, mit der „Eröffnung light“ könnten sich die Mitarbeiter schon mal an den neuen BER gewöhnen. Welches andere Unternehmen leistet sich Probeumzüge für seine Mitarbeiter? Dass die Steuerzahler alles finanzieren, scheint Mehdorn angesichts der ohnehin explodierten Kosten kaum noch zu interessieren. Die nähern sich fünf Milliarden Euro. Außer neuen Kosten und markigen Worten hat Mehdorn nach einem halben Jahr wenig Konkretes vorzuweisen. Er muss aufpassen, dass er nicht tatsächlich zu einem Luftikus wird, als den besonders scharfe Kritiker ihn bereits betiteln.

Gefährlich viele andere Ungewissheiten bleiben: Wer wird Matthias Platzeck im Vorsitz des Aufsichtsrats folgen? Wie wird der Machtkampf zwischen Technikchef Horst Amann und Mehdorn gelöst? Wann funktioniert die Brandschutzanlage? Ganz zu schweigen vom Termin, an dem BER endlich ist, was er längst sein sollte: Berlins Tor zur Welt und Jobmaschine.