Frischekur

Flughafen Tegel wird nun für 17 Millionen modernisiert

Weil sich die Eröffnung des BER verzögert, sollen die Altflughäfen Tegel und Schönefeld auf Vordermann gebracht werden. Für Tegel sind unter anderem neue Gepäckanlagen und Toiletten geplant.

Foto: Rainer Jensen / dpa

Wer von Berlin-Tegel aus mit Air France nach Paris oder mit KLM nach Amsterdam reisen will, dem steht erst einmal ein Fußmarsch bevor. Denn statt wie gewohnt im Terminal D muss der Fluggast ganz auf die andere Seite des Flughafens, in die hinterste Ecke des Terminals C, um dort für seinen Flug das Gepäck aufgeben zu können. Die 20 Check-in-Schalter im Terminal D sind derweil hinter mannshohen Bauzäunen versteckt. „Work in progress“ steht auf den blickdichten Plastikplanen. Dahinter testen Flughafen-Mitarbeiter mit zerbeulten Koffern, ob das gerade aufgebaute Gepäckband auch zuverlässig funktioniert.

Ursprünglich hatte die Flughafengesellschaft angekündigt, dass die Arbeiten am 30. Juli beendet sein werden. Doch die Bundespolizei nutzte die Betriebspause, um gleich auch ein modernes Röntgengerät zum mehrstufigen Durchleuchten des Gepäcks einbauen zu lassen. Für dessen Erprobung werde noch etwas Zeit gebraucht, sagt der neue Flughafen-Betriebsleiter Elmar Kleinert. Nun soll das Terminal D Ende kommender Woche wiedereröffnet werden.

Neue Toiletten

Die neue Gepäckanlage im Terminal D ist nur eines, wenngleich für die in Tegel im Durchschnitt täglich 50.000 Passagiere besonders spürbares von insgesamt 100 Einzelprojekten, mit denen die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) den Airport für die kommenden Monate modernisieren will. Dabei werden auch 32 Toilettenräume im fast 40 Jahre alten Terminal A komplett erneuert, Lüftungsanlagen modernisiert oder die beiden Start- und Landebahnen neu asphaltiert. Die drei störanfälligen Drehtüren an den Eingängen zum Terminal A werden durch neue Schiebetüren ersetzt. Eigentlich sollte der in die Jahre gekommene Flughafen mit dem internationalen Erkennungskürzel TXL längst zugunsten des neuen Hauptstadtairports BER in Schönefeld geschlossen sein. Bereits mit Blick auf die am 3. Juni 2012 geplante Eröffnung des BER wurde jahrelang in Tegel nichts mehr investiert, und die Anlagen wurden auf Verschleiß gefahren.

Doch bekanntermaßen scheitert die Inbetriebnahme des BER bisher vor allem an der mangelhaften Brandschutzanlage. Nach zwei weiteren Verschiebungen will die Flughafengesellschaft einen neuen Termin für die vollständige BER-Eröffnung erst im Oktober nennen. Doch unabhängig davon, wann dies sein wird: Der Flughafen Tegel wird noch etliche Monate, wenn nicht sogar Jahre Dienst verrichten müssen. Und dies bei kräftig steigenden Fluggastzahlen.

Das große Special und die Timeline zum BER

Erst vor Kurzem stellte Tegel einen neuen Rekord auf: Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden mehr als 9,2 Millionen Passagiere abgefertigt, gut neun Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Aufwärtstrend hält auch in diesem Sommer weiter an. Das ist nicht zuletzt eine Folge des spürbar ausgeweiteten Angebots der Lufthansa und deren Partner, die in Erwartung des BER zahlreiche neue Direktverbindungen in ihr Flugprogramm ab Berlin aufgenommen hat. Im Dezember 2012 war dann auch noch die Lufthansa-Billigtochter Germanwings von Schönefeld nach Tegel gewechselt, auch das bescherte Tegel mehr Fluggäste. Und zu guter Letzt bietet der wichtigste Tegel-Kunde, die Air Berlin, mehrere neue Langstreckenverbindungen etwa nach New York, Los Angeles und seit März auch Chicago, was speziell den Anteil der sogenannten Transfer-Passagiere erhöht, die in Tegel nur von einem Flug auf den anderen umsteigen wollen.

Transitzone fehlte bisher

Darunter sind auch einige, die aus dem EU-Ausland kommen und etwa in die USA weiterfliegen wollen. Doch eine Transitzone, wie sie andere große internationale Flughäfen haben, gab es in Tegel nicht. „Dafür ist der Flughafen nie gebaut worden“, so Flughafen-Sprecher Ralf Kunkel. Die Transitpassagiere mussten sich entweder vorher ein Einreisevisum in die EU besorgen, oder sie konnten gar nicht erst über Tegel fliegen.

Doch für die „Traveller without Visa“ – kurz TWOV – hat die Flughafen-Gesellschaft mithilfe des Tegel-Ertüchtigungsprogramms eine zumindest halbwegs akzeptable Lösung gefunden: Unterhalb des Terminals D, wo früher der Betriebsrat der Lufthansa-Mitarbeiter seine Büros hatte, wurde nun eine kleine Transitzone für bis zu 80 Passagiere ausgebaut. Hotelkomfort, wie ihn der aus den USA geflohene Geheimdienstexperte Edward Snowden in Moskau genießen konnte, kann Tegel auch heute nicht bieten. In den beiden Räumen mit direktem Blick aufs Flughafen-Vorfeld stehen zum Ausruhen lediglich Sitze mit Fußauflage. „Wenn es gewünscht wird, stellen wir auch ein paar Klappbetten auf“, sagt Tegel-Verkehrsleiter Lutz Tilgner. Der Bedarf ist allerdings bisher gering. Im Normalfall nutzen fünf bis 20 Passagiere die kleinen Transiträume, dies meist nicht länger als zwei bis sechs Stunden. „Übernachtungen sind hier nicht vorgesehen“, sagt Tilgner.

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Bereits zu Jahresbeginn hatte der FBB-Aufsichtsrat 20 Millionen Euro für die sogenannte Ertüchtigung der beiden Alt-Flughäfen in Tegel und Schönefeld bewilligt. Rund 17 Millionen Euro davon stehen allein für die Modernisierung von Tegel zur Verfügung, der mit mehr als 18 Millionen Passagieren im Jahr 2012 die Hauptlast des Berliner Luftverkehrs trägt. Ursprünglich war er gerade mal für 2,5 Millionen Fluggäste konzipiert, später wurde versucht, mit immer neuen Anbauten den überdurchschnittlich wachsenden Passagierzahlen Herr zu werden. Trotz der vielen oft nicht gerade weltstädtischen Provisorien funktioniert der Airport aber bislang überraschend störungsfrei. Größere Pannen blieben auch in diesem Sommer bislang aus. Dennoch sind sich alle Experten einig: Der Flughafen arbeitet fortwährend gefährlich an den Kapazitätsgrenzen.