Machtkampf

BER-Technikchef Horst Amann droht die Ablösung

Am BER kommt es zum Machtkampf zwischen Flughafenchef Mehdorn und Technikchef Amann. Nach Informationen der Berliner Morgenpost muss Amann womöglich seinen Posten räumen. Entschieden ist noch nichts.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Die Probleme am Hauptstadtflughafen BER sind noch nicht gelöst, nun droht dort auch noch ein Machtkampf: Flughafenchef Hartmut Mehdorn will sich nach Informationen der Berliner Morgenpost von Technikchef Horst Amann trennen. Grund soll der langsame Fortschritt auf der Baustelle des neuen Airports sein. Außerdem habe Amann durch unbedachte Äußerungen in den vergangenen Monaten viel Vertrauen verspielt, heißt es. So stieß unter anderem seine Behauptung, dass sich am BER das Licht nicht ein- und ausschalten ließe, bei den Gesellschaftern auf Unverständnis.

Flughafenchef Mehdorn, seit März im Amt, will den BER so schnell wie möglich in Betrieb nehmen. Jeden Morgen um neun Uhr ruft der 70-Jährige seine Bereichsleiter deshalb zur Lagebesprechung zusammen. Auch Technikchef Amann nimmt an den Besprechungen teil, steht dort aber heftig in der Kritik. Seit seinem Amtsantritt im August 2012 ist Amann mit der Bestandaufnahme der Mängel beschäftigt. Auf der BER-Baustelle ist seither kaum etwas passiert. Amann verwies stets darauf, dass er erst neue Baupläne zeichnen lassen müsse, bevor die Arbeiter den BER fertigbauen könnten. Auf diese Weise will der Technikchef neue Fehler vermeiden.

Die BER-Baustelle kostet 20 Millionen Euro im Monat

Mehdorn geht das aber nicht schnell genug. Er soll sich darüber beschwert haben, dass in jedem Monat 20 Millionen Euro für eine Baustelle fällig werden, „auf der Stillstand und Chaos herrschen“. Für weiteren Zündstoff sorgte die Entscheidung Mehdorns, einige Experten an den BER zurückzuholen, die unter Amanns Führung gehen mussten. Dazu gehört der ehemalige Gesamtprojektleiter Joachim Korkhaus. Auch stellte Mehdorn Entscheidungen von Amann in Frage. So wollte Amann Kühlleitungen auf einer Länge von 50 Kilometer nachträglich isolieren lassen, was Mehdorns Vertraute für nicht notwendig erachteten.

Das grundsätzliche Problem ist aber die ganz unterschiedliche Herangehensweise der beiden Geschäftsführer. Mehdorn würde am liebsten schon im Herbst die ersten Flieger vom BER abheben lassen. Darüber verhandelt er mit der Billig-Airline Easyjet. Amann hält dagegen nichts von der Strategie seines Chefs, dann mit Schönefeld-Alt und Tegel insgesamt drei Flughäfen in der Hauptstadtregion zu betreiben.

Für Amann selbst kamen die Informationen über eine bevorstehende Ablösung am Sonntag überraschend. Er sehe „keinen Dissens zu Hartmut Mehdorn“, sagte Amann und verwies für alle weiteren Fragen an Flughafensprecher Ralf Kunkel. Dieser wollte keinen Kommentar abgeben. Auch die Sprecher der Regierungen in Berlin und Brandenburg wollten sich zur möglichen Entlassung des Technikchefs nicht äußern.

Amann hat sich unbeliebt gemacht

Wie der Machtkampf ausgeht ist, völlig offen. Berlin, Brandenburg und der Bund – die Gesellschafter des Flughafens – sind ebenfalls nicht zufrieden mit Amanns bisheriger Leistung. So nahmen ihm einige Vertreter von Berlin und Brandenburg übel, dass er die Absage der für Oktober 2013 geplanten BER-Eröffnung den Gesellschaftern im Januar per Brief mitteilte, dessen Inhalt vorab bekannt wurde. Der reguläre Weg wäre es gewesen, den damals noch amtierenden Aufsichtsratschef, Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), darum zu bitten, eine Sondersitzung des Kontrollgremiums einzuberufen. Auch seine öffentlichen Vorträge sorgten für Unmut. Doch bislang hielten die Gesellschafter noch zu dem Technikchef, den sie erst 2012 aus Frankfurt nach Berlin geholt hatten. Zumal auch Mehdorn schon für Ärger sorgte – beispielsweise mit seinem Plan, Tegel länger offen zu halten, oder dem Vorschlag, den BER schrittweise zu eröffnen.

Am 12. Juni trifft sich der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft zu seiner Sitzung. Dann wird es auch um die Zukunft von Amann gehen.