Pannenflughafen BER

Auf der Suche nach dem Fehler - Mehdorn reist in die USA

Bis heute funktioniert die Brandschutzanlage am BER nicht zuverlässig. Flughafenchef Hartmut Mehdorn will sich daher auf den Weg nach Kalifornien machen, um dort die Software-Probleme zu klären

Foto: Bernd Settnik / dpa

Dass Hartmut Mehdorn gerne mal einen anderen Weg geht, ist nichts Neues. Doch jetzt führen ihn die Probleme mit der Software für den neuen Hauptstadtairport BER bis nach Kalifornien. Denn bis heute funktioniert die elektronische Steuerung der hochkomplexen Brandschutzanlage nicht zuverlässig. So lassen sich die einzelnen Elemente zwar getrennt voneinander bedienen. Doch sobald Rauch- und Alarmsysteme sowie die automatische Türschließung von einem zentralen Computer aus gemeinsam gesteuert werden sollen, klappt das Zusammenspiel nicht. Dafür will der Flughafenchef jetzt in den USA eine Lösung finden.

Das fehlerhafte Zusammenspiel der Software bezeichnete Mehdorn bei einer internen Sitzung als das „zentrale Problem“ am BER. Der Flughafen sei zwar zu 98 Prozent fertig. Doch „der kritische Pfad geht durch die Systemintegration“, so der Flughafenchef jüngst auch vor dem BER-Sonderausschuss des Brandenburger Landtags.

Elektronische Autobahn für Flughafen-Daten

Verantwortlich dafür sei die Firma Alcatel Lucent. Der französische Konzern stellt Systeme und Geräte für die Telekommunikation her und liefert das LAN-Netz für den BER. Dabei handelt es sich vereinfacht gesagt um die elektronische Autobahn, auf der sich die Daten für die verschiedenen Anlagen des Flughafens in Bruchteilen von Sekunden hin und her bewegen. Und die Denkschmiede des Konzerns sitzt in Palo Alto an der Westküste der USA.

Dorthin will Mehdorn nach Informationen der Berliner Morgenpost voraussichtlich Anfang Juli reisen, um sich die Softwareprobleme vor Ort erklären zu lassen – und wohl auch, um Druck auf das Management auszuüben. Denn Mehdorn will den Vorstand von Alcatel treffen und nach eigenen Angaben „sicherstellen, dass die da alles tun, damit wir pünktlich und schnell unsere Software in Betrieb nehmen“.

Der Schritt wurde nötig, da bis heute nicht klar ist, wie die Brandschutzanlage jemals funktionieren soll. Technikchef Horst Amann traf sich im Dezember mit Vertretern von Bosch und Siemens. Beide Firmen liefern wichtige Teile für die Anlage. So ist Bosch für die Brandschutztechnik verantwortlich, das heißt für Brandmelder, Klappen und Sprinklerdüsen. Siemens kümmert sich um die Steuerung der Entrauchungsanlage. Dabei geht es um die Signale, die die Klappen für den Rauchabzug öffnen. Beide Firmen beteuern, dass die von ihnen gelieferten Bestandteile funktionieren.

Kritik an unausgegorenen Ideen

Alcatel wiederum liefert das Datennetz, auf dem bestimmte Anwendungen der elektronischen Anlagen laufen. Mit der Steuerung der Entrauchung hat das Unternehmen daher nicht einmal direkt etwas zu tun. Alcatel liefert mit seinem Datennetz vielmehr die Grundlage für die verschiedenen technischen Systeme am BER. Doch wenn es hier Probleme gibt, setzt sich das wie in einer Kettenreaktion fort. Diese komplizierte Gemengelage will sich Mehdorn nun wohl in Palo Alto von Mitarbeitern von Alcatel direkt erklären lassen. Denn Tatsache ist, dass das Zusammenspiel der Technik nicht reibungslos läuft. Das stellte sich schon im Probebetrieb als große Schwachstelle heraus. Dabei kam es regelmäßig zu Schwankungen der Systemstabilität. Das betraf alle Bereiche des Flughafens, nicht nur den Brandschutz.

In der Brandenburger SPD-Landtagsfraktion wurden am Dienstag die Entwicklungen am BER kritisch diskutiert. Grundsätzlich befürwortet es Ministerpräsident und Aufsichtsratschef Matthias Platzeck (SPD), dass Mehdorn „ohne Denkverbote“ daran arbeitet, den BER ans Netz zu bringen.

„Künftig weniger unausgegorene Ideen“

Doch hofft Platzeck, dass „künftig weniger unausgegorene Ideen“ öffentlich diskutiert werden. Damit spielt er auf Mehdorns Pläne an, den Flughafen Tegel möglicherweise bis 2018 in Betrieb zu lassen. Dieser Vorschlag stieß auf teilweise heftige Kritik. Der BER sorgt derweil für eine neue Zusammensetzung im Landtag.

Die kleinste Fraktion, Bündnis 90/Die Grünen, hat mit Christoph Schulze ein neues, fünftes Mitglied bekommen. Der 47 Jahre alte Arzt ist ein scharfer Kritiker des BER und hatte die SPD-Fraktion Ende 2011 deshalb verlassen. Von 2004 bis 2009 war er Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion. Schulze würde offenbar gerne Sozialdemokrat und somit Kreistagspräsident in Teltow-Fläming bleiben. Doch SPD-Generalsekretär Klaus Ness stellte klar: Arbeitet er nun bei den Grünen in der Fraktion mit, droht ihm der Parteiaustritt.