Beim neuen Hauptstadtflughafen BER ist man mittlerweile für jede gute Nachricht dankbar, sei sie auch noch so bescheiden. Insofern ist es schon ein Erfolg, dass nicht alle der 1036 falsch gepflanzten Bäume herausgerissen werden müssen. Nur 600 Exemplare werden entfernt, der Rest darf bleiben.

Das bestätigte jetzt Flughafensprecher Ralf Kunkel. „Wir haben uns mit der Baumschule darauf geeinigt, dass 600 Bäume im Rahmen der Gewährleistung ausgetauscht werden“, so Kunkel. Das bedeutet, dass der Flughafengesellschaft durch den Fehler keine weiteren Kosten entstehen. Den Ärger hat die Baumschule zu tragen.

Im vergangenen Jahr war der Flughafengesellschaft aufgefallen, dass am BER nicht nur Kabel falsch verlegt und Baugenehmigungen missachtet wurden – sogar die Bäume an Zufahrtsstraßen und Parkplätzen wurden falsch gepflanzt. Und zwar „in Form von abweichenden Sorten und Arten“, wie es im Controllingbericht heißt. Die Flughafengesellschaft wollte weit ausladende Bäume, die Schatten spenden. Die Baumschule pflanzte dagegen Bäume, die schmal in die Höhe wachsen.

Bindeglied zwischen Geschäftsleitung und Modulmanagern

Lange war man sich nicht sicher, wie man damit umgehen sollte. Dass es in der Öffentlichkeit nicht gut ankommen würde, über tausend gesunde Bäume auszureißen, war klar. Also entschied man sich nun dazu, einen Teil der Pflanzen stehen zu lassen und bei den anderen auf die Gewährleistung zu bestehen.

In den kommenden Tagen will Flughafenchef Hartmut Mehdorn sein Beschleunigungsprogramm „Sprint“ starten. Dabei soll ihn ein Team der Unternehmensberatung Roland Berger unterstützen. Die Berater sollen das Bindeglied zwischen der Geschäftsleitung des Flughafens und den Modulmanagern sein.

Mehdorn will bis zu 30 Module innerhalb der Flughafengesellschaft schaffen, die sich durch eine jeweils genau umrissene Aufgabe unterscheiden. Die Leiter dieser Module sollen sich jeden Morgen treffen und den Fortschritt auf der Baustelle besprechen. Auf diese Weise will Mehdorn den BER so schnell wie möglich ans Netz bringen.

Diskussion um Sperenberg als Flughafenstandort

Unterdessen geht die Diskussion weiter, ob Schönefeld tatsächlich der geeignete Standort ist. Im Untersuchungsausschuss zur Aufklärung des BER-Debakels war ein interner Vermerk aufgetaucht, demzufolge sogar Berlins ehemaliger Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) 1995 den Großflughafen in Sperenberg bauen wollte. Ein Jahr später fiel im Konsensbeschluss die Entscheidung für Schönefeld. Bislang hieß es immer, dass nur die SPD-Regierung in Brandenburg für Sperenberg gewesen sei, sich aber nicht gegen den Bund und Berlin durchsetzen konnte.

Besagter Vermerk legt den Eindruck nahe, dass auch Diepgen zeitweise für Sperenberg war. Allerdings ist das Dokument nicht unterschrieben. Es handelt sich lediglich um einen Entwurf für eine Vereinbarung. Andreas Otto (Grüne) hält das Dokument nicht für entscheidend, da es im Vorfeld „immer mehrere Varianten für eine Vereinbarung geben kann“. Auch nach Ansicht von Ole Kreins (SPD) ändert der interne Vermerk nichts an der Entscheidung für Schönefeld, „die ja zudem gerichtlich bestätigt wurde“.

Wie entwickelt sich der Flugverkehr in Berlin? Wer lärmt in meinem Kiez? Der interaktive Flugrouten-Radar der Berliner Morgenpost gibt Antworten. Darin werden Flugbewegungen von 96% aller Flüge der Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld in 3-D dargestellt und statistisch ausgewertet.