Vor der nächsten Aufsichtsratssitzung zum Großflughafen am kommenden Freitag signalisieren die BER-Gesellschafter Berlin und Brandenburg, dass sie den Kurs des neuen Geschäftsführers der Flughafengesellschaft FBB, Hartmut Mehdorn, unterstützen wollen. Dieser will Mitarbeiter des Star-Architekten Meinhard von Gerkan ins Flughafen-Team zurückzuholen.
Gerkans Architekten waren im Mai 2012 von der Flughafengesellschaft entlassen und später wegen angeblicher Fehlplanung beim Bau des künftigen Hauptstadtflughafens in Schönefeld auf 80 Millionen Euro Schadenersatz verklagt worden. Im Gegenzug hatte das Architekturbüro der Flughafengesellschaft in einer fast 100 Seiten umfassenden Klageschrift vorgeworfen, die verspätete Fertigstellung des Airports sowie erhebliche Mehrkosten durch insgesamt 286 Planänderungsanträge selbst verschuldet zu haben. Zudem habe der Aufsichtsrat zweifelhafte Termin- und Kostenangaben der damals noch amtierenden Geschäftsführer Rainer Schwarz und Manfred Körtgen nicht kritisch hinterfragt.
Inzwischen hat sich Mehdorn als neuer Flughafen-Chef dem Vernehmen nach zweimal mit Meinhard von Gerkan getroffen. Berlin zeigt sich Mehdorns Plänen gegenüber aufgeschlossen. Denn derzeit bewegt sich auf der Baustelle des Flughafens so gut wie nichts. Dreimal schon ist die Eröffnung verschoben worden, ein neuer Termin steht nicht fest. Experten rechnen nicht mit dem Start vor 2014/15. Die früheren Planer werden vor allem deshalb gebraucht, weil angeblich die Pläne nicht vollständig sind und der Durchblick auf der Baustelle immer noch fehlt.
Der Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft, Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sagte jetzt der Berliner Morgenpost: „Ich finde es gut, wenn Herr Mehdorn Sachverstand zusammen sammelt.“ Die Gesellschafter und der Aufsichtsrat hätten Hartmut Mehdorn „ganz klar auf den Weg gegeben, alles zu tun, um den Flughafen zügig ans Netz zu bringen“. Auf diesem Pfad befinde er sich. „Er hat mit neuen Ideen deutlich für frischen Wind gesorgt und so manche Verkrustung aufgelöst“, sagte Platzeck. „Hartmut Mehdorn hat in der Startphase bisher die in ihn gesetzten Hoffnungen erfüllt.“ Platzeck fügte hinzu: „Er fragt nicht, wie geht es nicht, sondern sagt: Es muss irgendwie gehen.“
Mehdorn versucht, Optimismus zu verbreiten
Anders als Technik-Chef Horst Ammann, der nach der Trennung der Flughafengesellschaft von ihrem langjährigen Geschäftsführer Rainer Schwarz, zuletzt die alleinige Verantwortung über den Flughafenbau trug, versucht Mehdorn Optimismus zu verbreiten. Amann wird hingegen angelastet, ständig nur über die Probleme geklagt zu haben, statt sie zu lösen. Dies hatten jüngst Aufsichtsratsmitglieder wie Brandenburgs Finanzminister Helmuth Markov und Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (beide die Linke) öffentlich kritisiert. Allerdings soll Amann den Vorstoß von Hartmut Mehdorn durchaus unterstützen, einige der ehemaligen Architekten und Planer wieder an den BER zurückzuholen.
Der Technikchef hatte die Kündigung der Planungsgemeinschaft PG BBI, der die Architekturbüros Gerkan, Marg und Partner (gmp) sowie JSK angehören, mehrfach öffentlich kritisiert. Zwar waren einige Subunternehmer der PG BBI weiter am BER tätig. Doch sie hatten zuletzt nichts zu tun, da Amann seine Bestandsaufnahme noch nicht abgeschlossen hatte. Diese soll sich laut Amann noch bis zum Sommer hinziehen.
Welche Auswirkungen es hätte, wenn Mitarbeiter aus Gerkans Team zurückkehren würden, will der Aufsichtsrat am nächsten Freitag besprechen. Platzeck wollte sich nicht dazu äußern, ob die Gesellschafter in diesem Fall die Klage gegen die PG BBI ruhen lassen würden. Doch dies soll eine der Grundvoraussetzungen für die Architekten sein, falls sie wieder für die Flughafengesellschaft arbeiten. Nach Informationen der Berliner Morgenpost gab es schon vor dem Treffen zwischen Mehdorn und Gerkan wieder Kontakt zwischen PG BBI und der Flughafengesellschaft, allerdings zwischen Mitarbeitern einer anderen Führungsebene. Diese sollen von sich aus auf die Flughafengesellschaft zugegangen sein.
Architekt des Flughafens Tegel
Das Büro des Architekten Meinhard von Gerkan war zwischen 2004 und 2012 Chefplaner des neuen Flughafens in Schönefeld. Mit dem Entwurf für den 1974 eröffneten Flughafen Tegel gelang von Gerkan der Durchbruch als Architekt. Seitdem hat er zahlreiche Großprojekte in aller Welt realisiert, darunter auch den Entwurf für den Berliner Hauptbahnhof.





