Selten war die Aufregung über ein Buch so groß wie im Fall von „Black Box BER“. Noch ist nicht einmal ansatzweise klar, wann das Buch von Meinhard von Gerkan über den neuen Hauptstadtairport BER erscheinen wird. Dass er eines schreibt, ist schon länger bekannt. Auch dass er darin seinen Unmut über die Vorgänge auf der Baustelle niederschreiben will. Doch das war es dann auch schon. Dennoch warten viele Berliner gespannt darauf, wie der Architekt die Lage darstellen wird.

Herausgegeben wird es von dem Verlag Quadriga, einer Tochtergesellschaft von Bastei Lübbe. Eine Sprecherin bestätigte, dass von Gerkan an dem Buch arbeitet. „Der Titel wird erscheinen“, sagte sie. „Wir haben aber noch keinen Anhaltspunkt, wann von Gerkan damit fertig sein wird. Zu einem Erscheinungstermin können wir uns daher nicht äußern.“ Meinhard von Gerkan dagegen wollte das Buchprojekt nicht kommentieren.

Grund genug, eines zu schreiben, hätte er, auch der Titel würde passen. „Blackbox“ ist das englische Wort für Flugschreiber. Politiker nutzen das Wort gerne zur Kritik, wenn Vorgänge von außen schwer durchschaubar sind. Der Titel lässt daher schon ahnen, worauf von Gerkan mit dem Buch möglicherweise hinauswill. Denn das Desaster um den neuen Hauptstadtairport hat auch seinen Ruf beschädigt. Zudem befindet er sich in einem Rechtsstreit mit der Flughafengesellschaft. Sie hat im Mai vergangenen Jahres der Planungsgemeinschaft PG BBI fristlos gekündigt und sie auf 80 Millionen Euro Schadenersatz verklagt. Dem Gemeinschaftsunternehmen gehören die Architekturbüros Gerkan, Marg und Partner (gmp) und JSK an.

Gerkan will Vorwürfe entkräften

Die Architekten und Planer von PG BBI sollen laut der Flughafengesellschaft für die chaotischen Zustände auf der Baustelle hauptverantwortlich sein. Offiziell wurde die verschobene Eröffnung zwar mit Problemen an der Brandschutzanlage begründet. Doch auch Baumängel und Planungsfehler erschweren die Lage. Gegen diese Vorwürfe will sich von Gerkan mit seinem Buch zur Wehr setzen.

Doch ob der Architekt am Ende wirklich zum großen Gegenschlag ausholt, erscheint fraglich. Zurzeit befindet er sich in Gesprächen mit dem Chef des Hauptstadtflughafens, Hartmut Mehdorn. Gerkan soll Teil des „Sprint“-Teams werden, das für eine schnelle Inbetriebnahme des BER sorgen soll. Es könnte also sein, dass Meinhard von Gerkan demnächst an die Wirkungsstätte zurückkehrt, die ihm in der Vergangenheit so viel Ärger bereitet hat.

vis