BER-Debakel

Mehdorn – Zum Einstieg als BER-Chef gleich ein Eklat

Von „Krawallnudel“ bis „völlig absurd“: Mit dem Vorschlag den Flughafen Tegel offen zu lassen, bringt Hartmut Mehdorn etliche Kritiker gegen sich auf - auch wenn er seine Aussage später relativierte.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Normalerweise laufen erste Arbeitstage nach einem bestimmten Schema ab. Man bezieht sein Büro, stellt sich vor und lernt die Kollegen kennen. Das Ganze läuft meist ohne größere Aufregungen ab. Hartmut Mehdorn begann seinen ersten Tag als Flughafenchef dagegen mit einem Knall. Im Brandenburger Landtag brachte er die Offenhaltung von Tegel ins Spiel. Zwar dachte er dabei möglicherweise nur an eine Zwischenlösung. Das zumindest erklärte er im Anschluss an die Ausschusssitzung. Doch da war es längst zu spät.

Linke-Sprecher kritisiert Mehdorn

Sowohl Bürgerinitiativen als auch Politiker lehnten den Vorschlag ab. „Schon an seinem ersten Arbeitstag entpuppt sich Hartmut Mehdorn als reine Krawallnudel“, sagte Stefan Liebich, Sprecher der Landesgruppe Berlin der Linksfraktion im Bundestag. SPD-Fraktionsvize Jörg Stroedter nannte Mehdorns Aussage „völlig absurd“. Die gesamte Belastung der Anwohner würde weitergehen, sagte der Reinickendorfer Wahlkreisabgeordnete.

Matthias Schubert von der Bürgerinitiative Kleinmachnow bezeichnet es als durchsichtigen Versuch, die Bürger Berlins und Brandenburgs gegeneinander aufzuhetzen. Tegel länger zu betreiben sei eine schlechte Idee. „Dadurch würde man nur den Lärm anderen Leuten aufzwingen“, so Schubert. „Zudem sind an dem innerstädtischen Flughafen Tegel noch mehr Bürger vom Lärm betroffen als an dem stadtnahen Standort Schönefeld.“

Unterstützung aus der Luftfahrtbranche

Einzig in der Luftfahrtbranche hat Mehdorns Vorschlag zahlreiche Anhänger. So hat der Verband der Geschäftsflieger GBAA angeregt, Tegel zwar als Linienflughafen aufzugeben, aber die technisch bestens ausgestattete nördliche Startbahn weiter zu nutzen. Rechtlich sei das möglich, weil im Planfeststellungsbeschluss für den BER nur die Rede davon sei, Tegel nicht länger als Linienflughafen zu nutzen. Aber auch wenn Linienflüge doch nicht mehr stattfänden, gebe es genügend Verkehr, der dort abzuwickeln wäre, auch um die Kapazitäten des BER zu entlasten.

So könnte nach den Vorschlägen der Businessflieger die Bundeswehr die Flugbereitschaft dort stationieren. Bisher ist vorgesehen, dass die Regierungsjets nördlich des neuen BER-Terminals eigene Abfertigungs- und Wartungsanlagen erhalten. Der Vorteil einer weiteren Landebahn außerhalb des großen BER wäre aus Sicht der Businessflieger auch, dass bei Staatsbesuchen mit hohen Sicherheitsstandards nicht der BER in weiten Teilen lahmgelegt werden müsste.

Auch die Geschäftsflieger selbst könnten in Tegel-Nord als Gäste der Bundeswehr einen Terminal errichten. Der flugaffine Unternehmer Reinhold Würth sagte, er sei überzeugt, dass die deutsche Industrie bereit sei, die Kosten für ein solches Projekt zu übernehmen. Die Businessflieger befürchten, dass sie am BER mittelfristig keinen adäquaten Platz finden.

Mehdorn war früh in seinem Büro

Dabei ging Mehdorns erster Arbeitstag noch ganz erwartbar los. Als die meisten Mitarbeiter in der Verwaltung der Berliner Flughafengesellschaft am Montag morgen zur Arbeit kamen, brannte in Mehdorns neuem Büro bereits Licht.

Sein neuer Arbeitsplatz liegt im Büroteil des alten Flughafens Schönefeld. Über diesen Flughafen hatte Mehdorn einmal gesagt, „dort empfange einen bis heute ein Stück DDR“. Nun muss er dort das schaffen, woran andere vor ihm gescheitert sind und den BER an den Start bringen.

Viele BER-Mitarbeiter sind frustriert

Für diese Aufgabe braucht Mehdorn Leute, auf die er sich verlassen kann. Die Stimmung in der Flughafengesellschaft ist seit der erneuten Terminabsage so schlecht wie nie. Viele Mitarbeiter sind frustriert. Technikchef Horst Amann hat mit seiner teils ruppigen Art nicht dazu beigetragen, ihre Laune zu heben. Im Gegenteil, er soll die schlechte Stimmung noch verstärkt haben, da er vielen langjährigen Angestellten das Gefühl vermittelte, alles falsch gemacht zu haben. Diesen Bann muss Mehdorn brechen.

Er begann seinen Tag daher gleich mit einem Treffen seiner künftigen Führungsmannschaft. An die 20 Leute saßen in dem Raum, unter ihnen der Marketingchef, der Bereichsleiter für den Bau und der Chefjustiziar. Auf diese Truppe ist Mehdorn angewiesen, wenn er den BER zum Erfolg bringen will. „Die Flughafengesellschaft kriegt Haue für etwas, wofür sie nichts kann“, sagte er. „Sie ist der Auftraggeber, die Architekten und Planer sind andere.“

Mit dem Mini zum Potsdamer Landtag

Um 15 Uhr fuhr Mehdorn im schwarzen Mini am Landtag in Potsdam vor. Er saß selbst am Steuer. Der verdutzte Pförtner erkannte ihn auf Anhieb und öffnete die Schranke. Eine halbe Stunde später bahnte sich Mehdorn zusammen mit Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und den Bodyguards auf dem Flur der SPD den Weg in den Sitzungssaal der SPD. Dort tagte an diesem Montag nach der Aufsichtsratssitzung der vergangenen Woche der parlamentarische BER-Sonderausschuss. „Jetzt wird gearbeitet“, rief Mehdorn.

Zunächst stellte er sich ausführlich vor. „Mein Name ist Hartmut Mehdorn, ich bin seit 46 Jahren verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder“, begann er seinen Lebenslauf. Er berichtete über seine Zeit als Chef der Bahn und von Air Berlin. Dabei verteidigte er, dass Air Berlin wegen der verspäteten Eröffnung des BER gegen die Flughafengesellschaft klagt. Dies verlange der internationale Aufsichtsrat. Er habe immer für einen außergerichtlichen Vergleich plädiert. „Ich habe mit Platzeck verabredet, dass ich von den Verhandlungen befreit werde“, sagte Mehdorn.

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