Andere Großprojekte

Flughafen BER befindet sich in prominenter Gesellschaft

Die Planungs- und Baupannen am Hauptstadt-Airport sind keine Ausnahme: Auch andere Großprojekte sprengen Zeit- und Kostenrahmen.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Jüngster und für die Berliner besonders schmerzhafter Beleg dieser alten Weisheit ist das einst so hoffnungsvoll gestartete Projekt „Hauptstadtflughafen BER“. Das weltweite Echo auf die inzwischen zum vierten Mal verschobene Eröffnung des Airports in Schönefeld könnte verheerender nicht sein, der Imageverlust für die gesamte Region ist gewaltig.

Noch gewaltiger sind allerdings die Kosten, die das Luftdrehkreuz den Steuerzahlern nach aktuellen Berechnungen beschert. Auf 4, 3 Milliarden Euro werden die Kosten inzwischen beziffert. Die Ausgaben steigen unterdessen immer weiter. Jeder weitere Monat Verzögerung schlägt allein mit rund 15 Millionen Euro Betriebskosten zu Buche. Und noch ist völlig offen, wann der Flughafen in Betrieb gehen kann. Experten halten inzwischen selbst die Eröffnung im Jahr 2014 nicht mehr für machbar.

Doch ein Blick in andere Bundesländer zeigt, dass der Flughafenbau in Schönefeld zwar ein besonders kostspieliges, mitnichten aber einzigartiges Beispiel dafür ist, dass Kosten und Bauzeiten insbesondere bei öffentlich finanzierten Prestigeprojekten aus dem Ruder laufen.

Wirtschaftswissenschaftler haben dieses Phänomen längst als lohnendes Forschungsgebiet entdeckt und kommen auf erschreckende Zahlen. So hat etwa ein Team von Forschern aus Deutschland, England und Schweden weltweit 258 Großprojekte genauer unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: 90 Prozent der untersuchten Projekte wurden dabei teurer als ursprünglich geplant. Kostensteigerungen von rund 50 Prozent waren bei den öffentlichen Großprojekten eher die Regel als die Ausnahme.

Gründe gibt es viele

Die Gründe für die Kostenexplosionen insbesondere bei öffentlichen Bauvorhaben sind vielfältig. So werden die Baukosten in der Anfangsphase häufig bewusst niedrig angesetzt, um sie politisch überhaupt durchsetzen zu können. Das gilt für den Großflughafen in Schönefeld genauso wie für den Tiefbahnhof Stuttgart 21, moniert etwa der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Anton Hofreiter (Grüne). Im Dezember hatte der Bundestagsabgeordnete das Thema Kostenexplosionen bei den Infrastrukturprojekten Stuttgart 21 und BER auf die Tagesordnung setzen lassen. „Kosten werden klein gerechnet. Wenn dann der Bau begonnen hat und es schon zu spät ist, rückt man mit den tatsächlichen Kosten heraus“, so der Politiker.

Dass insbesondere große Infrastrukturprojekte viel teurer werden als geplant, liegt aber nicht nur an der schlampigen Anfangskalkulation, sondern auch an den oft immens langen Planungs- und Bauzeiten. Zu den üblichen Baupreissteigerungen, die im Verlauf eines Jahrzehnts ganz erheblich ausfallen können, gesellen sich häufig auch noch juristische Auseinandersetzungen – etwa mit den ausführenden Baufirmen. So hat der Streit zwischen dem Hamburger Senat und der Baufirma Hochtief um die Kostenverteilung und die Statik des Daches dafür gesorgt, dass die Bauarbeiten an der Elbphilharmonie monatelang ruhten.

Auch Gegner eines Projektes können erhebliche Verzögerungen und Mehrkosten verursachen, wie das Beispiel Stuttgart 21 zeigt. Wochenlang hatten zehntausende Bürger im Jahr 2010 den Beginn der Abrissarbeiten am alten Bahnhof blockiert, ein Mediationsverfahren und Teilveränderungen erzwungen.

Gerade die nachträglichen Veränderungen an den Bauplanungen sind es jedoch, die das Termin- und Finanzchaos dann vollends perfekt machen. Bestes Beispiel für die sich daraus ergebenden Schwierigkeiten ist der Airport Berlin-Brandenburg BER. Erhebliche Nachbesserungen an den ursprünglichen Plänen waren nötig, weil nach den Anschlägen vom 11. September 2001 die Sicherheitsanforderungen im Flugverkehr enorm gestiegen sind. Auch der Versuch, den stetig steigenden Passagierzahlen Rechnung zu tragen, führte dazu, dass mehrfach umgeplant wurde.