Hauptstadtflughafen

Lufthansa warnt vor noch höheren Gebühren am BER

Die Airlines sollen einen Teil der Mehrkosten für den BER tragen. Dabei hat der Flughafen ohnehin starke Konkurrenz.

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In der Debatte über die Finanzierung der erheblichen Mehrkosten für den neuen Hauptstadtflughafen BER hat Lufthansa-Manager Thomas Kropp eindringlich vor höheren Gebühren am Standort BER gewarnt. Schon jetzt würden die Entgelte, die die Fluggesellschaften für Starts und Landungen zahlen müssen, am künftigen Hauptstadtflughafen rund 40 Prozent über den Gebühren von Tegel liegen. Das sei „die absolute Schmerzgrenze“, sagte Kropp Morgenpost Online. Der BER stehe im Wettbewerb zu anderen Flughäfen wie in Leipzig, Hamburg oder auch in Westpolen. Würden die Landerechte zu teuer, würden die Lufthansa und andere Airlines ihr Engagement in Berlin auf den Prüfstand stellen, prognostizierte Kropp.

Der Bevollmächtigte des Lufthansa-Vorstands für Berlin und Brandenburg bekräftigte zwar das Engagement der Lufthansa in der Hauptstadt. „Wir glauben, dass der Luftverkehr in Berlin weiter stark wachsen wird“, sagte Kropp. „Aber dafür muss der Standort attraktiv bleiben.“ Ihn beunruhigen Erwartungen aus der Politik, dass sich die Flughafengesellschaft mit einem erheblichen Beitrag an den Mehrkosten für den Bau des BER beteiligen solle. Der BER wird wegen der Verschiebung des Eröffnungstermins auf Oktober 2013 und wegen des verbesserten Lärmschutzes um mindestens 1,2 Milliarden Euro teurer. Die Flughafengesellschaft hat nur wenige Möglichkeiten, mehr Geld einzunehmen: Möglich sind höhere Mieten für Restaurants und Läden im Terminal oder eben höhere Start- und Landegebühren für die Airlines.

Kropp machte deutlich, dass die Lufthansa nicht unbedingt auf den Standort Berlin angewiesen sei. Zwar hat der Konzern in Erwartung des neuen Hauptstadtairports gerade erst 60 Millionen Euro unter anderem in eine neue Technikanlage und eine Vielflieger-Lounge investiert. 250 neue Stellen habe der Konzern außerdem in der Region Berlin-Brandenburg geschaffen, so Kropp. Doch der BER stehe im Wettbewerb zu anderen Flughäfen etwa in Leipzig oder Hamburg. Sollten sich die Rahmenbedingungen weiter verschlechtern, werde auch die Lufthansa ihr Konzept überdenken.

Prominenter Unterstützer gewonnen

Nach dem BER-Debakel will das Berliner Abgeordnetenhaus am heutigen Donnerstag die Einsetzung des Untersuchungsausschusses beschließen. Aber es deutet sich schon jetzt Ärger zwischen der Opposition und der Regierungskoalition aus SPD und CDU an. Die Grünen und Piraten möchten die erste konstituierende Sitzung noch vor den Herbstferien abhalten. Dann können Aktenstudium und Zeugenvernehmungen zügig beginnen. Doch CDU und SPD zeigen daran kein Interesse. Nach derzeitigem Stand wird der Untersuchungsausschuss wohl erst nach den Herbstferien seine Arbeit aufnehmen. Unterdessen haben die Initiatoren für ein strengeres Nachtflugverbot am BER kurz vor Ablauf den ehemaligen CDU-Generalsekretär Heiner Geißler gewinnen können. Geißler unterschrieb gemeinsam mit Mitgliedern der Initiative einen Aufruf, in dem Fluglärm als „das meist unterschätzte Umweltgift unserer Zeit“ bezeichnet wurde. Sie fordern, dass am BER zwischen 22 und 6 Uhr kein Flugzeug starten und landen dürfe. Bislang soll es aber nur zwischen 0 und 5 Uhr ruhig bleiben.

Bis Freitagnacht haben die Fluglärmgegner noch Zeit, die erforderlichen 173.000 Stimmen für die zweite Stufe des Volksbegehrens zu erreichen. Nach derzeitigem Stand haben sie bislang erst rund 140.000 Unterschriften gesammelt. Ob sie die fehlenden Stimmen bis Freitag zusammenbekommen, ist fraglich. Rund 25 Bürgerinitiativen unterstützen das Volksbegehren. Einige von ihnen haben bereits angekündigt, dass sie im Falle eines Scheiterns eine vergleichbare Initiative in Brandenburg unterstützen wollen. Dort läuft das Bürgerbegehren gegen den Fluglärm noch bis zum 3. Dezember 2012. Angeblich ist hier bereits die Hälfte der benötigten 80.000 Stimmen zusammengekommen.