Airport-Debakel

Die Berliner verlieren das Vertrauen in den Flughafen BER

Die Menschen in der Hauptstadt glauben nicht an die BER-Eröffnung im Oktober 2013. Eine Mehrheit meint, der Kostenrahmen werde gesprengt.

Foto: Oliver Lang / dapd

Die Berliner haben im Debakel um den neuen Flughafen BER das Vertrauen in die Aussagen des Flughafen-Managements und des Aufsichtsrats verloren. 60 Prozent glauben, dass auch der nun genannte Eröff nungstermin 27. Oktober 2013 nicht gehalten werden kann. Und sogar 89 Prozent sind überzeugt, dass der bisherige Kostenrahmen von 4,3 Milliarden Euro gesprengt werden wird und weitere Mehrkosten anfallen.

Das ist das Ergebnis des Berlin-Trends. Infratest Dimap befragte dafür im Auftrag von Morgenpost Online und der RBB-„Abendschau“ zwischen dem 14. und 17. September 1000 wahlberechtigte Berliner. Die Skepsis ist nach der weiteren Verschiebung des Starttermins noch einmal gewachsen.

Im Juni, einen Monat nach der kurzfristigen Absage der für den 3. Juni geplanten Eröffnung des künftigen Hauptstadtflughafens BER, hatten 39 Prozent der Befragten den Aussagen des Aufsichtsratschefs Klaus Wowereit (SPD) Glauben geschenkt, der neue Airport werde am 17. März 2013 eröffnen. 57 Prozent glaubten an einen späteren Termin.

Erneute Verschiebung löst Pessimismus aus

Dass die Planer die Eröffnung nun auf Ende Oktober 2013 verschoben haben, um vor allem die Brandschutz-Probleme zu lösen, hat einen noch größeren Pessimismus ausgelöst. Jetzt glauben nur noch 37 Prozent an den neuen Termin, 60 Prozent gehen von weiteren Verzögerungen aus. Besonders skeptisch sind die Anhänger der CDU, der Piraten und die Nichtwähler.

Unter ihnen glauben mehr als zwei Drittel nicht an die Terminplanung des neuen Flughafen-Technikchefs Horst Amann. Besonders zuversichtlich sind die Wähler der Linkspartei und der SPD. Zudem sind Frauen mit 32 Prozent deutlich weniger zuversichtlich als Männer (42 Prozent).

Was die Kosten für den BER betrifft, ist die Stimmungslage quer durch alle politischen Lager, Altersgruppen und Bildungsniveaus gleich. Neun von zehn Berlinern erwarten, dass die nun genannten 4,3 Milliarden Euro für den BER nicht das Ende sein werden.

Zweifel an Wowereit wachsen

Die Stimmung der Bürger gegenüber Management und Politikern im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft hat sich insgesamt weiter verschlechtert. An Wowereits Rolle als Flughafen-Aufseher sind die Zweifel deutlich gewachsen. Sah im Juni noch eine knappe Mehrheit keine Notwendigkeit, dass der Regierende Bürgermeister seinen Platz im Aufsichtsrat räumen sollte, hat sich das nun umgekehrt. 50 Prozent sagen, Wowereit sollte als Aufsichtsrat zurücktreten, 47 Prozent finden, Wowereit solle in diesem Amt bleiben. Besonders groß ist die Kritik am Aufsichtsratsvorsitzenden Wowereit unter den Anhängern der CDU (60 Prozent) und der Piraten (71 Prozent).

Mittlerweile ist die knappe Hälfte (48 Prozent) der Befragten der Ansicht, Flughafen-Chef Rainer Schwarz sollte entlassen werden. Das sind zwölf Prozentpunkte mehr als im Juni. Nur 35 Prozent sind der Meinung, Schwarz sollte im Amt bleiben. Der Manager hat offenbar eine konstante Anhängerschaft, denn auch nach der ersten Verschiebung im Juni lag die Quote seiner Verteidiger mit 36 Prozent nur unwesentlich höher. Allerdings ist die Zahl derjenigen, die sich keine Meinung über den Flughafenchef zutrauen, deutlich gesunken . Seite 16