Flughafen

Häuser am BER verlieren bis zu einem Drittel an Wert

Nach einer Studie des DIW wird der Verkaufspreis von Häusern und Wohnungen im Umfeld des BER um bis zu einem Drittel sinken.

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Die erneute Verschiebung der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens (BER) beschäftigt jetzt auch den Bundestag. Um sich ein Bild von der Lage zu machen, haben Mitglieder des Bundestagsverkehrsausschusses am Mittwoch die Baustelle besichtigt. „Die Erwartungen sind nach dem erneuten Desaster nicht so hoch“, sagte der Ausschussvorsitzende Anton Hofreiter (Grüne). Dennoch hoffe er, dass die Planer einen Überblick über die konkreten Probleme geben werden.

Nach dem derzeitigen Planungsstand soll der neue Airport mit einer Kapazität von 27 Millionen Passagieren im Jahr am 27. Oktober 2013 in Betrieb gehen. Das hatte der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft am Freitag beschlossen. Zuvor war der Termin bereits mehrfach wegen technischer und bauplanerischer Probleme verschoben worden. Zuletzt sorgte vor allem die Brandschutztechnik im Terminal für Sorgen. Speziell die Entrauchungsanlage, die bei einem Feuer im Gebäude dafür sorgen soll, dass giftige Gase in kurzer Zeit aus dem Gebäude abgesaugt werden, funktioniert bisher nicht wie geplant und von den Behörden auch gefordert.

Die Beseitigung aller noch bestehenden Mängel am Flughafen sowie dessen spätere Eröffnung sorgen nach aktuellen Berechnungen für Mehrkosten von 1,2 Milliarden Euro. Diese müssen von den Eigentümern der Flughafengesellschaft aufgebracht werden. Während Berlin und Brandenburg entsprechend ihres Gesellschafteranteils von je 37 Prozent jeweils 444 Millionen Euro zahlen müssen, soll der Bund 310 Millionen Euro beisteuern. Doch unter zahlreichen Bundespolitikern gibt es derzeit erhebliche Vorbehalte gegen zusätzliche Zahlungen. Auch Finanzpolitiker der Regierungskoalition knüpfen weitere Finanzspritzen an Bedingungen. Gefordert werden insbesondere die Ablösung des Flughafen-Chefs Rainer Schwarz sowie personelle Konsequenzen im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft.

Süden Berlins besonders betroffen

Eigentümer von Häusern und Grundstücken im Umfeld des Flughafens Berlin Brandenburg in Schönefeld (BER) müssen mit einem erheblichen Wertverlust ihres Immobilienbesitzes rechnen. Ursache dafür ist vor allem der Lärm startender und landender Flugzeuge am neuen Großflughafen, der im Oktober 2013 eröffnet werden soll. Zu diesem Ergebnis kommt das renommierte Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin in einer aktuellen Untersuchung.

Vor allem wegen der erwartenden Zunahme der Belastung mit Fluglärm werde in der Nähe des Airports der Verkaufspreis von Häusern und Wohnungen um bis zu einem Drittel sinken, geht aus der am Mittwoch veröffentlichten Studie hervor. Für jeden Kilometer, den die Korridore für die an- und abfliegenden Maschinen näher rücken, sinken die Preise für Immobilien um bis zu neun Prozent. „Fluglärm kommt Immobilienbesitzer teuer zu stehen“, fassten die Autoren der Studie, Andreas Mense und Konstantin Kholodilin, die Ergebnisse ihrer Analyse zusammen.

Für ihre Untersuchung haben die beiden Wissenschaftler über 6000 Anzeigen der drei Immobilienportale im Internet Immobilienscout24, Immonet und Immowelt ausgewertet, die zeitnah zu den Ankündigungen der Flugrouten erschienen sind. Nachdem die im September 2010 vorläufig veröffentlichten Flugrouten heftige Proteste ausgelöst hatten, stellte die Deutsche Flugsicherung im Juli 2011 überarbeitete Flugkorridore vor, die im Januar 2012 weitgehend unverändert als endgültig für die BER-Betriebsaufnahme festgestellt wurden. „Auf die neuen Flugkorridore vom Juli 2011 haben die Immobilienpreise bereits deutlich reagiert. Am stärksten ist der Preisverfall im Süden Berlins, insbesondere in Köpenick und Schönefeld sowie im Süden Neuköllns“, sagt Konstantin Kholodilin, wissenschaftlicher Mitarbeiter am DIW Berlin und Mit-Autor der Studie. Um den Effekt der erwarteten Lärmbelastung auf die Immobilienpreise zu isolieren, haben die Wissenschaftler zahlreiche weitere Einflüsse auf den Preis, wie zum Beispiel die Qualität der Häuser und Wohnungen und ihre Infrastrukturanbindung, herausgerechnet.

Je näher desto mehr Preisverfall

Eine durchschnittliche Etagenwohnung in einem Mehrfamilienhaus (gebaut zwischen 1998 und 2004, Balkon oder Terrasse, in neuwertigem Zustand), die im Juli 2011 – mit der Veröffentlichung der Flugrouten – 4,5 Kilometer oder weniger von einem Schönefelder Flugkorridor entfernt liegt, kostet aufgrund der voraussichtlichen Schallemissionen 8,8 Prozent weniger für jeden Kilometer. Je näher das Haus am Korridor ist, desto größer der Wertverlust. Ein durchschnittliches Reihenhaus (fünf Zimmer, etwa 145 Quadratmeter Wohnfläche, ohne Balkon oder Terrasse, in neuwertigem Zustand) reduziert sich im Preis um 8,9 Prozent pro Kilometer. „Der Quadratmeterpreis einer durchschnittlichen Wohnung oder eines durchschnittlichen Reihenhauses sinkt damit von rund 2100 auf 1900 Euro, wenn der Flugkorridor einen Kilometer an den Standort der Immobilie heranrückt“, sagt Andreas Mense, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Erlangen.

Hausverkäufer würden innerhalb kurzer Zeit auf die Veröffentlichung neuer Planungen für die Flugrouten reagieren, stellten die Wissenschaftler fest. „Flughäfen in der Nähe dicht besiedelter Wohngebiete können daher einen bedeutenden Teil des Vermögens der dort lebenden Menschen zerstören. Deshalb sind ein transparenter Planungsprozess und eine starke Bürgerbeteiligung wichtig für den Bau oder die Erweiterung eines Flughafens“, so das Fazit der Studie.