Hauptsitz in Berlin

Germanwings macht Umzug von BER-Eröffnung abhängig

Die Billiglinie der Lufthansa könnte Arbeitsplätze in die Hauptstadt bringen. Ende August soll darüber entschieden werden.

Foto: Germanwings

Die verschobene Eröffnung des Flughafens BER ist für Kunden, Fluggesellschaften und Firmen ein Ärgernis. Doch nun könnte die Bauverzögerung ganz konkrete Auswirkungen auf die Stadt als Wirtschaftsstandort haben. Die Lufthansa-Tochter Germanwings erwägt nämlich, ihren Hauptsitz von Köln wegzuverlagern. Berlin gilt neben Düsseldorf und Köln selbst als aussichtsreicher Kandidat. Allerdings wäre es für die Entscheidungsfindung der Manager ganz hilfreich zu wissen, wann der BER denn nun tatsächlich ans Netz gehen wird. „Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle“, sagt Germanwings-Sprecher Heinz-Joachim Schöttes. „Dass der BER noch nicht eröffnet hat und kein verbindlicher Termin feststeht, gehört auch dazu.“

In der Wirtschaftsverwaltung gibt man sich dennoch optimistisch. „Grundsätzlich steht ansiedlungswilligen Unternehmen das gesamte Wirtschaftsförderinstrumentarium zur Verfügung“, sagt Berlins Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz. Sie bestätigte, dass es zwischen dem Senat und der Lufthansa Kontakte gebe. „Eine solche Ansiedlung hätte für den Standort Berlin eine große wirtschaftspolitische Bedeutung. Immerhin geht es um viele Arbeitsplätze.“

Bisher beschäftigt Germanwings in Köln 876 Mitarbeiter. Knapp die Hälfte davon ist im Bodendienst tätig, dazu gehört unter anderem die Betreuung der Passagiere am Check-in-Schalter. Diese Stellen könnte Berlin gut gebrauchen. Zumal sich die Erwartungen an den Flughafen BER als Wirtschaftsmotor ohnehin noch nicht erfüllt haben. Zwar sind im vergangenen Jahr laut Fördergesellschaft Berlin Partner mehr als 5000 Arbeitsplätze in der Airport-Region entstanden. Doch von den angestrebten 40.000 neuen Stellen ist man noch weit entfernt.

Grund für die Standortsuche von Germanwings ist eine mögliche Umstrukturierung im Lufthansa-Konzern. Unter dem Projektnamen „Direct-4-you“ sollen angeblich die Strecken der Billigfluglinie Germanwings mit den sogenannten Direct Services zusammengelegt werden. Dazu zählen Strecken wie etwa Berlin–Stockholm, die nicht zu einem Drehkreuz führen. Die Passagiere haben dort ihr Endziel erreicht und steigen an dem Flughafen nicht in einen anderen Flieger um.

Auf diesen Strecken gibt es einen besonders harten Preiswettbewerb mit Billigfliegern wie Easyjet und Ryanair. Für die Lufthansa hätte diese Zusammenlegung ihrer Flotte den entscheidenden Vorteil, dass sie die Auslastung ihrer Maschinen erhöhen könnte. Dies ist eines der Ziele, das der Konzern im Rahmen seines derzeit laufenden Sparprogramms umsetzen will. Der angestrebte Umbau ist auch der Grund, weshalb nun der Hauptsitz von Germanwings in Köln auf dem Prüfstand steht.

Entscheidung Ende August

Nach derzeitigem Stand soll die Entscheidung bei Germanwings schon Ende August fallen. Ursprünglich war geplant, dass der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft bei seiner nächsten Sitzung am 16. August verkündet, ob der 17. März 2013 als Starttermin für den BER gehalten werden kann. Doch diese Erwartungen haben Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) bereits gedämpft. Der Hauptstadtregion könnten daher möglicherweise Hunderte von Arbeitsplätzen entgehen.

Dennoch hält Nicole Ludwigs, stellvertretende Fraktionssprecherin der Grünen im Abgeordnetenhaus, nichts davon, Germanwings die Entscheidung für Berlin durch Subventionen leichter zu machen. „Für Berlin wäre es sehr wünschenswert, wenn das Unternehmen hierherkäme und zusätzliche Arbeitsplätze schaffen würde.“ Sie lehnt es allerdings ab, dass die Bundesländer Firmen etwa durch günstige Mieten anlocken. „Solch ein Subventionswettbewerb ist am Ende nicht zielführend“, sagt Ludwigs.

Die Luftfahrtindustrie ist für Berlin ein wichtiger Arbeitgeber. Die Lufthansa beschäftigt im Konzern und den 20 Tochtergesellschaften am Standort Berlin rund 3500 Mitarbeiter. Bei Air Berlin sind es 2900 Beschäftigte. Der Flughafen selbst hat rund 1400 Angestellte. Dazu kommen die Firmen, die sich in der Folge hier niederlassen. So hat beispielsweise Siemens sein Turbinentestzentrum in der Nähe des Flughafens angesiedelt.

>>> Der Blog zum Großflughafen auf Morgenpost Online