Großflughafen

Neuer BER-Technikchef Amann gilt als Mann klarer Worte

Horst Amann tritt seinen Dienst bei der Berliner Flughafengesellschaft an. Er soll das Projekt BER zu einem guten Ende bringen.

Foto: Getty

Wenn der neue Technikchef Horst Amann an diesem Mittwoch seinen Job am Flughafen BER antritt, braucht er vor allem eines, und das sind gute Nerven. Auch sollte er kein Problem damit haben, öffentlich kritisiert und unter Druck gesetzt zu werden. Wenn er zudem noch gut damit umgehen kann, dass man ihm bei jedem noch so kleinen Fehler mit Häme begegnet, hat er das Rüstzeug für seine künftige Aufgabe zusammen. Und das ist keine geringere, als das Projekt Hauptstadtflughafen möglichst bald zu einem guten Ende zu bringen.

Viel Zeit, um sich einzuarbeiten, hat er dabei nicht. Am 16. August trifft sich der Aufsichtsrat des Flughafens zu seiner nächsten Sitzung. Bis dahin muss sich Horst Amann einen Überblick über die Lage am BER verschafft haben. Denn die Mitglieder des Aufsichtsrats wollen dann einen verbindlichen Termin für die Eröffnung des BER nennen können. Dass der 17. März 2013 als Starttermin gehalten werden kann, gilt jetzt schon als unwahrscheinlich. Zwar ist der letzte wichtige Test der Brandschutzanlage nach einer ersten Einschätzung gut verlaufen. Doch was ansonsten von der Baustelle im Südosten Berlins nach außen dringt, gibt nicht gerade Grund zur Hoffnung.

Als technischer Geschäftsführer füllt Amann künftig die Lücke, die sein Vorgänger Manfred Körtgen hinterlassen hat. Körtgen musste Mitte Mai seinen Posten räumen. Kurz zuvor war bekannt geworden, dass der BER nicht wie geplant am 3. Juni 2012 eröffnen kann. Grund waren gravierende Mängel beim Brandschutz. Dafür musste Körtgen die personelle Verantwortung übernehmen. Flughafenchef Rainer Schwarz durfte dagegen bleiben. Doch er kann für Amann kein starker Partner bei seiner neuen Aufgabe sein. Denn die Position von Schwarz ist wegen der so kurzfristig anberaumten Verschiebung geschwächt. Amann dürfte daher ziemlich auf sich allein gestellt sein. Doch genau das spornt ihn vermutlich sogar noch an. Denn Amann gilt als Mann der Tat.

Als der neue Chefplaner des Berliner Großflughafens vor drei Jahren den 56. Geburtstag feierte, zündeten Unbekannte seinen Wagen an. Amann griff selbst zum Feuerlöscher. Der Anschlag ist bis heute nicht aufgeklärt. Für die Polizei lag allerdings nahe, dass die Tat etwas mit Amanns Beruf zu tun haben könnte, denn er war als Chefplaner des Frankfurter Flughafens für den Ausbau der neuen Startbahn verantwortlich. Und dabei ist der Vater von vier Töchtern offenbar auch persönlich zum Angriffsziel der Flughafengegner geworden.

Zielstrebiger Macher

Auswirkungen auf seine Arbeit hatte das schockierende Erlebnis allerdings keine. Zielstrebig hatte er dafür gesorgt, dass die heiß umstrittene vierte Landebahn am Frankfurter Airport pünktlich im Herbst vergangenen Jahres ans Netz gehen konnte. In Berlin wird von ihm nun vor allem erwartet, dass er die Probleme beim Brandschutz in den Griff bekommt.

Für den Flughafen BER haben mehrere Firmen wie unter anderen Siemens und Bosch, eine komplexe Brandschutzanlage gebaut, die nach wie vor Probleme macht. So haben unter anderem die Lüftungsklappen, die den Rauch im Brandfall aus dem Gebäude transportieren sollen, nicht zuverlässig auf das elektronische Signal reagiert. Zudem hatte die Technik immer wieder Aussetzer. Aus dem Grund hatte Körtgen dem Aufsichtsrat Mitte April auch eine sogenannte Mensch-Maschine-Schnittstelle vorgeschlagen. Dabei sollten eigens angeheuerte Mitarbeiter an Türen stehen und diese notfalls mit der Hand öffnen, um die Menschen ins Freie zu lassen. Doch diese Idee hatte keine Chance, von der Genehmigungsbehörde abgenommen zu werden. Das musste Flughafenchef Rainer Schwarz kurz danach mitteilen.

In den Wochen seit der Absage des Eröffnungstermins wurde die Anlage rund ein Dutzend Mal getestet. Vor allem der Test vergangene Woche war mit Spannung erwartet worden, da es der letzte vor der Aufsichtsratssitzung war. Auf verschiedenen Ebenen des Terminals wurden dabei kontrollierte Brände entzündet und beobachtet, ob der Rauch aus dem Gebäude abzieht. Dafür wurde der Strom bis zu eine Minute lang abgeschaltet. Dabei trat der Rauch nicht in andere Bereiche über, sondern wurde von den Ventilatoren wie gewünscht nach draußen befördert. Laut Aussage des Flughafens verlief dieser wichtige Test „nach erstem Augenschein erfolgreich“. Die genaue Auswertung dürfte zwei bis drei Wochen dauern und damit gerade rechtzeitig vor der Aufsichtsratssitzung abgeschlossen sein. Dabei werden unter anderem die Videoaufzeichnungen aus den Lüftungskanälen sowie die Daten von den Messgeräten der Brandschutzanlage untersucht.

Probleme beim Brandschutz

Diese Anlage zum Laufen zu bringen, ist bislang Amanns größte Bewährungsprobe. In der Branche genießt er einen exzellenten Ruf. Zwar soll er nicht die erste Wahl gewesen sein. Angeblich haben andere Kandidaten, die man vorher gefragt hatte, den Job abgelehnt. Doch Amann bringt wichtige Erfahrungen mit, die er in Berlin gut gebrauchen kann. So hat er für die Bahn bereits so schwierige Objekte wie den Bau der Schnelltrasse zwischen Köln und Frankfurt/Main mit seiner zum Teil ruppigen Art umgesetzt. Selbst gute Freunde kommen ihm im Job nur ungern in die Quere. Porsche-Fahrer Amann sei ausgesprochen zielstrebig, spreche Missstände klar und direkt an. „Das wird von den meisten Bauleuten gut verstanden“, heißt es bei seinem alten Arbeitgeber Fraport AG. Diese betreibt mit dem Frankfurter Flughafen Deutschlands größtes Luftdrehkreuz und ist auf der ganzen Welt an Airports beteiligt.

Dass er die Aufgabe in Berlin annahm, hat viele in der Branche verwundert. Der Bauingenieur hätte es ruhig angehen lassen können. Die neue Startbahn ist in Betrieb, das neue Terminal 3 geplant. Doch Amann brennt für seinen Beruf, gilt als Workaholic und hat bis zum Amtsantritt seine noch ausstehenden Fraport-Urlaubstage auf der Baustelle in Berlin und mit Aktenstudium verbracht.

Regelmäßig schaute er in den vergangenen Wochen auf der Baustelle in Berlin vorbei. Während eines Aufenthalts stattete er auch Stephan Loge, dem Landrat von Dahme-Spreewald, einen Besuch ab. Die Baubehörde des Landkreises muss letztendlich die Brandschutzanlage genehmigen. Bei dem Treffen ging es laut einer Sprecherin um ein „reines Kennenlernen“. Aber genau das mag der richtige Schritt Amanns gewesen sein. Denn er ist auf die Zusammenarbeit mit den Angestellten der Behörde angewiesen, wenn er den neuen Starttermin halten will.

Zumindest in einer Sache dürften sich Amann und Loge einig sein. Die derzeit anvisierte Eröffnung des Flughafens im März kommenden Jahres halten beide für sehr ehrgeizig. Diese Einschätzung teilte Loge dem Flughafen Mitte Juni in einem Brief mit. Seiner Ansicht nach hätten sich die Sachverständigen „nicht hinreichend mit der Mängelverfolgung und -beseitigung auseinandergesetzt“. Beim Brandschutz sah er damals keine nennenswerten Forschritte. Wegen fehlender sicherheitstechnischer Anlagen sei „gegenwärtig das Risiko einer Brandentstehung und -ausbreitung äußerst hoch“, schrieb Loge. Ähnlich äußerte sich Amann nach seinen ersten Besuchen der Baustelle. Dabei bezeichnete er den Zeitplan bis zur Eröffnung als „absolut ambitioniert“.

Ehrgeiziger Zeitplan

Nach derzeitigem Stand soll die Brandschutzanlage bis Dezember fertig sein. Im Januar soll der TÜV die gesamte Anlage prüfen. Daran schließt sich, wenn alles gut läuft, die Genehmigung der Baubehörde von Dahme-Spreewald an. Im Februar soll dann der Probebetrieb starten, bei dem die Mitarbeiter des Flughafens die neue Umgebung kennenlernen sollen. Dabei bekommen sie noch Unterstützung von freiwilligen Komparsen. Der erste richtige Passagier soll dann – wenn alles gut läuft – am 17. März 2013 einchecken.

Als wäre das nicht genug, kommt auf den Flughafen gleichzeitig ein Finanzierungsproblem zu. Der anvisierte Kreditrahmen von 2,4 Milliarden Euro sowie die Gesellschaftereinlage von 430 Millionen Euro werden nicht ausreichen, um das Projekt abzuschließen. Schon jetzt steht fest, dass der Flughafen 586 Millionen Euro für weitere Baumaßnahmen sowie 591 Millionen für verbesserten Schallschutz für die Anwohner braucht. Der Schadenersatz, den unter anderen die Fluggesellschaften fordern werden, ist dabei noch nicht einmal berücksichtigt. Wo das Geld herkommen soll, steht noch nicht fest.

All das wusste Amann, als er sich auf die Herausforderung einließ. Doch der BER ist bekannt dafür, mit immer neuen Problemen zu überraschen. Für Amann kann man nur hoffen, dass er sie vor dem 16. August entdeckt. Denn sonst bekommt er eines.

>>> Hier geht‘s zu Viktoria Solms BER-Blog „Hin und weg“