Airport-Start

BER-Eröffnung im März 2013 steht auf der Kippe

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Christine Eichelmann und Gudrun Mallwitz

Offenbar sind die Brandschutz-Probleme eklatanter als bisher bekannt. Klarheit sollen nun Tests unter Volllast bringen.

Der neue Eröffnungstermin des Hauptstadtflughafens BER am 17. März 2013 ist offenbar ernsthaft in Gefahr: Die Brandschutzanlage funktioniert immer noch nicht. Ob es zum dritten Mal eine Terminverschiebung geben wird, hängt davon ab, ob das System ohne umfangreiche Umbauten in Betrieb gehen kann. Am Dienstag finden die entschiedenen Tests an der hochkomplizierten Anlage statt. Sollten diese schief gehen, drohen Kosten und Zeitplan für den Airport außer Kontrolle zu geraten.

Rauch durch unterirdisches System

Laut dem neuen Technik-Chef Horst Amann ist offen, ob der 17. März zu halten ist. SPD-Fraktionschef Ralf Holzschuher sagte am Donnerstag nach einem Baustellenbesuch: „Es steht noch nicht fest, ob die Flughafengeschäftsführung sich bereits bei der Aufsichtsratssitzung am 16. August festlegen kann.“ Holzschuher zeigt dafür Verständnis. „Wir brauchen eine ehrliche Analyse der Situation, sie soll nicht unter dem Druck von Gremienterminen zustande kommen.“ Andere hingegen drängen auf Klarheit: „Ich erwarte zur Aufsichtsratssitzung eine hundertprozentige Aussage darüber, wann der Flughafen eröffnet werden kann“, sagte der Verkehrsexperte der Brandenburger Grünen, Michael Jungclaus.

Die Entrauchungsanlage hatte wegen gravierender Mängel schon einmal für die Verschiebung der für Anfang Juni 2012 geplanten Flughafeneröffnung gesorgt. Obwohl ständig an ihr gearbeitet wird, sind die Probleme offenbar nicht in den Griff zu bekommen. Laut einem jetzt öffentlich gewordenen Bericht einer beauftragten Prüffirma würden erhebliche Umplanungen eine Inbetriebnahme zum 17. März „nicht mehr möglich machen“. Die Flughafengesellschaft (FBB) weist dies als Spekulation zurück. Im Brandfall soll der Rauch über ein kilometerlanges unterirdisches System von Klappen und Kanälen abgeleitet sowie Frischluft zugeführt werden. FBB-Sprecher Ralf Kunkel bestätigte, dass bei früheren Tests zwei Kanäle „zerbröselt“ seien.

„Bewährtes statt Experimente“

Der FDP-Fraktionschef im Brandenburger Landtag, Jens Büttner, kritisierte, dass im Flughafen BER eine „weltweit einmalige Brandschutzanlage eingebaut worden ist“. Damit seien die Auftraggeber ein nicht abschätzbares Risiko eingegangen. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Dieter Dombrowski sagte: „Man hätte auf bewährte Technik statt auf anspruchsvolle Experimente setzen müssen.“

Der stellvertretende Landrat von Dahme-Spreewald, Carl-Heinz Klinkmüller, bestätigte der Morgenpost Online: „Dieses System ist einzigartig.“ Das Bauordnungsamt als Genehmigungsbehörde werde die Testergebnisse der Prüfsachverständigen auswerten, sobald sie vorliegen.

Weitere Klagen stehen an

Der Zeitplan für den Airport könnte auch durch ein mögliches Beihilfeverfahren der Europäischen Union (EU) ins Wackeln geraten. Dieses würde nötig, wenn der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg als Flughafengesellschafter weiteres Kapital für das Projekt bräuchten. Weiterer Ärger droht der FBB von Seiten der Flughafengegner. Zusätzlich zu den laufenden neun Klagen ziehen nun auch die NaturFreunde Deutschland und Anwohner des Müggelsees vor das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg. Neben der Lärmproblematik geht es ihnen um Umweltaspekte wie die Frischluftversorgung Berlins und die Feinstaubbelastung. „Das ist eine völlig neue Klage, die einschlagen wird wie eine Bombe“, glaubt Rechtsanwalt Wolfgang Baumann. Da europäisches Umweltrecht betroffen sei, werde so auch der Weg zum Europäischen Gerichtshof geebnet. „Und es stehen noch weitere Klagen an“, so der Jurist.

Daneben mag als kleiner Lichtblick gelten, dass zwei Pavillons für die Kontrolle von Flüssigkeiten im Handgepäck vorerst nicht fertig gestellt werden müssen. Die EU-Kommission will das geltende Flaschenverbot nun doch nicht wie erwartet zum April 2013 aufheben. Am BER wurde diese zeitliche Entlastung begrüßt, die Pavillons sollen dennoch rechtzeitig stehen.