Schon zu Weihnachten 2011 war der Geschäftsführung des geplanten Hauptstadtflughafens BER bekannt, dass es enorme Probleme mit dem Brandschutz gibt. Damals habe festgestanden, dass eine vollautomatische Brandschutzanlage nicht wie geplant bis zum ursprünglichen Eröffnungstermin am 3. Juni 2012 habe fertiggestellt werden können, sagte Flughafen-Geschäftsführer Rainer Schwarz am Montag im Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Dort nahm er zum Debakel um die verpatzte Eröffnung des Hauptstadtflughafens Stellung.
Es sei daraufhin eine halbautomatische Anlage angestrebt worden, die von 10 bis 20 Mitarbeitern gesteuert werden sollte, sagte Schwarz. Sie hätten unter anderem bis zu 18.000 Rauchmelder im Blick haben müssen und im Ernstfall Brandschutztüren von Hand öffnen sollen. Die Behörden ließen die Schnittstelle von Mensch und Maschine aber nicht zu und forderten eine vollautomatische Lösung.
Mitte April sei dann nach Testläufen klar geworden, dass das Konzept fehlerträchtig sei, hieß es. Wenig später habe festgestanden, dass die Eröffnung verschoben werden muss. Abgesagt wurde der Termin schließlich Anfang Mai. Nun soll der Airport am 17. März 2013 seine Türen öffnen.
Zunächst sei die Brandschutzanlage mit Theater-Nebel getestet worden, sagte Gesamtprojektleiter Joachim Korkhaus am Montag. Erst nach Proben mit sogenanntem Schwarz-Rauch seien erhebliche Mängel bei der technischen Ausrüstung offenkundig geworden. So sei danach klar geworden, dass etwa Brandpartikel die rund 30 Entrauchungsanlagen im Notfall stark beeinflussen würden – vor allem im Bereich der Gepäckanlage. Allein dort müssten bei einem Feuer 1,2 Millionen Kubikmeter entraucht werden, sagte Korkhaus. Bei Tests seien Rauchgaskanäle „implodiert“.
Die Oppositionsparteien Grüne, Linke und Piraten kritisierten am Montag, dass die Informationspolitik der Verantwortlichen ungenügend sei. „Hätte man nicht schon früher die Reißleine ziehen können?“, fragte etwa Grünen-Abgeordneter Benedikt Lux, ohne eine – seiner Meinung nach – zufriedenstellende Antwort zu erhalten.
Die Grünen fordern auch deshalb einen Untersuchungsausschuss. Die Linke-Fraktion signalisierte bereits mögliche Zustimmung.
Alle Informationen rund um den Bau des Hauptstadtflughafens BER im Special von Morgenpost Online – und in unserem Flughafen-Blog Hin und weg
dpa/sei



