Die Kostenrisiken für den künftigen Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld werden immer beträchtlicher: Erstmals bestätigte der Chef der Flughafengesellschaft (FBB), Rainer Schwarz, offiziell, dass der Airport bereits zum ursprünglichen Eröffnungstermin am 3. Juni drei Milliarden Euro gekostet hat. Bislang war von 2,5 Milliarden Euro die Rede. Zudem räumte Schwarz ein, dass mindestens 250 Millionen Euro für Schallschutz und Entschädigungen von Hausbesitzern benötigt werden – falls die Gesellschaft mit ihrem Antrag auf Änderung des Planfeststellungsbeschlusses beim Brandenburger Infrastrukturministerium keinen Erfolg hat.

Von den rund 25.000 Haushalten, die Anspruch auf Lärmschutz haben, liegen 14.000 im Tagschutzgebiet. Für sie sind rund 74 Millionen Euro von insgesamt 165 Millionen Euro für den Lärmschutz vorgesehen. Doch offenbar genügen die bislang bewilligten und teilweise schon eingebauten Schallschutz-Fenster den im Planfeststellungsbeschluss festgesetzten, erhöhten Anforderungen nicht.

Im April 2012 beantragte die FBB, die Lärmschutz-Vorgaben für das Tagschutzgebiet zu lockern. Diese sehen vor, dass es im Inneren von Wohnungen bei geschlossenen Fenstern keine höheren Maximalpegel als 55 Dezibel geben darf. Der Flughafen will stattdessen sechs Pegel-Überschreitungen pro Tag genehmigen lassen.

Flughafenchef Schwarz sagte am Mittwoch vor den Hauptausschuss des Brandenburger Landtags in Potsdam, dass der Schallschutz im Falle des derzeitig geltenden Planfeststellungsbeschlusses für die meisten Häuser nicht durchführbar sei. Deren Besitzer müssten also entschädigt werden. Aus dem Antrag an das Infrastrukturministerium geht aber hervor, dass lediglich 3920 Wohnungen der 14.000 Wohnungen im Tagschutzgebiet nicht zu schützen seien und daher entschädigt werden müssten. Für 7560 Wohnungen wäre ein besserer Schallschutz als bislang vorgesehen notwendig.

Noch hat das Infrastrukturministerium nicht über den Antrag entschieden. „Noch gilt“, wie Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) vor dem Ausschuss sagte, „der Planfeststellungsbeschluss“. Damit beantwortete er aber nicht die Frage der Opposition, weshalb die Gesellschafter es zulassen, dass der Flughafen mit den derzeit gebilligten Schallschutzfenstern gegen den geltenden Planfeststellungsbeschluss verstößt.

Neben Platzeck stellten sich auch die beiden Aufsichtsratsmitglieder –Wirtschaftsminister Ralf Christoffers und Finanzminister Helmuth Markov von den Linken – dem Kreuzverhör der Abgeordneten. Erneut blieb offen, wie viel der Flughafen nach der Verschiebung der Eröffnung auf März 2013 kosten wird. Erst in der Aufsichtsratsitzung am 22. Juni soll die Flughafengesellschaft Berechnungen vorlegen, sagte der Ministerpräsident. Er musste bereits in seiner Regierungserklärung vorige Woche einräumen, dass sich die Kosten für den Terminal-Neubau verdoppeln werden. Nach derzeitigem Stand werde das Terminal 1,22 Milliarden Euro kosten. Bisher hatten die Betreiber mit 630 Millionen Euro gerechnet.

Neuer Zeitplan steht

Am Flughafen selbst haben die Firmen ihr Tempo herunter gefahren. Dort wird nun nur noch eine Schicht pro Tag gearbeitet anstelle von drei. Im Terminal sind derzeit nur 2000 Bauarbeiter beschäftigt und damit rund 500 weniger als vor der Bekanntgabe der Verschiebung. Allerdings ist der Zeitplan bis zum neuen Starttermin am 17. März eng angelegt. Dies erläuterte Joachim Korkhaus, der für Planung und Bau zuständige Bereichsleiter der Flughafengesellschaft. Er führte Berliner Parlamentarier durch das Terminal. Dort sah es noch nicht so aus, als ob der 3. Juni als Starttermin jemals realistisch einzuhalten gewesen wäre.

Allerdings gebe es laut Korkhaus unter anderem Fortschritte bei der technischen Steuerung der Türen. Sie spielten eine wichtige Rolle bei der Verschiebung des Eröffnungstermins. Insgesamt 700 Leute hätten sonst ab 3. Juni in drei Schichten dafür sorgen müssen, dass die Türen notfalls mit der Hand geöffnet werden, falls die Automatik versagt.

Nach derzeitiger Planung sollen bis zum 15. Juni die Planungsunterlagen aufeinander abgestimmt werden. Firmen hatten immer wieder bemängelt, dass diese nicht zusammen passten und es daher zu unnötigen Verzögerungen kam. Falls diese Prüfung, an der unter anderem Siemens und Bosch mitarbeiten, zufriedenstellend verläuft, wird ab 18. Juni die Brandschutzanlage fertig gebaut und getestet. Ein halbes Jahr später sollen sowohl der Bau als auch die Prüfung durch den TÜV erfolgreich abgeschlossen sein.

Mitte Januar soll laut Korkhaus bei der Behörde der Antrag für die Abnahme gestellt werden. Läuft alles nach Plan, findet im Februar der Probebetrieb statt, bei dem sich die Mitarbeiter an die neue Umgebung gewöhnen. In den ersten beiden Märzwochen sollen die Lager der Geschäfte und Restaurants gefüllt werden, so dass der BER am Morgen des 17. März startklar ist. „Ich bin zuversichtlich, dass es klappt, denn dieses Mal haben wir die Planung selbst in der Hand“, sagte Korkhaus. Erst vergangene Woche hatte sich die Flughafengesellschaft mit sofortiger Wirkung von der zuständigen Planungsgesellschaft getrennt.