BER-Panne

Berliner Flughafen-Chef Schwarz will Krise managen

Technikvorstand Körtgen muss nach der BER-Panne gehen. Flughafen-Chef Schwarz weist dagegen Rücktrittsforderungen zurück.

Erst hieß es Ende August, dann November, jetzt steht fest: Der neue Hauptstadtflughafen BER Willy Brandt soll erst in zehn Monaten am 17. März 2013 in Betrieb gehen und damit neun Monate später als zuletzt geplant. Das hat der Aufsichtsrat der Berliner Flughafengesellschaft in einer nächtlichen Sondersitzung beschlossen. Technik-Geschäftsführer Manfred Körtgen muss das Unternehmen verlassen, Flughafenchef Rainer Schwarz behält seinen Posten. Zudem wird der Vertrag mit dem Generalplaner PG BBI beendet. Scharfer Protest kam von Air Berlin.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der auch Aufsichtsratschef ist, sagte am Donnerstag, die technischen Abläufe würden einen früheren Eröffnungstermin nicht möglich machen. Die Absage sei für viele Beteiligte „aus heiterem Himmel“ wie ein „Paukenschlag“ gekommen. Noch kurz zuvor sei dem Aufsichtsrat versichert worden, dass es bei dem Eröffnungstermin Anfang Juni bleibe. Wowereit: „Alle sind davon ausgegangen, dass der Termin zu halten ist. Wir hätten doch bei der Aufsichtsratssitzung am 20. April nicht noch 13 Millionen Euro für zusätzliche Maßnahmen zur Verfügung gestellt oder entsprechende Einladungen zum Hoffest rausgeschickt. So blöd sind wir sicher auch nicht.“ Wowereit mahnte zur Eile: „Man kann sich jetzt nicht Zeit lassen. Es ist nicht so, dass das, was jetzt ziemlich lange klingt, eine komfortable Situation darstellt.“

Ursprünglich sollte der Flughafen Ende Oktober 2011 öffnen, dieses Datum wurde bereits 2010 um sieben Monate verschoben. In der vergangenen Woche musste die Flughafengesellschaft auch den 3. Juni kippen, offiziell, weil der Brandschutz nicht richtig funktionierte. Außerdem soll es aber auch Probleme bei Check-in-Prozessen, Gepäcksortierung und der Computertechnik geben. Das zuständige Bauordnungsamt fordert inzwischen eine funktionsfähige, vollautomatische Brandschutzanlage als Grundvoraussetzung der Flughafeneröffnung. Diese ist laut Flughafenchef Schwarz nicht vor Dezember zu realisieren.

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sprach von einer „dramatischen und unschönen Situation“. Es sei ein Imageschaden für die ganze Region entstanden. Zugleich wies er darauf hin, dass der neue Eröffnungstermin auch in Abstimmung mit den Fluggesellschaften gewählt worden sei. Diese hätten „keine Eröffnung im Hochwinter“ wegen der zusätzlichen Risiken durch die Jahreszeit gewollt. Durch den neuen Zeitplan werde außerdem Zeit gewonnen, um beim Lärmschutz für die Anwohner „nachzuarbeiten und nachzulegen“.

Büßen für das Fiasko muss Technik-Chef Körtgen. Der 59-Jährige habe als Verantwortlicher für das Bauprojekt Probleme damit gehabt, „die Dinge rechtzeitig zu erkennen“, sagte Wowereit. Der Vertrag werde zum 1. Juni aufgelöst. Flughafen-Chef Schwarz wies dagegen Rücktrittsforderungen zurück: „Jetzt ist Krisenmanagement gefragt – dafür stehe ich zur Verfügung.“ Er habe „immer für den Flughafen gekämpft, ich werde es auch nach seiner Eröffnung tun“. Schwarz wies darauf hin, dass es auch eine große Herausforderung sei, den Flugverkehr bis zum Frühjahr kommenden Jahres an den bestehenden Flughäfen in Tegel und Schönefeld abzuwickeln.

Zusätzlich beendet der Aufsichtsrat den Vertrag mit dem Generalplaner und Verantwortlichen für die Objektüberwachung PG BBI, zu dem auch das renommierte Büro des Flughafen-Architekten Meinhard von Gerkan gehört. Es habe unter anderem viele Fehler bei der Projektkoordinierung und Überwachung gegeben, begründete Aufsichtsratschef Wowereit den Schritt. Die Flughafengesellschaft werde nun die Planungssteuerung übernehmen und selbst den Baufortschritt überwachen. Welches Personal oder welche Ingenieurbüros dabei zum Zuge kommen sollen, steht nach Angaben eines Flughafensprechers noch nicht fest.

Bei der eigenen Arbeit sieht der Aufsichtsrat dagegen keine Versäumnisse. „Wir haben unsere Aufsichtspflicht nicht verletzt“, so der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Rainer Bomba. Die Terminentscheidung sei einvernehmlich getroffen worden. Der Bund trägt den Flughafen gemeinsam mit den Ländern Berlin und Brandenburg.

„Unerträglicher Imageschaden“

Air Berlin kritisierte die Terminverschiebung. „Dies ist völlig unakzeptabel und fügt Berlin als Flughafen-Drehkreuz einen kaum mehr reparablen und deshalb unerträglichen Imageschaden zu“, sagte der Vorstandsvorsitzende Hartmut Mehdorn am Donnerstag. „Die Verschiebung der Eröffnung um mehrere Monate ist mit reinen Brandschutzmaßnahmen nicht mehr erklärbar“, so Mehdorn. Air Berlin erleide dadurch nicht nur einen wirtschaftlichen, sondern auch einen Imageschaden, der finanziell kaum zu beziffern sei. Schon am Dienstag hatte Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Schadenersatz wegen der verschobenen Eröffnung des neuen Berliner Großflughafens verlangt. Ein Lufthansa-Sprecher bezeichnete die Verzögerung dagegen als „bedauerlich“, aber im Interesse eines sicheren und stabilen Betriebs richtig.

Gelassen reagierte die Tourismus-Branche. Visit-Berlin-Chef Burkhard Kieker sagte der Morgenpost: „Schlimmer wäre es gewesen, den Flughafen zu eröffnen, ohne dass er richtig funktioniert.“ Immerhin gebe es mit Berlin und Tegel ein „gut geöltes System“. Kieker: „Niemand muss wegen der verschobenen Eröffnung des BER seine Berlin-Reise verschieben. Nun heißt es eben weiterhin: Herzlich willkommen bei der alten Tante Tegel.“

Auch die Firmen, die für die Brandschutzanlage zuständig sind, drängen zur Eile. Sie mahnen endgültige Planungsunterlagen innerhalb von vier Wochen an. Nur dann lasse sich der 17. März 2013 einhalten, teilten die Unternehmen Siemens, Bosch und Imtech mit.

Für die Opposition ist der Fall noch lange nicht erledigt. „Hier hat die Aufsicht versagt“, sagte Berlins Grünen-Fraktionschefin Ramona Pop. Körtgen sei ein „Bauernopfer“, mit dessen Rauswurf sich Wowereit schützen wolle.