Dass Berlin ein besonderes Pflaster ist, war Manfred Körtgen schnell klar. „Nicht gemeckert ist das größte Lob, das man hier bekommen kann“, bemerkte der Architekt aus dem Rheinland einmal etwas enttäuscht.
Das war vergangenes Jahr bei einem Rundgang über die Baustelle des Hauptstadtflughafens, seines Airports. Heute wäre Körtgen vermutlich dankbar für diese Berliner Form des Lobs. Denn der 59-Jährige hat den Zorn und den Spott einer ganzen Region auf sich gezogen: Es gibt jede Menge zu meckern.
Der Vorwurf: Die Flughafengeschäftsführung mit Körtgen als Technikmann und Rainer Schwarz als Sprecher soll die Politiker im Aufsichtsrat über den Bauverzug des Prestige-Projekts hinweggetäuscht haben. Bis kurz vor dem Ziel klar wird: Es wird nicht rechtzeitig fertig. Eine peinliche und voraussichtlich auch kostspielige Blamage.
Dabei tritt Körtgen stets sachlich und besonnen auf - wie einer, der stets die Kontrolle behält. Er leitete den Umbau des Flughafens Düsseldorf nach dem Brand 1996. 2004 kam der Architekt nach Berlin, ersetzte später den nach München gewechselten anerkannten Planer Thomas Weyer. Aus Schwarz' Schatten trat Körtgen selten.
Kritik provozierte nun, dass der Hobby-Pianist den Doktor machte, während die Eröffnung 2010 erstmals verschoben wurde - um sieben Monate, obwohl der Baurückstand zwölf betrug. Ein Wettlauf mit der Zeit begann.
Da war der Bau dem nüchternen Körtgen längst ans Herz gewachsen. „Dieser Flughafen ist eine ganz besondere Herausforderung“, schwärmte er einmal. „So etwas baut man nur einmal im Leben.“
dpa/mim


