Hartmut Mehdorn

Air-Berlin-Chef kämpft gegen Luftverkehrssteuer

Der künftige Erfolg von Air Berlin hängt nach Einschätzung des Vorstandschefs Hartmut Mehdorn vor allem von der Stärke des Unternehmens am künftigen Berliner Flughafen ab. Außerdem kämpft das Unternehmen massiv gegen die Luftverkehrssteuer.

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Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn will massiv gegen die Luftverkehrssteuer vorgehen. Das wirtschaftlich stark angeschlagene Unternehmen will Mehdorn mit einem „stringenten Sanierungs- und Effizienzverbesserungsprozess“ gesund machen. Ein Ende der weltweiten Branchenkrise sieht der frühere Bahn-Chef nicht.

"Wir kämpfen bereits sehr stark gegen die willkürlich erlassene Luftverkehrssteuer“, sagte Mehdorn am Mittwoch auf einer Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer Berlin. „Künftig werden wir uns dazu zunehmend lautstark melden.“

Der Finanzminister meine, die „Airlines abzocken zu müssen“, fügte Mehdorn hinzu. „Wir müssen sehen, dass wir die Bundesregierung davon abbringen, diesen Unsinn weiterzubetreiben.“

Luftverkehrssteuer kostet Air Berlin 180 Millionen Euro

Die Luftverkehrssteuer habe Air Berlin im vergangenen Jahr 180 Millionen Euro gekostet, sagte der Manager. Diese Kosten könne das Unternehmen nicht an die Kunden weitergeben. Es sei schon schwierig genug, die steigenden Treibstoff-Preise auf die Tickets aufzuschlagen. Ein Barrel Öl werde wieder mehr als 150 Euro kosten, prognostizierte Mehdorn.

Insgesamt habe Air Berlin im vergangenen Jahr zusätzliche Kosten in Höhe von 400 Millionen Euro verbucht. Diese seien entstanden durch die Luftverkehrssteuer, steigende Kerosin-Preise, Streiks an Flughäfen in Südeuropa sowie die Vulkanasche und die politischen Proteste in Ägypten und Tunesien.

Luftverkehrssteuer zwingt zu Rationalisierungsmaßnahmen

Alleine die Belastung durch die Luftverkehrssteuer zwinge Air Berlin zu Rationalisierungsmaßnahmen, sagte Mehdorn. So fliege die Fluggesellschaft inzwischen keine kleinen Flughäfen mehr an.

Abgesehen von den Airlines im Mittleren Osten stünden die Fluggesellschaften weltweit unter Druck. „Und ich sehe kein Licht im Tunnel“, betonte Mehdorn. Die Branche müsse sich langfristig auf wirtschaftlich schwierige Zeiten einstellen.

Wachstum verspricht sich Mehdorn durch die Beteiligung von Etihad Airways aus Abu Dhabi an Air Berlin sowie durch den Ausbau der Drehkreuzfunktion am künftigen Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg, der am 3. Juni eröffnen soll. „Wir werden das Unternehmen in überschaubarer Zeit wieder in die schwarzen Zahlen bringen.“

Außerdem verspricht sich Mehdorn wirtschaftliche Impulse von der angestrebten Mitgliedschaft bei der Luftfahrt-Allianz One World. Im März solle der Beitritt mit einem großen Festakt in Berlin gefeiert werden, sagte Mehdorn.

Zukunft Air Berlins hängt am Drehkreuz Schönefeld

Der künftige Erfolg von Air Berlin hängt nach Einschätzung des Vorstandschefs Hartmut Mehdorn darüber hinais vor allem von der Stärke des Unternehmens am künftigen Berliner Flughafen ab. „Die Frage ist, ob es uns gelingt, aus dem neuen Flughafen einen Hub zu machen“, ein Drehkreuz, sagte Mehdorn am Mittwoch bei einer Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer Berlin. Ziel sei es, am neuen Airport täglich sechs Wellen von innerhalb kurzer Zeit an- und abfliegenden Maschinen zu etablieren.

Der Flughafen Berlin Brandenburg in Schönefeld wird am 3. Juni in Betrieb gehen und damit die bisherigen Airports Tegel und Schönefeld ablösen. Der deutsche Branchenführer Lufthansa will der Nummer zwei Air Berlin dort zwar mit mehr europäischen Flugzielen größere Konkurrenz machen. Lufthansa mit den Hauptstützpunkten Frankfurt und München sieht aber Berlin nicht als neues Drehkreuz.

Mehdorn sprach von einer „schwierigen Phase“ der Luftfahrtbranche. „Es ist auch gar nicht so richtig Land in Sicht“, fügte er hinzu. Die weiter steigenden Kerosinpreise und die Luftverkehrssteuer, die Mehdorn Abzocke nannte, machten nicht nur seinem Unternehmen schwer zu schaffen. Dennoch sei er zuversichtlich, „dass wir das Unternehmen in übersichtlicher Zeit wieder in die schwarzen Zahlen bringen können“.

Air Berlin dürfte im vergangenen Jahr einen höheren Verlust als 2010 geschrieben haben, die Bilanz liegt noch nicht vor. In den ersten neun Monaten 2011 hatte die Gesellschaft einen Nettoverlust von 134 Millionen Euro verbucht. Im Januar stieg die arabische Gesellschaft Etihad als Großaktionär bei Air Berlin ein. Am 20. März wird Air Berlin Mitglied des weltweiten Luftfahrtbündnisses Oneworld.