Mamas und Papas

Wir Mütter vom Prenzlauer Berg und fünf Vorurteile über uns

Sie stillen im Café, machen Jagd auf Passanten und alles muss Bio sein: Über Mütter vom Prenzlauer Berg gibt es so einige Vorurteile. Kolumnistin Sandra Garbers kontert.

Foto: pa/dpa

Seit Tagen kursiert auf Facebook ein Zeitungsartikel, der uns Mütter aus Prenzlauer Berg mies macht. Eine Café-Besitzerin scheint sich so sehr über ihre Kundinnen mit Kind zu ärgern, dass sie sie fortwährend Rinder nennt, während sie sie beleidigt.

Der Artikel ist so böse und gemein, dass hier nicht näher auf ihn eingegangen werden soll, aber es finden sich in ihm so ungefähr alle Vorurteile über Mütter in Prenzlauer Berg. Obwohl schon uralt, wird der Text seitdem geteilt, zustimmend kommentiert und geliked. Zeit also, um mal ein wenig mit den Vorurteilen aufzuräumen.

Vorurteil Nummer eins: Kommt die Prenzlauer-Berg-Mutter in ein Café, legt sie als Erstes ihre nackten Brüste auf den Tisch. Stimmt nicht! Meist wird vorher noch eine Apfelschorle bestellt – Stillen macht durstig –, erst dann wird ausgepackt. Diejenigen, die diskret stillen, sieht man übrigens nicht, weil sie ja so diskret sind. Generell gibt es aber einen Trick, die Störung durch Offensiv-Mütter auf ein Minimum zu reduzieren: Einfach nicht hinschauen.

Tödliche Kombination aus Schlafmangel und Hormonen

Vorurteil Nummer zwei: Mütter sitzen stundenlang im Café und trinken Latte Macchiato. Stimmt nicht, Latte Macchiato enthält Koffein. Und ganz ehrlich, wenn wir länger im Café sitzen, hat das meist einen sehr einfachen Grund: Wir wissen nicht mehr, wo wir wohnen. Das nennt man Stilldemenz, ausgelöst durch die tödliche Kombination aus Schlafmangel und Hormonen. Stilldemenz hat die Natur erfunden, damit es den stillenden Müttern nicht so auffällt, dass ihr altes Leben mit den tollen Schuhen und den Partys vorbei ist.

Vorurteil Nummer drei: Die machen mit ihren 1000-Euro-Kinderwagen-Rammböcken regelrecht Jagd auf Passanten. Hmmm. Jagd hieße ja, dass man die Passanten verfolgt, das ist nicht der Fall. Wenn einem größere Gruppen entgegenkommen, nimmt man nur etwas Fahrt auf, um nicht vom Gehweg geschubst zu werden. Das ist, als wenn ein Vogel sich aufplustert, um sich größer und gefährlicher zu machen. Oft ist es aber auch nur ein Schrei nach Hilfe: Beachtet mich.

Alles muss aus Bio-Dings sein

Vorurteil Nummer vier: Keine Schule ist der Prenzlauer-Berg-Mutter gut genug, sie gründet ihre eigene. Wer jemals, und sei es auch nur gezwungenermaßen anlässlich einer Bundestagswahl, ein Prenzlauer-Berg-Schule-Wahllokal betreten hat, wird verstehen, dass in jungen Eltern der Wunsch entsteht, eine eigene Schule zu gründen. Den meisten gelingt es allerdings nicht, sie ziehen dann weg. Dorthin, wo die Schulen besser sind und das Gras grüner ist.

Vorurteil Nummer fünf: Alles muss aus Bio-Dings sein. Nö, muss nicht. Aber besser isses.

Damit dürften die Vorurteile ein für allemal ausgeräumt sein. Falls nicht, auch nicht so schlimm. Oder, um es mit den Worten meiner Tochter zu sagen: „Wende dich stets der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.“ Woher sie das hat? Früh-Chinesischkurs natürlich.