Vereinssport

Hilfe, mein Kind spielt Fußball!

Mit jeder WM werden die Fußballklubs vom Nachwuchs überrannt. Damit ändert sich das ganze Familienleben. Eine Mutter und ein Vater über den Wahnsinn auf und neben dem Spielfeld.

Foto: Thinkstock / Polka Dot Images

Die WM steht kurz vor dem Anpfiff, das Fußball-Fieber steigt. Auch bei den Kindern. Nationaltrikots werden eingefordert, Deutschland-Fahnen und Tröten, und auf den Berliner Schulhöfen läuft ein reger Tauschhandel mit Panini-Bildchen. Aber wer glaubt, dass nach der WM mit dem Irrsinn Schluss ist, der hat sich getäuscht. Denn dann legt der Nachwuchs erst richtig los.

Das Kind will Fußball spielen, in einem echten Fußballverein, mit eigenem Trikot und eigener Rücknummer. Mit einem Trainer, Mannschaftskameraden, auf einem richtigen Fußballfeld. Weil natürlich der Traum aller kleinen Jungs (und auch manches kleinen Mädchens) nach der WM ist: „Wenn ich groß bin, werde ich Fußball-Star.“ Dann werde ich ein Müller, Schweinsteiger, ein Özil oder Khedira. Und weil Mutter und Vater ihr Kind lieben und gute, unterstützende Eltern sein wollen, melden sie es wohlwollend zur Sichtung beim Fußball-Verein um die Ecke an. Und ahnen nicht, dass sich damit alles verändert. Ein Bericht zweier Betroffener.

1. Wie man sein Kind neu kennenlernt

Eine Mutter: Wir hatten keine Wahl. Wirklich nicht. Die Bilder waren zu stark. Im Jahr des Sommermärchens 2006 war unser Sohn ein Jahr alt. Die Euphorie dieser Wochen umspülte ihn regelrecht in seinem Kinderwagen. Das Wetter war wunderbar, meine Hauptbeschäftigung war damals Kinderbetreuung, also traf ich mich mit Freundinnen, und wir schauten so ziemlich alle Spiele. Unser Sohn saß mittendrin, und mir hätte auffallen müssen, dass er für einen Einjährigen verdächtig konzentriert mitschaute. Nicht das ganze Spiel, klar. Aber schon mal zehn Minuten. Eine halbe Ewigkeit für ein Kleinkind. Und dass er im Italienurlaub kurz zuvor das Laufenlernen einfach mit dem Kickenlernen verbandelt hatte. Er übte beides zeitgleich. Zwei unsichere Schritte, ein Tritt gegen den Ball. Immer hinter seiner älteren Schwester her, die damals auch noch vom Fußball-Virus infiziert war und deshalb nur Trikots trug. Auf keinen Fall ein Kleidchen! Trägt Poldi etwa Rock?!

An das Endspiel der EM 2008 hat unser Sohn dann schon konkrete Erinnerung. 0:1 unterlag Deutschland im Finale gegen Spanien. Der Name Fernando Torres hat sich bei ihm eingebrannt. Damals war er drei. Sein Berufsziel? Nix Feuerwehrmann oder Dinosaurier-Forscher. „Fußballer.“ So ist es bis heute geblieben. Jetzt ist er neun.

Während andere Eltern also abwägten, welcher Sport für ihr Kind wohl der richtige sei – Hockey, Tennis oder doch Judo – gab es bei uns keinerlei Debatten. Mein Mann fuhr mit unserem Sohn, der damals fünf war, zu einem Kinder-Fußballtraining im Verein. Und dort machten wir eine erstaunliche Erfahrung.

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Unser fußballfanatischer Sohn sah die anderen Jungs und wollte noch nicht mal aus dem Auto steigen. Alles Zureden half nicht. Was war los? Er hatte Angst. Es war ihm alles eine Nummer zu groß, zu fremd.

Man lernt beim Fußball seine eigenen Kinder kennen. Und wir lernten, dass unser Sohn kein Draufgängertyp ist. Er ist anfangs verhalten; so spielt er auch Fußball. Kein Stürmer-Typ, eher so ein Mittelfeld-Denker.

Wir haben dann den Umweg über das nachmittägliche Kita-Fußballtraining genommen, das drei engagierte Väter anboten. Hier kannte er alle, hier war ihm das Umfeld vertraut. Er durfte in Mannschaften spielen und war glücklich. Und wurde zunehmend selbstbewusst. „Er muss in einen Verein“, sagte einer der Väter nach einiger Zeit. „Das reicht hier nicht mehr.“ Wir meldeten ihn zur Sichtung an, ehrgeiziger Verein, ernste Sichtung. Zureden im Auto mussten wir diesmal nicht. Wie auch? Kaum hatte ich eingeparkt, war er schon weg. Auf dem Platz. In der Sichtung zeigen, was er kann.

Ein Vater: Ich glaube, ich hatte auch keine Wahl. In der Kita gab es einen Aushang. Da stand, dass die Kinder am Montag in einem Bus abgeholt werden zum Fußballtraining an der Storkower Straße in Pankow. Ich stand vor dem Schwarzen Brett in der Kita und dieser Aufruf traf etwas in mir. Mein Sohn würde da mitmachen müssen, gar keine Frage.

Dazu muss man wissen, dass ich selbst trotz großer Leidenschaft niemals richtig gut Fußball spielen konnte, jedenfalls nicht im Verein. Dabei fehlte es mir nicht an der Kondition dafür, ich bin leidlich athletisch und damals war ich wirklich sportlich. Auch technisch lag ich immer im guten Durchschnitt. Aber mir fehlte es an dem Selbstbewusstsein, mit den sozialen Rahmenbedingungen des Jugendfußballs klar zu kommen. Mit den schreienden Trainern und Familienvätern, mit dem Verdrängungswettbewerb im Kader, mit dem ruppigen Ton und der körperlichen Härte auf dem Platz. Und das lag daran, dass ich zu spät damit angefangen habe.

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Erst mit dreizehn absolvierte ich mein erstes Probetraining beim TuS Holzen-Sommerberg in Dortmund. Ich befand mich schon in jener Einflugschneise in die Pubertät, die mit Selbstzweifeln, Stimmungswechseln und sonstigen Grübeleien derart zugestellt ist, dass die Gepflogenheiten am Fußballplatz sich damit ungefähr so gut vertragen wie die Fans von Borussia Dortmund mit diesem einen Verein da in der Nähe von Bochum.

Jedenfalls war mein Sohn gerade fünf geworden, als ich den Aushang sah. Und in dem Alter tun sich ganz andere Möglichkeiten auf. Mit fünf Jahren angefangen, also Lionel Messi: Das war mein erster Gedanke. Und wie er da auf den Platz stürmte und sofort gegen den Ball trat und ihm hinterher rannte! Wie er es ganz unbekümmert als natürlich hinnahm, dass der Trainer hin und wieder lautstark herum trompetete. So hätte ich auch sein können.

2. Das Ende des Privatlebens

Eine Mutter: Unsere Wochenenden? Wir haben die Planung nicht mehr in der Hand. Der Trainer plant für uns. Offen gesagt, richten wir die Wochenendplanung nach dem Spielplan unseres Sohnes aus. Oft wissen wir erst donnerstags oder gar freitags, ob er am Sonnabend ein mehrstündiges Turnier spielt. Einen Neunjährigen begleitet man noch überall hin, später wird das anders, aber im Moment ist es so. In unserem Freundeskreis werden wir schon mitleidig angeschaut. „Warum macht ihr das mit? Wir würden so ein Opfer nicht bringen, dafür ist uns unsere Freizeit zu wichtig.“

Es macht uns Spaß. Anders geht es auch nicht. Man lernt die Stadt kennen, ist auf hübschen Fußballplätzen in Britz oder auf einer Kunstrasenfläche zwischen Plattenbauten wie in Lichtenberg. Fußball-Eltern in der Hauptstadt sind echte Berlin-Insider. Niemals zuvor bin ich so häufig Ausfallstraßen gefahren: Rudower Chaussee, Eichborndamm, Buschkrugallee. Und wenn man ankommt, ist es immer wieder spannend. Wie spielt der Gegner? Wie schlagen sich unsere Jungs? Und vor allem: Wie wird unser Wochenende? Schießt der Sohn ein Tor, ist das Wochenende gerettet. Wenn nicht, ziehen düstere Wolken auf.

Aber wir sind auch vom Verein erzogen worden. Anfangs war alles noch ganz locker, hier mal ein Turnier, da mal ein Spiel. Eine willkommene Abwechslung, mehr nicht. Das war in der G-Jugend. Alles Tarnung! Im ersten Jahr der F-Jugend zog das Pensum merklich an. Der Winter war gefüllt mit Hallenturnieren, die alle eine gefühlte Ewigkeit andauerten. Inzwischen könnte ich einen Reiseführer durch die Berliner Turnhallen-Büffets schreiben. Froh ist man, wenn das Turnier in Kreuzberg, Neukölln oder Wedding stattfindet. Da ist der Kaffee – dank der türkischen und arabischen Eltern – genießbar. Schlimm dagegen die Plörre von Marzahn oder Tegel. An ganz schlechten Tagen kann man den Boden des Plastebechers sehen.

Inzwischen ist ein weiteres Jahr vergangen, der Sohn ist in seinem Buchstaben eine Nummer nach oben gerückt: 1.F. Nicht ein Paar, drei Paar Fußballschuhe stehen bei uns im Schuhschrank: Halle, Rasen, Kunstrasen. Gespielt wird nicht mehr nur in Berlin, sondern in ganz Deutschland. So haben wir so wunderbare Städte kennengelernt wie Mönchen-Gladbach (wo ist dort eigentlich das Zentrum?), Eberswalde, Großaspach bei Stuttgart, Köln oder Papenburg. Unsere einst fußballbegeisterte Tochter weigert sich inzwischen, den Platz zu betreten. Sie findet es öde. Deshalb trennt sich die Familie am Wochenende – ein Elternteil für ein Kind.

Vor kurzem waren wir abends bei einem Essen eingeladen und erzählten, dass wir am nächsten Morgen ganz früh raus müssen: den Sohn zum Fußballspiel nach Brandenburg kutschieren. Wir erwarteten die übliche Fassungslosigkeit aus der Runde: „Wieso macht ihr das mit, warum tut ihr euch das an?“ Stattdessen kriegte ein anderer Vater ganz melancholische Gesichtszüge. „Ihr Glücklichen“, sagte er uns, „mein Sohn ist inzwischen vierzehn. Ich darf nicht mehr mitfahren. Ich vermisse die Zeit, als ich noch mit ihm unterwegs war.“

Ein Vater: Letztens unterhielt ich mich während des Trainings mit einem anderen Fußballvater. Es ging um die Frage, ob unsere Söhne jetzt in die G-Jugend sollen, wir haben da so Briefe bekommen. Er: „Meine Frau sagt, wir können das nicht machen.“ – Ich: „Wieso das denn nicht?“ – „Na ja, das ist dann eben echt Hardcore. Du musst an den Wochenenden immer früh aufstehen und dann nach Karow fahren oder nach Lichtenberg oder sonstwohin. Und da spielen die Kids dann vierzig Minuten und dann darf man schon wieder die Heimreise antreten. Da ist doch das ganze Wochenende zerschossen.“ – „Wie jetzt, zerschossen? Karow ist doch super! Na gut, Karow ist so mittelsuper. Aber man lernt die Stadt ganz neu kennen. Man lernt Menschen kennen, die ganz anders sind. Und es ist Fußball, Mann, wir wollen siegen!“ – „Ja, Du hast ja recht.“ – „Und was ist dann das Problem?“ – „Na ja. Also, meine Frau glaubt ja, sie müsste dann immer fahren, und irgendwie stimmt das ja auch.“ – „Wie jetzt, irgendwie?“ – „Ich hab’ halt keinen Führerschein.“ – „Jetzt verstehe ich.“

Ich finde das wirklich reizvoll und es appelliert an meine Veranlagung als Fußballnerd, mich in die Feinheiten und Verästelungen des Berliner Jugendfußballs einzuarbeiten. Wer hat die größte Gurkentruppe? Wo wird am gröbsten gefoult? Wen muss man schlagen, um seine Würde zu wahren? Von welchem Nachwuchstalent erzählt man sich die unglaublichsten Geschichten? Das sind hochinteressante Fragen. Ich freue mich auf die Antworten darauf.

3. Ehrgeiz, Erfolge, Vorbilder

Eine Mutter: Eines Tages, beim Grillfest der frisch gegründeten Mannschaft, kriegten wir Eltern vom Trainer eine DFB-Broschüre in die Hand gedrückt: „Fair bleiben, liebe Eltern!“ Was war passiert? Bei einem Turnier im Berliner Süden hatte ein Schiedsrichter eigenwillig gepfiffen, unsere Jungs verloren das Spiel und offenbar fielen, zumindest von einem Vater, unschöne Worte am Spielfeldrand. Der Schiedsrichter beschwerte sich bei der Turnierleitung. Der Trainer sagte damals beim Grillen sinngemäß, so ein Verhalten werde er in seiner Mannschaft nicht dulden. Die Jungs müssten lernen, auch eine Niederlage wegzustecken. Danach wird nicht geheult, sondern Kopf hoch, das nächste Spiel kommt garantiert. Und die Eltern sollten auch zusehen, dass sie mit einem verlorenen Spiel klarkommen. Oder damit, wenn ihre Söhne nicht gut spielen.

Tatsächlich sind selten die Kinder das Problem beim Fußball, sondern fast immer die Eltern. Ich habe noch keine Jungs in der Mannschaft meines Sohnes scheitern sehen, sie können alle gut spielen. Aber ich habe Eltern erlebt, die viel zu ungeduldig und voller überhöhter Erwartungen waren. Die tatsächlich kaum damit klarkamen, wenn der Sohn mal schlecht spielte. Die dann die Schuld bei den Mitspielern, beim Trainer, bei den Schiedsrichtern gesucht haben. Und gleichzeitig ihre Söhne wüst beschimpften. „Du Hure“, schrie ein arabischer Vater seinen Sohn einmal auf dem Jungsklo bei einem Turnier hoch im Berliner Norden an, der zwar super gespielt, aber trotzdem verloren hatte. Das war ein Extremfall, eine andere Mannschaft, ein anderer Verein. Aber fast überall gilt: Die Ungeduld und die Erwartung sind groß.

Als Eltern sollte man sich nichts vormachen: Wer glaubt, einen zukünftigen Bundesliga-Star am Frühstückstisch sitzen zu haben, der irrt. Die Jungs selber dürfen diesen Traum träumen, aber Erwachsene sollten realistischer sein. Es gibt schon allein in einem Jahrgang in Deutschland unglaublich viele Jungs, die super den Ball kicken können. In der Mannschaft meines Sohnes gibt es Jungs, die machen das Tor mehr oder weniger aus dem Fußgelenk. Wunderbar anzusehen. Das sind echte Ausnahmetalente. Vielleicht haben sie tatsächlich eine Chance durchzudringen. Aber die Zahl der Unwägbarkeiten ist groß: Hat der Junge die Nerven für große Spiele, kommt er mit Disziplin durch die Pubertät, bleibt er ohne Verletzungen?

Aber natürlich, im zeitlichen Binnen-Bereich, da freuen wir uns über Erfolge. Sind stolz. Und leiden bei Niederlagen mit unserem Sohn tröstend mit. Was ist unsere ganz persönliche Erwartung? Es wäre schön, wenn er viel später noch kickt – nebenbei im Studium oder im Job mit den Arbeitskollegen der Zukunft. So hat es bei uns in der Familie Tradition: Sein Großvater und auch der Ur-Großvater haben als erwachsene Männer noch mit Freunden auf dem Platz gestanden. Denn eines ist sicher: Fußball ist ein wunderbarer Team-Sport. Aus unserem Leben können wir ihn nicht mehr wegdenken. Wie auch? Das nächste Turnier ist ja schon morgen – in Hamburg.

Ein Vater: Da ist dieser eine Typ, er ist etwa so alt wie ich und geht mir wahnsinnig auf die Nerven. Er hat keine Hemmungen, seinen Sohn vor dem versammelten Augenrollen aller anderen Eltern lautstark zur Schnecke zu machen. Der Sohn bleibt kurz stehen und prüft gedankenverloren den Sitz des Schniedels? „EYYYYY!“, brüllt es da schon von außen rein, „Nichts tun kannst Du auch daheim, so wie deine Mutter!“ Er hat das wirklich gesagt: Wie deine Mutter. Das Augenrollen verwandelt sich in Fassungslosigkeit. Und dann in Bedauern: Denn der Sohn hat sich gerade in Strafraumnähe etwas ungelenk den Ball abnehmen lassen. Das bleibt nicht ungesühnt. Der Vater packt theatralisch seine Jacke und schreit, das reiche jetzt, man gehe jetzt nach Hause. Da stört ihr doch die Frau beim Nichtstun, will mein Mundwerk rufen, ich kann es ihm gerade noch so verbieten. Der Sohn jedenfalls bricht in Tränen aus. Gut gemacht, Du Vollpfosten.

Aber es hat ja auch seine guten Seiten, das alles. Ehrgeiz ist ja nicht schlecht. Er ist sogar wichtig. Er ist nur in seinen hysterischen Erscheinungsformen wenig kleidsam. Und das ist ja keine ganz unwichtige Frage: Wie kann man strebsam sein und trotzdem cool? Die ganze Schullaufbahn steht im Schatten dieser Frage, und je früher ein Kind mit ihr konfrontiert wird, desto besser.

Und dann ist da die Sache mit dem Erfolg. Eine beliebte Frage aus dem Grundkurs Philosophie fiel mir letztens ein. Sie lautet: „Wenn im Wald ein Baum umfällt und kein Mensch ist in der Nähe, der es hört – macht dieser Baum dann ein Geräusch?“ Sie zielt auf ein Kernproblem der Erkenntnistheorie, wonach es eine objektive, von wahrnehmenden Subjekten unabhängige Wirklichkeit gibt oder eben nicht oder auch beides – oder so. Der Satz jedenfalls fiel mir ein, als mein Sohn sein erstes Tor beim Training erzielte. Leider.

Ich muss nämlich gestehen, ich habe es nicht gesehen. Obwohl ich dabei war. Ich saß am Spielfeldrand und musste kurz auf mein Handy schauen, ich bekam es nicht mit. Er erzählte mir danach davon, eher beiläufig: „Ich habe mein erstes Tor geschossen. Du hast es nicht gesehen, ich habe hingeschaut.“ Für ihn war es deswegen auch nicht so sehr der Rede wert, fast so, als wäre irgendwo ein Baum umgestürzt.

Hätte ich es gesehen, wäre es ein Riesending gewesen. Das ist es jedenfalls seitdem immer, wenn es ihm wieder gelingt. Er begreift den persönlichen Erfolg nicht als eine Art symbolisches Kapital, das auf seinem Ego-Konto gutgeschrieben wird. Eher als Glücksquelle für sich, aber eben auch für andere. So wie ein Kindergeburtstag. Dieses Konzept von Erfolg ist rührend, aber es ist auch cool. So soll es sein.

Und dann ist da noch die Sache mit den Vorbildern. Der Fußball gibt wirklich viele davon her. Ausfälle gibt es immer, das ist klar, aber an dem Skandal zum Beispiel, der aus einem betrunken irgendwohin pinkelnden Nationalspieler gemacht wird, zeigt sich auch, wie intakt diese Welt noch ist. Und wie bewahrenswert.

Jedes Fußballspiel der Profis erzählt gleich am Anfang diese Geschichte: Da laufen die 22 Spieler aufs Feld, und jeder hat einen kleinen Jungen an der Hand. Meistens nicht älter als sieben oder acht. Man sieht, dass die Kinder fast zerspringen vor Stolz und Aufregung, und manchmal sieht man auch den Profis an, dass sie gerührt sind von der Situation, weil sie selbst einmal so waren. Eine Welt, in der das geht, die mag ich ganz gern.