Inklusion

Berlins Schule der Zukunft hat ein Vorbild in Schöneberg

Ob mit Handicap oder hochbegabt: Künftig sollen alle Kinder in Berlin gemeinsam lernen. Doch kann das funktionieren? Eine Geschichte über gute Vorbilder, hehre Pläne, Skepsis und Finanznot.

Foto: Amin Akhtar

Der Stern soll blau sein. Lara will das so. Lena hat ihr verschiedene Farbkärtchen hingelegt. Lara hat Blau gewählt. Zusammen malen die beiden Mädchen nun den Stern mit blauer Tusche aus. Lena führt Lara dabei die Hand. Als sie fertig sind, ist sogar Laras Nasenspitze blau.

Ob Lara der Stern gefällt? Lena nickt, sie sieht das am Gesichtsausdruck der Klassenkameradin. Sagen kann Lara ihr das nicht. Das acht Jahre alte Mädchen kann weder sprechen noch allein laufen, auch ihre Hände kann sie nicht zielgerichtet bewegen. Lara hat das Rett-Syndrom, einen Gendefekt, der vor allem bei Mädchen vorkommt. Jungen überleben mit dieser Krankheit meist nicht sehr lange.

In der Klasse 3d der Schöneberger Fläming-Grundschule ist Laras Behinderung kein großes Thema. Für die Kinder gehört Lara selbstverständlich dazu. Fast alle können inzwischen an ihrem Verhalten ablesen, wie es ihr geht – ob ihr etwas gefällt oder nicht, ob sie Spaß hat oder traurig ist, ob sie etwas haben möchte oder einfach nur zuschauen will. Auch dass Lara manchmal mitten im Unterricht einschläft, weil sie nicht mehr kann, ist längst nichts Besonderes mehr. Lena sagt: "Wir legen sie dann in ihren großen roten Sitzsack und sie ruht sich ein bisschen aus." Die Kinder kennen Lara seit der ersten Klasse. Einige sind sogar schon im Kindergarten mit ihr zusammen gewesen.

Das ganze Leben an einer Schule

Laras Eltern (Namen sind der Redaktion bekannt) haben sich für die Fläming-Grundschule entschieden, weil diese Regelschule viel Erfahrung damit hat, behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam zu unterrichten. Die Fläming-Grundschule ist eine von etwa zehn Berliner Grundschulen, an denen bereits seit Jahrzehnten gemeinsamer Unterricht stattfindet. Schulleiterin Rita Schaffrinna ist stolz auf dieses Konzept. "Wir haben das ganze Leben an unserer Schule, von schwerstmehrfach behinderten bis zu hoch begabten Kindern", sagt sie. Etwa zwölf Prozent ihrer 580 Schüler hätten einen Förderbedarf.

Lara geht gern zur Schule und freut sich meist schon bei Aufstehen darauf, wieder mit den anderen Kindern zusammen sein zu können. Für Laras Mutter ist das das beste Zeichen dafür, dass ihre Tochter sich wohl fühlt. "Hinzu kommt, dass diese Schule unsere Kiezschule ist, auch deshalb wollten wir Lara dort einschulen", sagt sie. "Wir wollten keinen Fahrdienst in Anspruch nehmen, sondern zur Schule um die Ecke gehen." Laras jüngerer Bruder Anton sei ebenfalls an dieser Schule.

Am wichtigsten war Laras Eltern allerdings, dass die Lehrer an der Fläming-Schule viel Erfahrung im Umgang mit behinderten Kindern haben. "Das Personal ist gut geschult", sagt die Mutter. "Für uns war klar, dass wir Lara nur an eine Regelschule schicken, an der Inklusion auch tatsächlich gelebt wird. Wir wollten auf keinen Fall Experimente machen." Lara habe es schwer, sich auszudrücken. "Wir würden gar nicht schnell genug mitbekommen, wenn es ihr nicht gut geht."

Auch andere Kinder können nicht alles

Der Mutter gefällt, wie sehr sich die Mitschüler um Lara bemühen. "Wenn sie traurig ist, versuchen sie, sie wieder aufzumuntern. Sie wollen einfach helfen, dazu braucht es keinen Anstoß von außen." Schließlich hat noch ein weiterer Aspekt für Laras Eltern eine Rolle gespielt. Lara ist nicht das einzige behinderte Kind an der Fläming-Grundschule. Schwimmunterricht etwa oder Musik hat sie zusammen mit anderen behinderten Kindern. "Das ist wichtig für unsere Tochter. Sie erlebt, dass nicht nur sie anders ist als die anderen, sondern dass es noch mehr Kinder gibt, die nicht alles können", sagt Laras Mutter.

Deutschland hat 2009 eine UN-Konvention unterschrieben und sich damit verpflichtet, die Inklusion bundesweit umzusetzen. Alle Bundesländer werden in den kommenden Jahren Konzepte ausarbeiten und entsprechende Gesetze erlassen. Ziel ist es, dass behinderte Kinder keine Sonderschulen mehr besuchen müssen, sondern mit allen anderen Kindern in Regelschulen lernen können, wenn ihre Eltern das wollen. Berlin ist dabei laut Statistik schon jetzt bundesweit Spitze. Fast die Hälfte aller Kinder mit Förderbedarf werden in der Hauptstadt bereits an Regelschulen unterrichtet. Das besagen die Zahlen. Wie dieser Unterricht aussieht, ob die Schüler davon profitieren und wie es den Lehrern damit geht, ist eine andere Sache.

Die meisten Schulen sind jedenfalls noch lange nicht so weit wie die Fläming-Grundschule. Auch ein Inklusionskonzept hat Berlin noch nicht. Auf bestimmte Eckpunkte allerdings haben sich die Fachleute bereits geeinigt. So sollen zunächst alle Schüler mit einer Lern- oder Sprachbehinderung sowie mit emotional-sozialen Schwierigkeiten in den Regelschulen unterrichtet werden. Laut Bildungsverwaltung sind das etwa 5,4 Prozent der förderbedürftigen Schüler. Insgesamt haben laut der Verwaltung 7,4 Prozent der Berliner Schüler einen Förderbedarf.

Ambitionierte Pläne

Zum Schuljahr 2014/15 soll mit dem Ausbau der Inklusion begonnen werden. Die Zahl der Förderzentren soll reduziert, die Sonderpädagogen sollen an den regulären Schulen angestellt werden. In einem zweiten Schritt könnten dann auch geistig und körperlich behinderte Kinder mehr und mehr an den normalen Schulen aufgenommen werden. Bis 2020 sollen möglichst alle Schulen in der Lage sein, Kinder mit Behinderung aufzunehmen. Schulen wie die Fläming-Grundschule, die bereits jahrzehntelange Erfahrung mit dem gemeinsamen Lernen haben, werden in diesem Prozess eine Vorbildrolle spielen.

Geplant ist auch, dass der Förderbedarf der Kinder künftig von den Lehrern festgestellt werden soll. Gegenwärtig gibt es noch eine spezielle Förderdiagnostik. Die soll entfallen. Die Lehrer sollen stattdessen entsprechend fortgebildet werden. Außerdem soll es spätestens 2015 in jedem Bezirk ein spezielles Beratungszentrum für inklusive Pädagogik geben. Die Mitarbeiter dieser Zentren sollen Lehrer und Eltern unterstützen und auch bei der Feststellung eines Förderstatus helfen können. Neukölln und Steglitz-Zehlendorf haben bereits Beratungszentren eingerichtet. In Marzahn-Hellersdorf und Tempelhof-Schöneberg wird es demnächst soweit sein.

Bei Schulleitern und Lehrern in Problemkiezen, in denen es ohnehin viele Schwierigkeiten gibt, stoßen die Pläne der Verwaltung allerdings auf Skepsis – und auch bei vielen Sonderschulpädagogen und Eltern. Alle fordern eine bessere Personalausstattung der Schulen. Kostenneutral sei Inklusion nicht zu machen, heißt es. Auch Rita Schaffrinna sagt: "Wir brauchen Personal, Personal, Personal." Es klingt wie ein Mantra. Die Fläming-Schule war bisher zwar gut ausgestattet. Doch Rita Schaffrinna befürchtet nun, dass sich das ändern könnte, sollte die Inklusion auf Biegen und Brechen eingeführt werden. Berlin habe insgesamt zu wenig Sonderpädagogen und speziell ausgebildete Schulhelfer, sagt sie. Wenn diese Fachleute jetzt auf immer mehr Schulen verteilt werden müssten, würden alle zu wenig bekommen. Die zusätzlichen Förderstunden pro Kind seien bereits von fünf pro Woche auf 1,5 bis 2,5 reduziert worden. "Diese Entwicklung ist fatal." Rita Schaffrinna hat zudem Bedenken, dass auch die Zuwendungen pro Schüler verringert werden könnten, wenn der Förderbedarf nicht mehr offiziell festgestellt wird.

Auch die Klassenlehrerin der 3d, Nicole Wolburg, ist in Sorge. "In den vergangenen Jahren sind die meisten Schul-Reformen aus finanziellen Gründen gemacht worden", sagt sie. Das dürfe bei der Inklusion nicht passieren. "Sonst scheitert dieses Projekt." In der 3d klappe es nur so gut, weil sie ständig zu zweit unterrichten würden, sagt Nicole Wolburg. Individuelles Lernen sei sonst nicht möglich. Sie hat zudem die Erfahrung gemacht, dass Inklusion den Lehrern nicht einfach übergestülpt werden kann. "Alle müssen das wollen und bereit sein, sich auszutauschen und fortzubilden." Sie treffe sich einmal in der Woche abends mit einigen Kollegen. "Wir überlegen gemeinsam, wie man mit bestimmten Kindern umgehen kann, besprechen Krankheitsbilder, tauschen uns aus."

Voneinander lernen

Die Schüler der 3d haben Frühstückspause. Jetzt kümmert sich Luisa um Lara. Sie nimmt die Frühstücksbox aus Laras Schultasche und schaut nach, was sie dabei hat: In der Box liegen ein kleiner Joghurtbecher, ein Wurstbrot und Apfelstückchen. Luisa greift Laras Essens-Ordner, sucht Kärtchen mit den entsprechenden Abbildungen heraus und legt sie vor Lara auf den Tisch. "Was möchtest Du zuerst essen, Apfel vielleicht?", fragt sie. Lara hat nun zwei weitere Kärtchen zur Auswahl: Ja steht auf dem einen, Nein auf dem anderen. Aufgeregt rudert sie mit den Armen. Sie ist hungrig. Die Auswahl-Prozedur geht ihr nicht schnell genug.

Luisa versucht, sie zu beruhigen. "Es geht gleich los", sagt sie. Dann greift sie Laras rechte Hand. Die patscht auf das Nein. Auch das Brot will Lara jetzt nicht essen. Der Joghurt soll es sein. Luisa öffnet den kleinen Becher, nimmt einen Löffel aus Laras Brotbox und beginnt, sie zu füttern. Zwischendurch wischt sie ihr mit einer Serviette immer wieder den Mund ab. "Lara ist meine Freundin", sagt Luisa. "Ich kann genauso gut mit ihr spielen wie mit den anderen Kindern. Sogar Mensch ärgere dich nicht."

Lara kommuniziert nicht nur über die Kärtchen mit ihren Mitschülern, sie hat auch einen Sprachcomputer. Den kann sie mit den Augen steuern. Schaut sie lange genug auf ein bestimmtes Bild, wird dieses in Sprache übersetzt. Der Computer spricht dann für sie. Das klingt zwar etwas blechern, doch Lara stört das nicht. Sie liebt den Computer, weil er ihr hilft, sich mit den anderen zu unterhalten. Doch das Ding ist schwer. An Laras Platz im Klassenzimmer der 3d gibt es deshalb extra eine Halterung dafür.

Schulleiterin Rita Schaffrinna ist überzeugt davon, dass die Schule der Zukunft so aussehen wird wie ihre Grundschule. Deshalb ist sie auch eine begeisterte Anhängerin des gemeinsamen Lernens von behinderten und nichtbehinderten Kindern. Inklusion sei nicht nur für Kinder mit Förderbedarf von Vorteil, sondern für alle Kinder, sagt sie. "Unsere Schüler lernen von Anfang an, dass Kinder mit Behinderung ganz selbstverständlich dazu gehören, und profitieren sehr von dem gemeinsamen Lernen."

Niemand kommt zu kurz

Selbst Eltern, die zunächst befürchtet hätten, dass ihre Kinder in einer integrativen Gruppe zu kurz kommen könnten, seien inzwischen anderer Meinung. "Nichtbehinderte Kinder lernen einfach viel vom Umgang mit den behinderten Mitschülern und erwerben Kompetenzen, die ihnen in ihrer gesamten Schullaufbahn nützen." Luisa zum Beispiel hat gelernt, Lara genau zu beobachten, ihre Gefühle einzuschätzen und zu erkennen, wann Hilfe nötig ist. Selbstbewusst trifft sie dann Entscheidungen und übernimmt Verantwortung für die Mitschülerin. Wie beim Frühstück.

Klassenlehrerin Nicole Wolburg sagt, dass es zwar einige Kinder gibt, die sich den behinderten Mitschülern nicht so stark annähern könnten. "Die meisten gehen aber offen auf sie zu und entwickeln eine starke Empathie. Sie lernen, sich in andere Menschen hineinzuversetzen."

Für ein umfassendes Inklusionskonzept ist in Berlin bislang kein Geld da. Mehr als 30 Millionen Euro pro Jahr wären nötig, das haben Experten ausgerechnet. Im Doppelhaushalt 2014/15 sind jedoch nur etwa fünf Millionen Euro für Inklusion vorgesehen. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) will mit diesem Geld die Lehrerfortbildung finanzieren. Weitere zwei Millionen Euro werden 2014/15 für Baumaßnahmen an den Schulen bereit gestellt. Viel zu wenig, um alle Schulen barrierefrei zu machen – eine wichtige Voraussetzung dafür, dass behinderte Kinder am Unterricht teilnehmen können.

Dass zu wenig Geld da ist, zeigt sich zum Beispiel in Neukölln. Dort ist im November Berlins erstes Beratungs- und Unterstützungszentrum für inklusive Pädagogik eröffnet worden. Das Zentrum, kurz Buz genannt, befindet sich in der ehemaligen Kurt-Löwenstein-Hauptschule an der Karlsgartenstraße 7. Das Angebot soll eine Anlaufstelle für Eltern, Lehrer und Schüler sein, die Fragen zur Inklusion haben. Fünf Räume stehen dort zur Verfügung, barrierefreier Zugang inklusive. Fast jedenfalls. Denn wenn es regnet, ist ein Teil des Weges für Rollstuhlfahrer nur schlecht passierbar. Und die große Glastür geht auch noch nicht automatisch auf. Neuköllns Bildungsstadträtin Franziska Giffey (SPD) hat sich sehr für dieses Zentrum engagiert, das ein Pilotprojekt sein soll. Sie sagt, dass der Bezirk bereits 95.000 Euro investiert hat. "Jetzt muss noch der Weg gepflastert und ein automatischer Türöffner eingebaut werden." Etwa 60.000 Euro würden fehlen, um die Einrichtung komplett barrierefrei zu machen.

Bedenken und Ablehnung

Ein Berliner Förderschulleiter (Name ist der Red. bekannt) sagt indes, dass es nicht nur an Geld, sondern auch an Unterstützung mangele. "Viele Lehrer, aber auch Schulleiter haben sich längst wieder vom Inklusionsgedanken verabschiedet, immer mehr sind sogar dagegen", sagt er. Zwar würden Bedenken und Ablehnung kaum laut geäußert. Hinter vorgehaltener Hand aber gebe es jede Menge Kritik an den Plänen der Verwaltung.

"Die Kinder bleiben auf der Strecke", warnt der Förderschulleiter. Berlin brüste sich damit, dass bereits etwa die Hälfte der förderbedürftigen Kinder an Regelschulen lerne. "Wie es ihnen dort geht, fragt aber niemand." Vor allem Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten würden an den Regelschulen oft nicht zurecht kommen, sagt der Schulleiter. Viele Lehrer seien überfordert. "Diese Schüler werden einfach mit durchgezogen, so lange es geht. Wenn die Lehrer nicht mehr weiter wissen, schicken sie die Kinder an die noch vorhandenen Förderschulen." An seiner Schule nehme die Zahl verhaltensauffälliger Schüler ständig zu. "Dabei haben wir eigentlich einen ganz anderen Förderschwerpunkt", sagt der Pädagoge. Gleichzeitig müssten die Förderschulen immer mehr Fachkräfte an die Regelschulen abgeben. "Hier läuft etwas schief."

Besonders schwierig sei es im Oberschulbereich. "An den ehemaligen Hauptschulen sind förderbedürftige Kinder in kleinen Gruppen gut aufgefangen worden. An den Sekundarschulen geht das aber nicht mehr. Dort sollen die Schüler den Mittleren Schulabschluss oder gar das Abitur machen, schwache stören da nur." Viele würden an die Förderschulen abgeschoben, die dadurch zu Restschulen würden.

Für den Schulleiter steht fest, dass Schule noch nie so viel selektiert hat wie gerade jetzt. "Damit Inklusion funktioniert, suchen sich die Schulen die Schüler aus, die reinpassen, die anderen werden aussortiert." Dies sei die bittere Realität. "Wir dürfen so einfach nicht weitermachen."

Eltern in Sorge

Protest kam dieser Tage auch von den Elternvertretern der Ahrensfelder Paavo-Nurmi-Grundschule. Elternsprecherin Annika Harloff sagt, dass die Schule nicht genügend Personal hat. Deshalb würden die Sechstklässler zum Halbjahr keine Zensuren für den Naturwissenschaftlichen Unterricht (Nawi) bekommen. Zu oft sei der Unterricht in diesem Fach in den vergangenen Monaten ausgefallen. Eine der vierten Klassen habe zudem ein halbes Jahr lang keinen Deutschunterricht gehabt. Unter diesen Bedingungen könnten sich die Lehrer nicht auch noch um verhaltensauffällige oder lernschwache Kinder kümmern.

"Für die förderbedürftigen Kinder ist das eine Katastrophe. Für alle anderen Schüler aber auch. Vor allem die verhaltensauffälligen Kinder sind außer Rand und Band, ständig stören sie den Unterricht." Inklusion sei nicht möglich, wenn die Rahmenbedingungen derart schlecht sind, sagt die Elternsprecherin. Auch Dagmar Stoye vom Bezirkselternausschuss Marzahn-Hellersdorf ist alarmiert. "Viele Lehrer sind am Rande ihrer Leistungsfähigkeit", sagt sie. "An den meisten Schulen unseres Bezirks fehlen Sonderpädagogen und Schulhelfer."

Doch es geht eben auch anders. An der Fläming-Grundschule schmücken die Kinder auf dem Flur nun einen Weihnachtsbaum. Lara in ihrem Rollstuhl ist mitten drin. Die anderen schieben sie so dicht wie möglich an den Baum und helfen ihr dabei, einen Stern anzuhängen. Lara findet das schön, das ist an ihrem Gesicht zu sehen. Ihre Augen lachen.

Laras Eltern wissen, dass sie mit der Fläming-Schule Glück gehabt haben. Wäre das nicht so gewesen, hätten sie auf jeden Fall eine Förderschule für Lara gesucht. "Für uns stand von Anfang an fest, dass wir uns auf keinerlei Experimente einlassen werden", sagt Laras Mutter. "Inklusion ist eine gute Sache – aber nur, wenn alle Bedingungen stimmen."

Wie es nach der Grundschule für Lara weitergehen wird, ist ungewiss. Die Mutter sagt, dass ihre Tochter dann wahrscheinlich an eine Förderschule gehen muss. "Denn es gibt kaum Oberschulen, die Erfahrung haben mit Inklusion."

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