Kinderserie

Wenn ich einmal groß bin, werd’ ich… Koch

Kochen macht Menschen glücklich, findet Nils (11). Der junge Tempelhofer hat auch ein Rezept dafür: Erdbeeren im Schokomantel. Und auch sein Mittagessen bereitet er sich selbstständig alleine zu.

Foto: Reto Klar

Beim Küchenchef sitzt die blütenweiße Jacke wie angegossen, beim Koch in spe schlottert sie noch ein bisschen: Mit väterlicher Geste stopft der Profi dem Jungen schnell ein blauweiß-kariertes Leinentuch in die Tasche. Die beiden machen sich schick für das Fotoshooting – und unterhalten sich dabei angeregt. „Wollten Sie schon als Kind Koch werden“, will der Kleine vom Großen wissen. „Nein“, antwortet Leander Roerdink-Veldboom (43), „damals waren Köche oft dick und hatten Bärte. Früher galt der Beruf nicht als cool.“

Das hat sich in der Zwischenzeit deutlich geändert. Heute genießen Spitzenköche nicht selten Starstatus, haben sogar eigene Fernsehshows. So gibt auch Leander Roerdink-Veldboom, der Nils (11) durch sein Küchenreich im Hilton am Gendarmenmarkt führt, bei Sat.1 regelmäßig Hobbyköchen Tipps. Kein Wunder, dass es auch viele Kinder aufregend finden, am Herd zu stehen. Und von einer beruflichen Zukunft à la Jamie Oliver träumen. Nils ist eines von ihnen. Warum? Da muss er nicht lange überlegen: „Ich finde Kochen gut, weil es Spaß macht und man damit Leute glücklich macht.“

Tzatziki und Kuchen

Zuhause macht sich Nils öfter selber glücklich. Seit kurzem ist er kein Hortkind mehr und bereitet sich nach der Schule sein Essen zu. Eierkuchen bekommt Nils schnell und gut hin. Und: „Wenn ich mittags richtig Hunger habe, brate ich mir manchmal Leberkäse mit Spiegelei.“ In den beiden Rezeptbüchern „Kräuter & Gewürze“ und „Obst“, die die Teilnehmer der Kinder-Kochkurse im Hilton erhalten, hat Nils schon ein paar Ideen entdeckt, die er ausprobieren möchte: „Ich liebe Tzatziki“, tippt er auf eine Seite. Auch die appetitlich aussehende „Erdbeere im Schokomantel“ will er Zuhause versuchen, denn ohne Süßes geht bei Nils nichts.

Natürlich steht der Elfjährige nicht immer alleine am Herd, sondern meistens zusammen mit seinen Eltern – beide kochen „gerne und gut“, wie er gönnerhaft sagt. So formt er mit seiner Mutter Hackbällchen, die dann nach Toscana-Art mit Tomatensoße und Käse zubereitet werden, dazu gibt es Salat und Baguette. „Hmm, das ist lecker“, schwärmt Nils. Große Vorbilder in der Küche sind für ihn auch die beiden Omas. „Die kochen und backen richtig, richtig gut“, schwärmt er. Besonders der großmütterliche Schokoladenkuchen mit Kirschen und viel Puderzucker hat es Nils angetan.

In der Weihnachtszeit ist gemeinsames Backen in der Familie selbstverständlich. Dann dürfen Nils und sein jüngerer Bruder nicht nur die Zutaten abwiegen und den Teig zubereiten, sondern auch – ein Highlight – die Reste der süßen Masse aus der Schüssel kratzen und verputzen. Mit den selbst produzierten Schokoplätzchen und Vanillekipferln beschenkt Nils gerne auch seine Großmütter.

Executive Chef Leander Roerdink-Veldboom organisiert in der Hilton-Küche regelmäßig Kinderkochkurse mit wechselnden Themen wie „Fastfood mal anders“ oder „Isst morgen Muttertag“. Über die Arbeit mit den Kleinen am Herd sagt er: „Das macht Spaß und ist eine Riesenherausforderung, denn die Kinder stellen Fragen ohne Ende.“ Als wir die Hotelküche betreten, wird Nils zuerst ordentlich eingekleidet. Er ist kaum wiederzuerkennen: Mit weißer Haube, gestärkter Jacke, Halstuch und rutschfesten Schuhen mit Stahlkappe macht der Elfjährige eine ziemlich erwachsene Figur. Roerdink-Veldboom reicht ihm den Temperaturmesser: „Das ist ein ganz wichtiges Utensil“, sagt er. Neugierig beäugt der Junge einen Teller mit Berliner Kartoffelsuppe, der mit Speckscheiben dekoriert ist.

Die ungewohnte Kleidung, die Infrarotstrahler und die von den Herdplatten ausgehende Wärme setzen dem Jungen zu. Er muss sich setzen. „Im Sommer kann es hier bis zu 56 Grad werden“, erzählt der Profi. Nils pustet die Backen auf, staunt: Ein Koch muss hitzefest sein und Stress aushalten.

Organisiert und konzentriert

Welche Eigenschaften sollte ein Koch noch haben, will er wissen, denn Nils ist auch Redakteur seiner Schülerzeitung an der Grundschule auf dem Tempelhofer Feld. „Er muss – natürlich – eine Liebe zum Kochen haben. Und, ganz wichtig: Er muss organisiert und konzentriert sein“, sagt Roerdink-Veldboom. „Stell Dir vor, wie es ist, wenn eine große Bestellung für zwölf Gerichte reinkommt…“ Auch eine Portion Kreativität gehört dazu. Und, haben Köche überhaupt Zeit für ihre Familien? Ja schon, sagt der Küchenchef, auch wenn man an vielen Wochenenden arbeiten müsse: „Wenn man gerne kocht, gehen Beruf und Freizeit oft ineinander über.“

Ein guter Koch ist eben auch ein neugieriger Koch, der es liebt, in fremde Töpfe zu schauen. Weshalb der Profi Nils noch einen Tipp gibt: „Reisen ist wichtig, um verschiedene Küchen und ihre Aromen kennenzulernen.“ Das findet der Junge, der sich bei einer Portion Eis mit Früchten wieder abgekühlt hat, besonders faszinierend. Mit großen Augen löffelt er sein Dessert und hört zu.

Auf dem Weg nach draußen blättert Nils schon in seinen neuen Rezeptbüchern. Die heimische Küche ruft.

Alle Folgen der Serie findet ihr auf www.morgenpost.de/traumberuf