Erziehung

Weniger meckern - und trotzdem durchsetzen

Ärger unter Geschwistern, Unordnung, pubertierende Kinder, die bis Mitternacht ausgehen möchten - es gibt viele Dinge, über die in Familien gezankt wird. In Erziehungs-Kursen lernen Eltern, wie sie Streitfragen regeln und zu einem besseren Umgang mit den Kindern finden. Wir haben zwei Angebote besucht

Foto: Jakob Hoff

Mama guckt jetzt schon ein bisschen sauer. Aber Carlo kann gerade unmöglich aufhören, mit dem Wasserschlauch im Garten herumzuspritzen. Es macht einfach zu viel Spaß, wenn alle durcheinander schreien, wenn seine beiden großen Brüder versuchen, ihm den Schlauch abzunehmen und seine Mutter ebenfalls daran zerrt (allerdings aus anderen Gründen als die Brüder). "Tja", sagt Vater Marius (32) und grinst, "das ist dann so eine der Situationen". Eine, in denen Eltern etwas anderes wollen als ihre Kinder - eine, die wohl jede Familie kennt.

Bei manchen ist es das Aufräumen, bei anderen sind es die Hausaufgaben oder es ist das Ins-Bett-gehen, bei den meisten ist es alles zusammen - bei Familie Claren ist es das Gartenwasser. Kaum ist es warm genug - jedenfalls in den Augen der drei Jungs - wird der Wasserhahn im Garten aufgedreht und alles nass gespritzt, was nicht schnell genug wegläuft. "Das macht ja auch wirklich Spaß", sagt Mutter Jenny (36), "ich kann sie so gut verstehen!" Deshalb schimpfen sie und ihr Mann auch nicht über die Wasserschlachten in ihrem Charlottenburger Garten. Trotzdem muss natürlich irgendwann Schluss sein, finden die Eltern - die Kinder aber nicht. "Wir sagen dreimal, dass er aufhören soll", sagt Jenny Claren, "dann machen wir das Wasser aus". Wer dann schreit, muss ins Haus. Damit machen Jenny und Marius Claren genau das, was fast alle Erziehungsexperten empfehlen: Sie kündigen rechtzeitig an, was sie erwarten - und reagieren konsequent auf das Verhalten ihrer Kinder.

Eltern müssen sich einig sein

Gelernt haben sie das nicht. "Wir haben nicht einmal einen Geburtsvorbereitungskurs besucht", sagt Mutter Jenny Claren. "Ich finde, man kann im Alltag mit Kindern alle Fragen mit dem gesunden Menschenverstand angehen." Dazu gehört für sie, den Kindern zu erklären, warum Eltern manchmal Dinge fordern, die die Kinder nicht wollen - etwa wenn Cosmo (6) keine Lust auf Hausaufgaben hat oder Vicco (5) nicht einsieht, warum er am Tisch sitzen bleiben soll, bis Carlo (2) aufgegessen hat. Zum Glück sind sich Jenny und Marius Claren einig, wenn es um die Kinder geht - "da verstehen wir uns blind, ohne uns vorher abzusprechen", sagt Jenny.

In vielen Familien ist das anders: Die Eltern sind sich uneinig, ob die ganze Familie bei Tisch sitzen bleibt, bis alle fertig sind, wie viel ferngesehen werden darf, wie lange Kinder abends wegbleiben dürfen. Oder sie scheuen die Auseinandersetzung, wenn Kinder die Familienregeln brechen. Dann können Elternkurse helfen, damit aus kleinen Auseinandersetzungen keine großen Konflikte werden. Manchmal allerdings hilft es auch, einfach mitzulachen. Das finden jedenfalls Jenny und Marius - und lassen sich von Carlo am Gartenschlauch gründlich durchweichen. Dann dreht Jenny erst danach das Wasser ab.