Elternkurse

Loben, bestärken, klare Anweisungen geben

Die drei P beim Triple-P-Kurs stehen für "Positive Parenting Program"

Foto: Christian Kielmann

Jeanette will lernen, "wie man in Ruhe und ausgeglichen Grenzen setzen kann". Wenn sich ihre kleine Tochter mal wieder auf den Boden wirft, weil ihre Eltern nicht so wollen wie sie. Oder die Größere gar nicht daran denkt, tatsächlich zu kommen, wenn ihre Muftter sie ruft. Ingo fragt sich, wie er seinem 20 Monate alten Sohn vermitteln kann, was er darf und was nicht - "so dass er es versteht". Und Firosa braucht Unterstützung für die Diskussionen mit ihrem Sechsjährigen, wenn er seine Hausaufgaben nicht machen will. Alles keine Riesenprobleme - aber Situationen, die Tag für Tag an den Nerven der Eltern zerren. Und weil sie nicht erst Hilfe suchen wollen, wenn sie gar nicht mehr weiter wissen, sitzen Jeanette und ihr Mann Sven ebenso wie Ingo und seine Frau Yvonne und die alleinerziehende Firosa heute vor Claudia Mohr. "Triple P" heißt der Kurs - ein Erziehungsprogramm, das in den 80-er Jahren in Australien entwickelt wurde und vor etwa zehn Jahren in Deutschland populär wurde. Die drei P stehen für "Positive Parenting Program", ein Konzept der positiven Erziehung, die statt auf Anschreien und ständige Auseinandersetzungen auf Lob, Bestärken und klare Anweisungen setzt.

Seit mehr als zehn Jahren ist Claudia Mohr Triple-P-Trainerin, damals war sie die zweite in Berlin, "heute gibt es mehr als 300", sagt sie. Das Konzept überzeugt nicht nur sie: Siebzig Kurse habe sie schon gegeben, "und noch nie gab es eine negative Rückmeldung", versichert Claudia Mohr. Die Kursleiterin hat selbst drei Kinder im Alter von 14, elf und fünf Jahren, "für die ist es sehr hilfreich, dass ich Triple P gelernt habe", sagt sie und wirkt dabei entspannt.

Ihre Zuhörer lachen - erleichtert und ein bisschen neidisch, darüber, dass Claudia Mohr so lässig vom Familienleben mit einem Kindergartenkind und zwei Pubertierenden erzählen kann. Das ist das Fernziel. Jetzt aber schreibt Claudia Mohr erst einmal an die Tafel, welche Erwartungen die Eltern an die insgesamt acht Kursstunden haben, die durch vier Telefongespräche mit der Triple-P-Trainerin ergänzt werden. Die Kinder sollen Anweisungen befolgen. Sie wollen lernen, Grenzen zu setzen. Lernen, mit Wutanfällen umzugehen. Und mit Stress. Hausaufgaben ohne Streit. Und: Mehr Freiraum! "Wir können uns gar nicht mehr erinnern, wann wir zuletzt etwas zusammen gemacht haben", erzählt Jeanette leicht verlegen. "Die eigenen Bedürfnisse beachten" - das ist Teil einer erfolgreichen Erziehung nach dem Konzept des Triple-P-Entwicklers Matt Sanders. Was noch dazu gehört: eine sichere und interessante Umgebung, die zum Lernen anregt, Konsequenz - und realistische Erwartungen.

Konsequent sein - aber wie?

Die sichere, interessante und anregende Umgebung, die haben ihre Kinder schon, da sind sich die Mütter einig. Aber bei der Konsequenz, da geht es schon los: "Immer wird gesagt, man solle konsequent sein! Aber wie denn, wenn das Kind dann nicht reagiert?", stöhnt Jeanette.

Auch das sollen sie bei Claudia Mohr lernen. Und dafür gucken sie jetzt einen Film, in dem alles erläutert wird, was sie anschließend in den Arbeitsbüchern noch einmal nachlesen können. Ein bisschen antiquiert wirken die Bilder, "das Programm wurde vor fast 30 Jahren in Australien entwickelt und genau sieht der Film auch aus", hat Claudia Mohr vorher gewarnt. Aber wie Eltern und Kinder miteinander umgehen, hat sich nicht so sehr verändert. Zum Beispiel: Eine Gruppe von Erwachsenen sitzt zusammen, ein Kind stört immer wieder und quengelt nach Süßigkeiten, bis die Mutter genervt sagt: "Dann nimm dir halt was." Die Kursteilnehmer lachen - das kennen sie alle. Gutes Benehmen dagegen lohnt sich für Kinder kaum: "Dann bekommen sie keine Aufmerksamkeit", sagt Claudia Mohr und schildert eine typische Situation: Die Kinder spielen, die Eltern genießen die Ruhe. Dann gibt es Streit - "und was passiert? Wir rennen hin."

Noch so ein typischer Elternfehler: eine Anweisung, die als Frage formuliert wird. Ingo fällt gleich ein Beispiel ein: "Ich frage meinen Sohn, ob er aufs Töpfchen will, er sagt Nein, dann setze ich ihn trotzdem hin - und er schreit. Dabei lag der Fehler doch bei mir!" Claudia Mohr nickt anerkennend, schließlich hat Ingo gerade eine der Erkenntnisse formuliert, die Eltern aus dem Kurs mitnehmen sollen.

Klare Anweisungen müssen Eltern geben, und dabei auch noch die "Regeln der Kommunikation" beachten, sagt Claudia Mohr: Blickkontakt halten, auf Augenhöhe gehen, ungefähr auf eine Armeslänge herangehen und das Kind mit Namen ansprechen: "Marie, stell jetzt bitte die Teller auf den Tisch." Und dann natürlich: Loben! - und dabei das erwünschte Verhalten genau beschreiben: "Fein, dass du so ruhig gespielt hast, während ich telefoniert habe", nennt sie ein Beispiel.

Und wenn die Kinder trotz aller klaren Vorgaben nicht mitmachen? Für diesen Fall trainieren die Eltern im Triple-P-Kurs "konsequentes Verhalten": Streiten sich die Kinder um ein Spielzeug, statt sich, wie vereinbart, abzuwechseln, wird es für ein paar Minuten weggenommen. Reicht das nicht aus, setzt Triple P auf den "stillen Stuhl" (im Zimmer) oder die Auszeit (im Nebenzimmer). Vor allem diese Methoden, die an das "In der Ecke stehen" vergangener Zeiten erinnern, tragen dazu bei, dass Triple P unter Erziehungsexperten umstritten ist.

Und auch Jeanette, Yvonne und die übrigen Zuhörer gucken skeptisch, als Claudia Mohr das Konzept des stillen Stuhls erläutert. Kein Wunder, dass sie dieses Element nicht in den Mittelpunkt ihres Kurses stellt. Kommunikation und positives Bestärken sind die Elemente, die sie den Eltern besonders ans Herz legt. Denn, davon ist sie überzeugt: "Mit Loben kann man wahnsinnig viel erreichen!"

Triple-P-Kurs mit Claudia Mohr beim Verein Starke Familie, Mitte, Alt-Moabit 36, Kosten: 121,50 Euro inkl. Buch, für Paare 171,50 Euro, Infos: Tel. 88 67 55 55, www.starkefamilie.com . Weitere Infos: www.triplep.de