Der Bahnbetreiber Veolia erwägt, gegen neue Streiks der Lokführer vor Gericht zu ziehen. „Wir prüfen, welche Möglichkeiten es gibt, ob das Allgemeininteresse in Gefahr ist, welche juristischen Mittel es gibt“, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung des größten Wettbewerbers der Deutschen Bahn, Ragnar Nordström, dem „Tagesspiegel“. Zuvor sollten allerdings alle Möglichkeiten für neue Verhandlungen genutzt werden: „Von mir aus können wir Tag und Nacht verhandeln. Ich glaube nicht, dass wir weit voneinander entfernt sind“, sagte Nordström der Zeitung.

Die Lokführer-Gewerkschaft GDL kämpft für einen bundesweit geltenden Flächen-Tarifvertrag. Dieser soll bei allen Bahnunternehmen im Nah-, Fern- und Güterverkehr gelten. Ziele sind ein einheitliches Mindesteinkommen auf dem Niveau des Marktführers Deutsche Bahn sowie weitere einheitliche Regelungen. Bislang hat die Gewerkschaft zwei Mal für mehrere Stunden große Teile des Bahnverkehrs eingeschränkt, weitere Warnstreiks sollen folgen. Parallel läuft eine Urabstimmung über einen unbefristeten Streik. Nordström kritisierte zudem die Taktik der GDL: „Wir und unsere Kunden sind offenbar nur der Spielball der Gewerkschaften und ihres Konflikts.“

Die GDL versuche stets, die Abschlüsse der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zu übertreffen. „Das ist nicht nur für die Fahrgäste ärgerlich, das schadet auch dem Verkehrsmittel Eisenbahn insgesamt“, sagte der Manager. Die Konkurrenzgewerkschaft EVG hat bereits eines Branchen-Tarifvertrag mit der Deutschen Bahn und ihren sechs wichtigsten Konkurrenten (G-6) abgeschlossen. Dieser ist jedoch auf den Nahverkehr beschränkt, was die GDL ablehnt.

Der Personalvorstand der Deutschen Bahn (DB), Ulrich Weber, warnte vor einem regulären Streik im Bahnverkehr. Mit einem Arbeitskampf sei es unmöglich, zu einer Einigung im Tarifstreit zu kommen, sagte er. Ein Streik schade allen Beteiligten und helfe in der Sache nicht weiter. Die GDL hatte in der vergangenen Woche mit Warnstreiks weite Teile des Bahnverkehrs in Deutschland stundenweise lahmgelegt. Die Urabstimmung über einen regulären Arbeitskampf endet bei der GDL am kommenden Montag. Es wird mit einer breiten Mehrheit für Streiks gerechnet.

Weber appellierte an die Gewerkschaft, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. „Unser Angebot steht, die Verhandlungen fortzusetzen“, betonte er. Es sei für ihn völlig unverständlich, warum die GDL die Gespräche abgebrochen habe, die DB sei den Gewerkschaftsforderungen in vielen Punkten entgegengekommen. Und vieles, was die GDL von den privaten Bahnunternehmen in den Tarifverhandlungen verlange, gebe es bei der DB schon lange. „Ich verstehe nicht, weshalb ausgerechnet wir bestreikt werden“, sagte Weber.

Die GDL verhandelt zurzeit mit der Deutschen Bahn und sechs großen privaten Bahnen über einen Flächentarifvertrag. Sie will einen einheitlichen Tarifvertrag für alle rund 26.000 Lokführer in Deutschland erreichen. Rund 20.000 von ihnen arbeiten für die Deutsche Bahn.

AFP/dapd/cat