Nach dem tödlichen S-Bahn-Unfall in Blankenburg hat die Kriminalpolizei am Montag die Ermittlungen an die Staatsanwaltschaft übergeben. Der Leichnam des Opfers soll auf Anregung der Polizei obduziert werden. Wie berichtet, waren am späten Sonntagnachmittag zwei Mitarbeiter der Deutschen Bahn von einem Zug der Linie S2 erfasst worden. Ein 47-jähriger Mann war getötet, sein 20 Jahre alter Kollege schwer verletzt worden. Er wurde noch am Abend operiert, soll inzwischen aber außer Lebensgefahr sein. Der 31-jährige Triebfahrzeugführer des Unglückszuges hatte einen Schock erlitten. Die beiden Männer waren auf Höhe der Rudelsburgstraße im Bereich der Gleise unterwegs gewesen, um Weichenanlagen der S-Bahn von Schnee zu befreien.
Die Staatsanwaltschaft muss nun prüfen, ob der Tod des 47-Jährigen schuldhaft verursacht wurde. Die Ermittler von Bundespolizei und Eisenbahn-Bundesamt (EBA) müssen hingegen klären, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Das EBA wollte sich zu möglichen Ursachen noch nicht äußern. Die Experten seien dabei, den Unfallhergang zu rekonstruieren, sagte Sprecherin Heike Schmidt. Eine Aufgabe, die noch Tage dauern kann. Die beiden Zeugen des Unfalls – der schwer verletzte 20-Jährige und der Triebfahrzeugführer – sind noch nicht vernehmungsfähig.
So gibt es zu dem Unglück bisher mehr Fragen als Antworten. Wurden Sicherheitsvorschriften verletzt? Fuhr der Unfallzug – wie viele S-Bahnen am Sonntag – „auf Sicht“, weil die Signale und Fahrsperren gestört waren? Und warum waren die beiden Männer zu zweit im Gleisnetz?
Üblicherweise sind die Räumteams zu dritt unterwegs, zwei Mitarbeiter räumen, einer sichert. Nach Auskunft des EBA gibt es aber keine generelle Vorschrift, wonach mindestens drei Mitarbeiter eingesetzt werden müssen. „Das hängt im Einzelfall vom Arbeitsauftrag und den örtlichen Gegebenheiten ab“, sagte Schmidt.
Die S-Bahn wollte sich zu den offenen Fragen nicht äußern. Ein Sprecher verwies auf das laufende Ermittlungsverfahren. „Wir sind tief betroffen von dem tragischen Tod unseres Mitarbeiters“, sagte er. Bei dem 47-Jährigen habe es sich um einen „erfahrenen Kollegen“ der Bahn-Tochter DB Fahrwegdienste gehandelt, sagte der Sprecher. Damit wies er Spekulationen zurück, wonach möglicherweise unerfahrene Räumkräfte von Fremdfirmen in den Vorfall verwickelt sein könnten.
Insider hatten vor dem Unfall kritisiert, dass die für den Winterdienst zuständigen Bahn-Töchter DB Netz und DB Fahrwegdienste über Subunternehmen zunehmend bahnfremde Mitarbeiter einsetzen. „Da sind teilweise Leute im Einsatz, die einfach nicht wissen, wie man sich sicher auf Eisenbahnanlagen bewegt“, sagte ein altgedienter S-Bahner.
Der tödliche Unfall warf erneut die Frage nach der Betriebsgenehmigung für die S-Bahn auf. Die gültige Lizenz läuft in zehn Tagen aus. Wegen Sicherheitsbedenken hatte das EBA sie zuletzt auf ein Jahr befristet und strenge Auflagen erteilt. Eine Entscheidung für eine Verlängerung sei noch nicht gefallen, sagte Behördensprecherin Schmidt am Montag.


