So schäbig sind nirgendwo sonst in Deutschland die Volksvertreter untergebracht: Der Turm ist einsturzgefährdet, von den Wänden bröckelt der Putz, und teilweise können Brandenburgs Landtagsabgeordnete den Plenarsaal nur über schmale Stiegen erreichen. Schon vor mehr als acht Jahren sprach der damalige Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) von einer „Bruchbude“. Das hundertjährige Gemäuer über den Dächern Potsdams auf dem Brauhausberg rüstet sich nun für die letzte große politische Schlacht: Am Sonntag ist es Brandenburgs zentraler Ort für Hochrechnungen, „Elefanten-Runden“ und alle Arten von Statistik zur Landtags- und Bundestagswahl 2009.

„Von Wehmut keine Spur“, sagt Landtagspräsident Gunter Fritsch mit Blick darauf, dass bei den nächsten großen Wahlen das Parlament längst im neuen „Stadtschloss“ residiert. Doch für diesen Wahlsonntag muss man sich noch mit der von 1899 bis 1902 erbauten früheren Reichskriegsschule begnügen. Weil der marode Bau bis zur Wende Sitz der SED-Bezirksleitung war, heißt er im Volksmund bis heute „Kreml“.

Und in dessen Innenhof wurde am Sonnabend gehämmert und geschraubt. Die ersten großen Zelte der TV-Anstalten standen am Abend schon, schwere Kabelrollen wurden hineingerollt, Technik und Catering aufgebaut.

Es soll eine große Party für das ganze Volk werden, Grill und Bierfässer stehen bereit. Auch Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) wird für eine Stippvisite erwartet. „Sicher hat an diesem Abend die Bundestagswahl Priorität, weil die Stimmen dafür zuerst ausgezählt werden“, sagt Fritsch. Das Fest wird sich zwar nicht im Landtagsgebäude selbst abspielen, zur „stimmungsvollen Untermalung“ soll die Backsteinfassade aber angestrahlt werden.

Nach der Wahl müssen sich die neu gewählten Abgeordneten voraussichtlich platzmäßig noch weiter einschränken. „Kommen FDP und Grüne wieder in den Landtag, werden wir ein paar Container anschaffen“, erzählt Fritsch. Sonst könnte man nicht allen Fraktionen nah beieinanderliegende Räume anbieten.

Und dann heißt es durchhalten und sehnsüchtig den Fortschritt auf der Schloss-Baustelle in Potsdams historischer Mitte verfolgen. Voraussichtlich soll im März nächsten Jahres der erste Spatenstich sein, 2013 sollen die Parlamentarier einziehen. Und was wird aus dem „Kreml“?

„Die Zukunft des alten Landtags ist noch offen“, sagt der Sprecher des Potsdamer Finanzministeriums, Ingo Decker. Das Land jedenfalls habe dafür keine weitere Verwendung und werde sich um eine Verwertung bemühen müssen. „Da das Gebäude weitgehend unter Denkmalschutz steht und auch das Stadtbild prägt, steht ein Abriss nicht zur Diskussion.“

Der derzeitige Regierungschef Matthias Platzeck jedenfalls sieht den Umzug auch symbolisch. Vor einigen Jahren meinte er, er möchte so schnell wie möglich „runter vom Berg“. Nur so könne das Parlament „auf Augenhöhe mit dem Volk“ arbeiten.

dpa