Zehdenick ist ein beschauliches Städtchen im Landkreis Oberhavel (Brandenburg). Circa 13.000 Einwohner, etwa 60 Kilometer nördlich von Berlin an der Havel gelegen. Bürgermeister Zehdenicks ist Alexander Kretzschmar. Der Parteilose wurde im März 2025 in einer Stichwahl mit 63 Prozent der Stimmen zum neuen Oberhaupt der Stadt gewählt. Eigentlich für eine Amtszeit von acht Jahren.

Das große Problem: Nach nur wenigen Tagen im Amt meldete sich Kretzschmar krank – und ist es bis heute. Deswegen hatten die Stadtverordneten bereits am 20. November beschlossen, ein Abwahlverfahren gegen den seit März krankgeschriebenen Bürgermeister durchzuführen. Das nächste Problem: Kretzschmar ließ nach dieser Entscheidung eine siebentägige Rücktrittsfrist verstreichen.

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Das bedeutet: Am 25. Januar muss ein Bürgerentscheid stattfinden, der über die Abwahl Kretzschmars entscheidet. Das erklärte Zehdenicks Stadtsprecher André Ullmann gegenüber der „B.Z.“. Die Kosten laut Ullmann: 13.000 bis 14.000 Euro. Sollten Ende Januar mindestens 2800 Zehdenicker für die Abwahl stimmen, beginnt die Suche nach einem neuen Bürgermeister.

Damit aber nicht genug. „Bis zum Ende seiner regulären Amtszeit 2033 hat Kretzschmar als Bürgermeister grundsätzlich Anspruch auf Versorgung“, sagte Stadtsprecher Ullmann der „B.Z.“, „erst drei Monate volle Bezüge, dann fünf Jahre 71,75 Prozent der Endstufe seiner Besoldungsgruppe A 16.“ Das reguläre Gehalt dieser Besoldungsgruppe liegt aktuell bei 8633,28 Euro monatlich.

Zehdenick: Immer wieder Rücktritte von Bürgermeistern

Kretzschmar – früher als Polizist tätig – widerspricht wiederum in der „Märkischen Allgemeinen“ dem Eindruck, ein Abzocker zu sein. Er habe alles in seiner Macht Stehende getan, um wieder gesund zu werden. Seine Rückkehr ins Rathaus sei in einigen Wochen möglich gewesen, dieses Ansinnen von der Stadtverordnetenversammlung nicht berücksichtigt worden. Daher komme ein freiwilliger Verzicht auf das Amt für ihn nicht infrage.

Zehdenick scheint generell Pech mit seinen Bürgermeistern zu haben. 2021 erklärte Zehdenicks damaliger Rathauschef Bert Kronenberg (parteilos) nach nur drei Jahren seinen Amtsverzicht, weil ebenfalls seine Abwahl drohte. Lucas Halle (SPD) wurde im Februar 2022 Kronenbergs Nachfolger. Mit 24 Jahren war er damals der jüngste hauptamtliche Bürgermeister in Deutschland. Im August 2024 trat er aber aus gesundheitlichen Gründen zurück. Bei Instagram schrieb Halle damals: „Momentan habe ich leider nicht die nötige Kraft, um die Stadt so zu vertreten, wie es in diesen herausfordernden Zeiten erforderlich ist.“

BMO/dw