In Lübbenau im Spreewald erfolgte heute der symbolische Spatenstich für den Bau eines Rechenzentrums der Schwarz-Gruppe, zu der auch Lidl und Kaufland gehören. Das neue Zentrum soll ab 2027 die ersten Daten der Schwarz-Gruppe speichern, erklärte Christian Müller, Co-CEO der Schwarz-Gruppe der Berliner Morgenpost. Im zweiten Schritt sei geplant, Speicher und Rechenleistung zu vermieten und auch für andere Unternehmen anzubieten. Auch Verwaltungen sollen den Dienst nutzen können.

Im ersten Schritt sollen hier in Lübbenau die Daten von Waren, Preisen und Kunden der Schwarz-Gruppe gespeichert werden. „Wir wollen es in erster Linie für uns bauen“, erklärte Müller der Berliner Morgenpost, „wir wollen aber auch Cloud-Services anbieten. Aber in Zukunft können kleine und große Unternehmen sagen, die keine eigene IT mehr haben wollen, ich kaufe mir den Service hier ein, und wir garantieren, dass es genauso gut oder sogar besser läuft, als im eigenen Keller.“ Datenschutzkonform und als Teil eine Kritischen Infrastruktur besonders geschützt. Kunden können auch Verwaltungen sein, erklärte Müller, die Cloud-Dienste nutzen wollen.

Wofür braucht die Schwarz-Gruppe ein neues Rechenzentrum?

Die Schwarz-Gruppe verfolgt damit eine ähnliche Strategie wie der weltweit größte Online-Händler Amazon. Mitte der 2000er-Jahre begann Amazon damit, eigene IT-Infrastruktur auch extern als Service anzubieten. Heute sind die Amazon Web Services (AWS) weltweit führend im Bereich Cloud-Infrastruktur – noch vor Microsoft Azure und Google Cloud. AWS ist heute der meistgenutzte Cloud-Dienstleister und einer der wichtigsten Dienste von Amazon.

Christian Müller (l) und Rolf Schumann, CO-CEOs von Schwarz Digits, stehen bei der Festveranstaltung zum Spatenstich für das neue Schwarz Digits Rechenzentrum auf der Bühne.
Christian Müller (l) und Rolf Schumann, CO-CEOs von Schwarz Digits, stehen bei der Festveranstaltung zum Spatenstich für das neue Schwarz Digits Rechenzentrum auf der Bühne. © Frank Hammerschmidt/dpa | Frank Hammerschmidt

Die Schwarz-Gruppe ist schon heute ein großer IT-Anwender, bis zu einer Milliarde KI-Entscheidungen werden pro Nacht berechnet. Die beiden Supermarktketten Lidl und Kaufland haben in den vergangenen Jahren ihr Filialnetz ausgebaut. Das schafft sehr große Datenmengen, die man nur mit KI auswerten kann. Das Elf-Milliarden-Rechenzentrum in Lübbenau sei ein weiterer Schritt in Richtung Datensouveränität, erklärte die Schwarz-Gruppe.

Das spricht für den Standort Lübbenau

Entstehen sollen das Schwarz-Rechenzentrum im Industriegebiet von Lübbenau im Spreewald (15.000 Einwohner) auf einem 13 Hektar großen Gelände des ehemaligen Kraftwerkes. Die Schwarz-Gruppe plant hier eines der größten Rechenzentren Europas. Es soll aus sechs Blöcken bestehen. Investiert werden insgesamt elf Millionen Euro, das bislang größte Einzel-Investment der Schwarz-Gruppe. In zwei Jahren soll der erste Bauabschnitt fertig sein.

Es erhält eine Anschlussleistung von 200 Megawatt und soll mit „grünem Strom“ betrieben werden, so die Schwarz-Gruppe. Die Abwärme des Rechenzentrums soll in das Fernwärmenetz von Lübbenau eingespeist werden und rund 75.000 Haushalte versorgen.

Für den Standort Lübbenau spricht unter anderem, dass es hier eine exzellente Stromversorgung gibt. Die Schwarz-Gruppe kann dabei die Infrastruktur nutzen, die einst für ein Braunkohlekraftwerk gebaut wurde. Das Kraftwerk wurde im Sommer 1996 stillgelegt. Die Anbindung an das Stromverteilung- und Übertragungsnetz ist aber noch vorhanden und funktioniert noch.

Gut versorgt ist die Stadt auch mit einer Glasfaseranbindung. Die Telekom betreibt hier einen größeren Verteilknoten in der Lübbenauer Neustadt. Durch schnelle Glasfaserleitungen spielen auch die 100 Kilometer Entfernung nach Berlin keine Rolle.

Datencenter in Lübbenau: Auch der Bundeskanzler bestellt Grüße

Zum feierlichen Spatenstich in Lübbenau kam auch der Digitalminister der Bundesregierung Karsten Wildberger (CDU) aus Berlin und gratulierte, auch im Namen von Bundeskanzler Friedrich Merz, zu der Großinvestition. Dieses habe „die Latte hoch gelegt“ und diene als tolles Beispiel für andere.

Karsten Wildberger (CDU), Bundesminister für Digitalisierung und Staatsmodernisierung, spricht bei der Festveranstaltung zum Spatenstich für das neue Schwarz Digits Rechenzentrum.
Karsten Wildberger (CDU), Bundesminister für Digitalisierung und Staatsmodernisierung, spricht bei der Festveranstaltung zum Spatenstich für das neue Schwarz Digits Rechenzentrum. © Frank Hammerschmidt/dpa | Frank Hammerschmidt

Die Schwarz-Gruppe werde mit dem neuen Rechenzentrum nicht nur Kunde sondern auch Gestalter sein, erklärte Wildberger den rund 100 Gästen beim symbolischen Baubeginn. „Daten sind unser größter Schatz“, betonte Wildberger. Dabei sei die Wahlfreiheit wichtig, Deutschland müsse seine digitale Zukunft selbst gestalten. Dazu will die Bundesregierung „Unternehmen entlasten und die Regulierung vereinfachen“, kündigte er an.

Auch Brandenburgs Arbeitsminister Daniel Keller (SPD) drückte vor dem Spatenstich seine Begeisterung für das Großprojekt aus und lobte das hohe „Brandenburg-Tempo“ bei der Umsetzung.

Die Schwarz-Gruppe betreibt über 14.000 Supermarkt-Filialen weltweit (LIdl, Kaufland) in 32 Ländern. Hauptstandort der Gruppe ist Neckarsulm in Baden-Württemberg. Die Gruppe beschäftigt weltweit rund 595.000 Mitarbeiter. Unter „Schwarz Digits“ werden alle Services der Gruppe rund um Cloud, IT-Sicherheit und E-Commerce zusammengefasst. Dazu gehören auch die Online-Shops von Lidl und Kaufland.

Deutschland steht im Vergleich hinter den USA und China

Laut der Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen zufolge ist Deutschland führender Rechenzentrumsstandort in Europa. Deutsche Rechenzentren verfügen derzeit über eine Gesamtleistung von rund 2,4 Gigawatt. Im internationalen Vergleich bleibt die Bundesrepublik aber hinter USA und China zurück. Demnach kommt die USA auf etwa 40 Gigawatt Rechenzentrumsleistung. 

Hemmschuhe sind die in Deutschland im Vergleich hohen Stromkosten, auch wenn die Bundesregierung den Industriestrompreis senken will. Dieser verbilligte Strom soll auch für Rechenzentren mit ihrem enormen Strombedarf gelten. Pluspunkte sind die zentrale Lage in Europa und die stabilen Strom- und Datennetze.

Erst vor einer Woche hatte Google ein Investment von 5,5 Milliarden Euro in Hanau und Dietzingen (Hessen) verkündet nun nimmt die Schwarz-Gruppe doppelt so viel Geld in die Hand. Doch Google könnte nachziehen: Laut eigenen Angaben denkt der Tech-Gigant über den Bau eines neuen Rechenzentrums im Raum Berlin-Brandenburg nach.

mit dpa