• Karsten Wildberger soll für Friedrich Merz das Digitalministerium leiten
  • Der Physiker hat viel Erfahrung – in der Wirtschaft
  • Was ist über Wildberger bekannt?

Ihn hatte kaum jemand auf dem Zettel: Als am Montagmorgen die Liste der neuen Unions-Minister öffentlich wurde, begann in der Hauptstadt bei einem Namen erst einmal das googlen. Wer ist Karsten Wildberger, der Mann, der bald das neue Digitalministerium übernehmen soll?

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Der 55-Jährige ist kein völlig Unbekannter, war aber außerhalb der Wirtschaftsseiten bisher selten in den Schlagzeilen. Wildberger ist CEO von Ceconomy, dem Mutter-Konzern von MediaMarkt und Saturn, und gleichzeitig Vorsitzender der Geschäftsführung bei der Media-Saturn-Holding. Jedenfalls noch so lange, bis er seinen neuen Job antritt: Ceconomy hat er darum gebeten, zum 5. Mai von seinen Aufgaben entbunden zu werden – am 6. Mai wird Friedrich Merz voraussichtlich zum Kanzler gewählt.

Neuer Digitalminister: Karsten Wildberger ist promovierter Physiker

Zu der Elektronikkette, die in Deutschland rund 1000 Märkte hat, war er 2021 gekommen. Dort prägte Wildberger eine Strategie, die gleichzeitig den stationären Handel stärkte und auf mehr Online-Geschäft setzte, als Teil eines ganzheitlichen Angebots. „Der Kunde entscheidet über den Kanal“, sagte er dazu einmal im Interview mit dieser Redaktion.

Auch interessant

Ceconomy war dabei nur die jüngste Station in eines langen Weges. Wildberger, der in Gießen geboren wurde, ist promovierter Physiker. Nach seiner Promotion wechselte er aus der Forschung in die Privatwirtschaft. Über Stationen unter anderem in der Unternehmensberatung Berger Consulting Group und bei Vodafone kam er 2016 zu Eon, wo er als Vorstandsmitglied unter anderem für „digitale Innovation“ zuständig war. 2021 kam dann der Wechsel zur MediaMarkt- und Saturn-Mutter.

Eine Karriere, die gut zu seinem neuen Job in der Politik passt, findet Wildberger selbst: „Digitalisierung und Technologie waren prägende Themen meiner beruflichen Laufbahn“, sagte er am Montag, nachdem seine Nominierung bekannt wurde.

Ein Regierungsamt oder ein Mandat hatte der Manager bisher nicht, völlig ohne Erfahrung in politischen Zusammenhängen ist er aber auch nicht. Wildberger gehört seit 2017 dem Wirtschaftsrat der CDU an, wo er vor allem an energiepolitischen Themen arbeitete. 2021 wurde er zum stellvertretenden Präsidenten der Vereinigung gewählt.

Auch interessant

Mehr Politik-News

Digitale Wettbewerbsfähigkeit und Bürokratieabbau: Wildberger hat eine große Aufgabe

Die Aufgabe, die Merz‘ Überraschungsminister vor sich hat, ist groß. Deutschland ist in der Digitalisierung in den vergangenen Jahren zwar nicht stehengeblieben, liegt aber im internationalen Vergleich trotzdem deutlich zurück. In einem Ranking digitaler Wettbewerbsfähigkeit des International Institute for Management Development (IMD), einer Wirtschaftshochschule in Lausanne, lag die Bundesrepublik 2024 gerade einmal auf Platz 23, während Singapur, die Schweiz und die USA die Spitzenplätze unter sich aufteilten.

Und nicht minder herausfordernd ist der zweite Geschäftsbereich, für den Wildberger als Minister verantwortlich sein wird: die Staatsmodernisierung. Komplizierte Verfahren, lange Wartezeiten, eine insgesamt ausufernde Bürokratie beklagt vor allem die Wirtschaft seit langem als großes Problem des Standorts Deutschland. Auf dem neuen Ministerium und seinem Chef ruhen deshalb große Hoffnung – aber auch erheblicher Druck.

Auch interessant

„Wirtschaft lebt von Zuversicht und Stabilität“, sagte er dieser Redaktion einmal, noch in seiner Funktion als Ceconomy-Chef. „Die Politik trägt erheblich dazu bei, diese positive Grundstimmung herzustellen.“ Sollten die SPD-Mitglieder der Koalition zustimmen und die Regierung Merz wie geplant zustande kommen, gilt das bald auch für ihn.