Alter Markt

Potsdam hat keinen Platz für die DDR-Moderne

Bis März 2018 wird Asbest aus der ehemaligen Fachhochschule entfernt, dann wird sie abgerissen. Der DDR-Bau muss Neubauten weichen.

Die Fachhochschule am Alten Markt in Potsdam wird im kommenden Jahr abgerissen

Die Fachhochschule am Alten Markt in Potsdam wird im kommenden Jahr abgerissen

Foto: imago stock / imago/Jürgen Ritter

Potsdam.  Der vollständige Abriss der Fachhochschule am Alten Markt in Potsdam kostet 2,8 Millionen Euro und wird fast ein Jahr dauern. Das teilte der Sanierungsträger Pro Potsdam den Anwohnern bei einer Versammlung mit. Die Fachhochschule muss Neubauten weichen, die sich an das historische Stadtbild anlehnen und derzeit in einem Bewerbungsverfahren ermittelt werden.

Der Abriss des Gebäudekomplexes soll nach den Plänen im September des kommenden Jahres abgeschlossen sein, Anfang 2019 soll mit den Neubauten begonnen werden. „Vielleicht sind wir auch einen Tick schneller“, sagt Pro-Potsdam-Sprecherin Anna Winkler. Das hänge davon ab, ob die Abrissfirma wie derzeit geplant fünf Tage in der Woche arbeite oder zusätzlich auch an Sonnabenden.

Geplant ist der Bau von 40 neuen Häusern

Die Anwohner müssen sich auf langwierige, lärmintensive und staubige Monate einstellen. „Lärm wird sich nicht vermeiden lassen“, sagt Winkler. Allerdings wird der Abriss Stück für Stück erfolgen. Die Anwohner sollen rechtzeitig über Bauarbeiten informiert werden, die Lärm oder Erschütterungen erzeugen. Eine Abrissbirne oder Sprengungen sollen nicht zum Einsatz kommen. Außerdem sollen Sprinkleranlagen die Staubbelästigung durch abtransportierten Bauschutt möglichst gering halten.

Der Alte Markt in Potsdam ist zurück mit Fassaden aus dem 18. Jahrhundert

Ein weiterer Neubau mit historischem Vorbild zeigt Potsdams Architektur von einst. Das Museum Barberini ist der jüngste der vielen Neubauten auf dem Alten Markt. Vorbild damals wie heute ist der Palazzo Barberini in Rom.
Video: Der Alte Markt ist zurück mit historischen Fassaden

Insgesamt müssen in den kommenden Monaten 15.000 Tonnen Beton, 1000 Tonnen Steine und 3000 Leuchtstoffröhren abgebaut und entsorgt werden. Auch 150 Tonnen asbestbelastete Baumaterialien sind darunter, die in einem gesonderten Verfahren in Containern gesammelt und abtransportiert werden müssen. „Unter anderem wurde Asbest in den Fugen verbaut“, sagt Winkler. 30 bis 40 Lastwagen werden täglich den Bauschutt abtransportieren.

Derzeit laufen die Vorbereitungen für den Abriss des Gebäudes. Das Gelände wurde eingezäunt und gesichert, die Inneneinrichtung entfernt. Von November an bis zum März 2018 werden die Schadstoffe – unter anderem das Asbest – entfernt. Von April bis August 2018 soll der eigentliche Abriss erfolgen. Im September wird die Baugrube gefüllt. Vorübergehend wird eine Rasenfläche angelegt, bis der Neubau der Gebäude im historischen Stil beginnt.

Der Wiederaufbau der Mitte wurde 1990 beschlossen

Auf dem 25.000 Quadratmeter großen Areal ist der Neubau von insgesamt 40 Häusern in zwei Blöcken entlang der Friedrich-Ebert-Straße, des Alten Marktes, des Platzes der Einheit, Am Kanal und der früheren Kaiserstraße geplant. Dazu gehören Wohnungen, kleine Läden, Restaurants, Cafés, Ateliers und Raum für Kunst und Kultur. Bei der Ausschreibung sollen nicht die finanziell lukrativsten Angebote zum Zuge kommen, sondern diejenigen mit dem besten Nutzungskonzept.

Abriss und Neubau sind seit Jahren umstritten. Die Gegner der Neubaupläne wollen Gebäude in schlichter DDR-Architektur erhalten und für eine öffentliche Nutzung umgestalten. Die Fachhochschule ist neben dem alten Rechenzentrum an der Breite Straße, das ebenfalls abgerissen werden soll, und dem Mercure Hotel das einzig verbliebene Gebäude der sogenannten DDR-Moderne an herausgehobener Stelle in der Landeshauptstadt.

Die Initiative „Stadtmitte für Alle“ hatte der Stadt ein Angebot für die Fachhochschule in Höhe von sechs Millionen Euro unterbreitet. Das Gebäude sollte ein Ort der Begegnung und sozialer Innovation werden – mit Kino, Hörsaal, Turnhalle und begrüntem Dach. Doch Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) lehnte das Angebot ab. Es sei zu spät erfolgt und nicht belastbar.

Das Gebäude in der Friedrich-Ebert-Straße wurde zwischen 1971 und 1977 für das damalige Institut für Lehrerbildung errichtet. Seit der Wende diente es als einer von zwei Standorten für die damals neu gegründete Fachhochschule Potsdam. Bis zuletzt waren hier die Fachbereiche Sozialwesen und Informationswissenschaften untergebracht. Derzeit steht das Gebäude leer. Schon unmittelbar nach der deutschen Einheit hatte die Stadt die „behutsame historische Rekonstruktion“ der alten Mitte beschlossen.

Seitdem sind dort der neue Landtag im Gewand des historischen Stadtschlosses und das Palais Barberini am Alten Markt neu entstanden. Bis 2020 soll auch der 90 Meter hohe Turm der Garnisonkirche als Wahrzeichen Potsdams wiedererstehen. Die Bauarbeiten dafür haben gerade begonnen. Der Turm war 1968 auf Geheiß der DDR-Führung gesprengt worden, obwohl er nicht einsturzgefährdet war.

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