Immobilien

Berliner Umland nicht attraktiv genug zum Pendeln

Wer in Berlin arbeitet, wohnt dort auch meistens. Wenige pendeln zur Arbeit in die Hauptstadt. Brandenburgs Städte wollen das ändern.

Potsdam.  Im Land Brandenburg ist das Wohnen deutlich günstiger als in Berlin. Vor allem sind dort jenseits der direkt angrenzenden Orte im Speckgürtel noch Zehntausende von Wohnungen zu bekommen. Anders als in der Region um München, Frankfurt am Main oder Stuttgart scheint das Umland als Wohnort nicht attraktiv genug zu sein.

Nur 21 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Berlin wohnen außerhalb, wie der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) jetzt bekannt gab. Das sei extrem wenig. In München hingegen sind es 77,5 Prozent – das wohl auch wegen der kaum mehr bezahlbaren Mieten und des geringen Angebotes in der bayerischen Hauptstadt. Der BBU fordert jetzt eine Wohnoffensive für Brandenburg.

Kommunen sollen mit Vorzügen werben

„Ebersberg bei München ist bekannt, Eberswalde bei Brandenburg aber nicht so bekannt“, bringt BBU-Vorstand Maren Kern das Dilemma aus ihrer Sicht auf den Punkt. In fast 27 Jahren nach dem Fall der Mauer wäre eigentlich zu erwarten, dass die durchaus attraktiven brandenburgischen Städte stärker angenommen werden, findet Kern. „Es hat auch eine Weile gedauert, bis die Berliner die wunderbaren Naturparks in Brandenburg entdeckt haben“, sagte sie. „Das Interesse daran hat erst in den vergangenen fünf bis zehn Jahren zugenommen.“

Die Kommunen sind nach Auffassung des BBU in der Pflicht, ein stärkeres Marketing zu betreiben und mit den Vorzügen der Städte zu werben: bezahlbare und gut ausgestattete Wohnungen, oft sogar in Altstadtquartieren, aber auch Wochenmärkte mit regionalen Produkten. In den Städten gebe es vielfach auch ein gutes Angebot an Ärzten und attraktivem Einzelhandel. „Den potenziell Interessierten muss das Wohnen dort schmackhaft gemacht werden“, so Kern. Sie fordert: „Hierbei muss das Land die Kommunen besser unterstützen.“

Brandenburg an der Havel in nur 40 Minuten zu erreichen

Besucher sind meist erstaunt darüber, wie sehr sich zum Beispiel Brandenburg an der Havel „gemacht hat“. Trotzdem verliert die Stadt am Wasser mit ihren wunderschönen Altbauten weiter an Einwohnern, der Wohnungsleerstand ist zuletzt auf 13,2 Prozent gestiegen. Brandenburg an der Havel liegt nur etwa 70 Kilometer von Berlin entfernt. Mit der Bahn vom Alexanderplatz ist es in 40 Minuten zu erreichen.

Allerdings sind die täglichen Fahrten nicht billig. „Ein VBB-Netzticket kostet im Normalpreis fast 2000 Euro im Jahr“, so Maren Kern. Ein Dauerticket liege nur unwesentlich darunter. Zur Wohnoffensive zählt für den BBU deshalb die Forderung nach günstigeren Ticketpreisen – wie auch eine bessere und gleichmäßigere Taktung.

27.000 leerstehende Wohnungen

Locken die Berliner nicht die Städte in etwas weiterem Radius, so stellt der BBU übrigens eine deutliche Wanderungsbewegung von den umliegenden Dörfern in die nächstgrößere Stadt fest. „Wir beobachten eine kleine Landflucht“, so Kern, „vor allem die über 55-Jährigen zieht es verstärkt in die größeren Zentren.“ Diese stellen Zuzüglern inzwischen häufig Prämien in Aussicht.

In Brandenburg stehen laut BBU rund 27.000 Wohnungen leer, nur 7.000 davon seien für den Abriss vorgesehen. „Angesichts des Booms in Berlin und Potsdam also ein enormes Potenzial von rund 20.000 kurz- und mittelfristig verfügbaren Wohnungen“, sagte BBU-Vorstand Kern. Seit 1991 wurden 60.000 Wohnungen im Land abgerissen, 15.000 Wohnungen haben allein die 206 BBU-Mitgliedsunternehmen neu gebaut.

In Potsdam beträgt die Lehrstandsquote nur 2,2 Prozent – im Gegensatz zu 18,2 Prozent in der Prignitz. 2020 wird die Landeshauptstadt laut Bevölkerungsprognose mit rund 177.000 Einwohnern etwa 10.000 mehr zählen als 2015. Der BBU schätzt den Neubaubedarf in Potsdam bis 2020 auf etwa 4.000 Mietwohnungen. Für das laufende Jahr planen die dortigen Unternehmen Investitionen von knapp 125 Millionen Euro, allein 50 Millionen Euro für den Neubau. So viel wie noch nie. Die Baukosten allerdings steigen weiter, beklagt Kern. Sie warnt: „Höhere Baukosten bedeuten auch immer höhere Neubaumieten.“