Schüler in Potsdam sind gestresst: Von Baulärm, Umzügen und Übergangslösungen. Ein Zustand, der noch eine Weile anhalten wird. Denn die Stadt kommt mit dem Bau von neuen Schulen und den Erweiterungen bestehender Gebäude nicht hinterher. Inzwischen hat die Landeshauptstadt mehr als 167.500 Einwohner. Und es geht noch weiter nach oben: 2030 könnte es nach jüngsten Berechnungen 192.000 Potsdamer geben. Allein in den kommenden Jahren sollen bis zu sieben neue Schulen entstehen. Da sie nicht rechtzeitig fertig sein werden, müssen Hunderte von Schülerinnen und Schülern in Containern unterrichtet werden. Nicht allen gefällt das.

„Mit einer solchen Situation hätten wir nicht gerechnet, als wir vor fünf Jahren nach Potsdam gezogen sind“, sagt eine Mutter, deren Tochter in Bornim zur Grundschule geht. An der Potsdamer Straße hat der Kommunale Immobilien Service (KIS) vorigen August einen grauen Kasten aufgestellt, während nebenan bis zum Schuljahr 2018/2019 die neue Schule entsteht. „Der Container ist vor allem von außen sehr unschön“, sagt die Mutter, die ihren Namen mit Rücksicht auf ihre Tochter nicht nennen will. „Drinnen sind die Bedingungen aber überraschend gut.“ Der Vorsitzende des Kreiselternrates, Markus Kobler, kennt das. „Es gibt bei den Eltern große Vorbehalte gegen die Container“, meint er, „die Schüler und damit auch die Eltern finden diese Lösung dann aber gar nicht so schlecht.“ Die Räume seien meist heller und größer. „Für die Kinder ist vor allem auch wichtig, dass sie keinen Baulärm mitbekommen.“

Viele Eltern sind skeptisch, ob die Stadt die rasante Einwohnerentwicklung im Griff hat. Ihr Eindruck: Die Verantwortlichen scheinen dem Wachstum hinterherzulaufen. Die Schülerzahlen steigen rasant: Im Schuljahr 2006/2007 besuchten 13.892 Schülerinnen und Schüler allgemeinbildende öffentliche Schulen in Potsdam. Die Prognosen lassen für das Schuljahr 2020/2021 etwa 19.000 Schülerinnen und Schüler erwarten.

Opposition: Schulplanung ist nicht bedarfsgerecht

Die Potsdamer CDU – sie bildet mit der SPD und den Grünen eine Rathauskooperation – hatte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) deshalb zuletzt im Wahlkampf vorgehalten, die Entwicklung zu verschlafen. Die Stadtverwaltung habe „neue Siedlungsgebiete angelegt, ohne an die notwendige soziale Infrastruktur zu denken“. So lautete der Vorwurf der damaligen Kreischefin Katherina Reiche. Doch die CDU steht ebenso in der Verantwortung. Seit 2009 stellt die Partei sogar die Bildungsbeigeordnete. Der Linke-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg räumt ein: „Es werden große Kraftanstrengungen unternommen, um die nötigen Schulkapazitäten zu schaffen.“ Der Oppositionspolitiker kritisiert aber auch: „Die Planung war nicht bedarfsgerecht. Es muss schon wieder improvisiert werden.“

Die Stadtverordneten hatten 2014 einen Schulentwicklungsplan bis zum Jahr 2020 beschlossen. Inzwischen ist er schon wieder überholt. In diesem Frühjahr soll er erneut angepasst werden. Mindestens zwei neue Schulen werden zusätzlich benötigt. „In der Innenstadt um den Bahnhof herum und in Babelsberg reichen die Kapazitäten nicht aus“, bestätigte Rathaussprecherin Christine Homann der Berliner Morgenpost. Auch der Potsdamer Norden wächst stark. „Wir prüfen derzeit mögliche Standorte für eine weitere Grundschule in der Innenstadt um den Brauhausberg herum sowie in Babelsberg“, so Homann, „und ob darüber hinaus auch Bedarf an weiterführenden Schulen besteht.“

Bis die beiden Standorte gefunden sind, soll im Zentrum Ost die Grundschule am Humboldtring von zwei auf vier Züge mit Hort erweitert werden. Für fünf Jahre wird dafür vom kommenden Schuljahr an auf der benachbarten Grünfläche ein Container aufgestellt. Ebenfalls zum Schuljahr 2016/2017 entsteht im Bornstedter Feld nördlich der Esplanade eine zweite Grundschule mit Hort, zunächst für drei Jahre in Modulbauweise. Ab dem Schuljahr 2019/2020 soll dann eine massiv gebaute, dreizügige Grundschule mit Hort in dem Bereich „Rote Kaserne“ stehen.

Auch gegenüber dem Holländischen Viertel steht ein Schulcontainer

Nicht nur in Bornim an der Potsdamer Straße werden Kinder in Containern unterrichtet. Am Campus Kurfürstenstraße gegenüber dem Holländischen Viertel steht ein Container für die Schüler des Helmholtz-Gymnasiums, dessen Gebäude derzeit saniert wird. Noch ein Provisorium: Im künftigen, bereits fertigen, neuen Gymnasium an der Heckelstraße lernen derzeit noch die Schüler der Gesamtschule Leonardo-da-Vinci. Geplant ist, dass die Gymnasiasten dort im Herbst einziehen. Die Gesamtschüler hingegen wissen noch nicht, ob ihr Neubau an der Esplanade im Bornstedter Feld bis dahin fertig ist. Es gibt Probleme beim Bau. Notfalls müssen die Schüler erst einmal ins Oberstufenzentrum ausweichen.

Vor allem im Norden der Stadt werden neue Schulplätze benötigt. Spätestens zum Schuljahr 2021/2022 soll daher eine Gesamtschule am Nedlitzer Holz eröffnen. Wo genau, ist allerdings noch offen. Am Stern wird eine neue Grundschule mit Hort gebaut. Sie soll 2018/2019 starten. Die dortige Oberschule wird in eine Gesamtschule mit integrierter Grundschule umgewandelt. In Rehbrücke soll spätestens zum Schuljahr 2021/2022 eine weiterführende Schule mit drei Zügen an den Start gehen – eventuell am dortigen Bahnhof. Außerdem werden mehrere Schulen in der Stadt erweitert.