Bildung

Brandenburg sucht Lehrer für Flüchtlinge

Brandenburg sucht schon wieder neue Lehrer. Knapp 240 Stellen sollen wegen der Flüchtlingskinder an den Schulen besetzt werden.

Potsdam.  Damit die Flüchtlingskinder unterrichtet werden können, sucht Brandenburg Hunderte zusätzliche Lehrkräfte. Insgesamt stehe Geld für 337 weitere Lehrer zur Verfügung, sagte Bildungsminister Günter Baaske (SPD) am Montag in Potsdam. Dabei sollen vermehrt Seiteneinsteiger eingestellt werden. Die Suche im laufenden Schuljahr sei allerdings schwierig und Brandenburg befinde sich im Wettbewerb mit anderen Bundesländern. Bislang werden rund 3500 junge Flüchtlinge an Brandenburger Schulen unterrichtet. Die Zahl werde bis zum Jahresende weiter steigen – auf mindestens 6000 Kinder und Jugendliche. Die Lehrergewerkschaft GEW sieht durch den zusätzlichen Bedarf große Probleme auf das Land zukommen.

„Wir brauchen weit mehr weitere Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen als vom Bildungsminister angekündigt“, sagte Gewerkschaftschef Günther Fuchs der Berliner Morgenpost. „Mindestens 800 bis 900 sollten es sein, damit das System weiter funktioniert.“ Er wirft der Landesregierung vor, „wieder einmal viel zu spät aktiv geworden zu sein“. Brandenburg werde beträchtliche Schwierigkeiten bekommen, qualifiziertes Personal zu gewinnen, prognostiziert der Gewerkschaftschef. Brandenburg tut sich bei der Werbung um neue Lehrer schwerer als etwa Berlin. Gerade junge Lehrer wollen in die Großstädte und nicht in das ländlich geprägte Brandenburg.

Deutsch als Fremdsprache nicht mehr Ausbildungsfach

„Nun rächt sich auch, dass Brandenburg vor Jahren schon bei der Lehrerausbildung Deutsch als Fremdsprache abgeschafft hat“, sagte Fuchs. Erschwerend komme hinzu, dass es hierzulande kaum Personal gebe, das Erfahrung mit Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund habe. Das gleiche gelte für die Kitas.“ Benötigt würden neben weiteren Lehrern und Erziehern auch Therapeuten und Psychologen. Dolmetscher würden gebraucht, um mit Eltern Fragen zu klären und ins Gespräch zu kommen.

Damit die Kinder die deutsche Sprache lernen, gibt es an den Schulen laut Minister Baaske derzeit etwa 470 Vorbereitungskurse. Flüchtlingskinder bekommen bereits in den Landeserstaufnahmeeinrichtungen Unterricht in Deutsch. Dafür stehen derzeit zehn Lehrer zur Verfügung, im nächsten Jahr sollen es 22 sein. Baaske räumt ein, dass es schwierig sei, derzeit Personal mit Deutsch als Fremdsprache zu bekommen. „Nicht, dass es zu wenig Interessierte dafür gibt, es fehlen diejenigen, die ausbilden“, so der Minister.

Er zeigte sich optimistisch, die Herausforderung zu bewältigen. „Auch wenn die Zahl der Flüchtlingskinder unter 18 Jahre im kommenden Jahr auf 8000 steigt, ist das noch keine Größenordnung, die uns total umwerfen muss“. Brandenburg habe ein gutes System gefunden, das funktioniere und noch „eine Weile tragen“ werde. Probleme sieht Baaske bei der Betreuung von unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen. Derzeit leben in Brandenburg etwa 850 solcher Kinder und Jugendlicher, bis Jahresende werden es über 1000 sein.

Durch ein neues Bundesgesetz werden laut Ministerium zudem die Kosten pro Jugendlichem um rund 7000 Euro auf mindestens 30.000 Euro im Jahr steigen. Bei der Unterbringung setze er daher auch auf Pflegefamilien. Schon jetzt steht fest: Das mit rund 18 Milliarden Euro immer noch hoch verschuldete Brandenburg wird wohl in den nächsten Jahren – anders als geplant – wieder Kredite aufnehmen müssen. 2010 wurden letztmals neue Schulden gemacht. Rot-Rot hatte sich 2014 verpflichtet, den Sparkurs fortzusetzen. Die Flüchtlingskrise sorgt dafür, dass ein Nachtragshaushalt aufgelegt werden muss. Im März soll der Landtag darüber abstimmen. 2015 rechnet Brandenburg mit mehr als 30.000 Flüchtlingen, 2016 werden weitere 40.000 Asylsuchende kommen.

Baaske sieht in Zuwanderung Chance für Brandenburg

Der Bildungsminister sieht durch die Flüchtlinge auch eine Chance für Brandenburg – „nach dem demografischen Fehler mit zu wenig Geburten, den Deutschland gemacht hat.“ Er gehe davon aus, „dass es uns gelingt, die Leute so zu integrieren, dass sie Spaß an diesem Deutschland haben.“ Dass in Brandenburg nun zahlreiche Schulen gerettet werden können, davon gehe er nicht aus. In Einzelfällen aber sei dies der Fall. In dem durch eine Langzeit-Filmdokumentation bekannt gewordenen Dorf Golzow im Oderbruch haben zwei Flüchtlingskinder den Bestand der Schule gesichert. Ohne sie hätte es zum Schuljahresbeginn keine erste Klasse mehr gegeben.