Potsdam

Schloss Babelsberg wieder sichtbar

Ministerpräsident Dietmar Woidke besucht die Baustelle in Babelsberg. Schlösserdirektor Hartmut Dorgerloh kritisiert die Stadt und die Bürger.

Schloss Babelsberg ist von außen wieder fast so eindrucksvoll wie einst. Im Jahr 2017 soll es erstmals wieder zugänglich sein

Schloss Babelsberg ist von außen wieder fast so eindrucksvoll wie einst. Im Jahr 2017 soll es erstmals wieder zugänglich sein

Foto: Nestor Bachmann / dpa

Potsdam.  Das Kaiserschloss im Park Babelsberg erstrahlt im früheren Glanz. „Von der Glienicker Brücke aus ist die einstige Sommerresidenz von Wilhelm I. jetzt endlich in ihrer Pracht wieder zu erkennen“, sagt Hartmut Dorgerloh, der Direktor der Stiftung Schlösser und Gärten, am Donnerstag anlässlich des Besuchs von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Die umfangreiche Sanierung und Restaurierung der äußeren Hülle – Dach, Fenster und Fassade – sei nahezu abgeschlossen.

Bis zum Beginn der Sanierungsarbeiten im Frühjahr 2013 bot Schloss Babelsberg einen „eher trostlosen Anblick“, wie Schlösserchef Dorgerloh es formuliert. Die Fassade sei nicht nur instandgesetzt, sie sei auch gelasert worden. „Alles Schwarze ist nun verschwunden.“ Aufbereitet wurden auch die Original-Eichenholzfenster. Die Nadelholz-Notversprossung aus dem Jahr 1945 ist weg, der Blick über die Havel wieder frei.

Bislang knapp zehn Millionen Euro in das Welterbe investiert

Seit dem Frühjahr 2013 sind knapp zehn Millionen Euro in das Unesco-Welterbe investiert worden. Neben dem Schloss werden auch die fünf umliegenden Terrassen hergerichtet. Der Park war einst mit zahlreichen Brunnen und Fontänen sowie Seen und Teichen ausgestattet. Derzeit werden etwa zehn Kilometer des doppelt so langen gusseisernen Leitungsnetzes saniert, das von 2016 an wieder die Wasserspiele speisen soll.

„Wir wollen die Arbeiten an den Außenanlagen voraussichtlich Mitte 2016 abschließen“, kündigt Dorgerloh an. Als er den brandenburgischen Ministerpräsidenten Woidke durch den Park führt, kommt er ins Schwärmen: „Ein komponiertes Landschaftsgemälde.“ Zwei bedeutende Gartenkünstler haben den 124 Hektar großen Park geschaffen: Peter Joseph Lenné und Hermann Fürst von Pückler-Muskau.

Sonderausstellung zu Hermann Fürst von Pückler-Muskau

Die Schlösserstiftung widmet Pückler 2017 eine Sonderausstellung. „Von April bis Oktober 2017 soll das Schloss dann während der Schau nach Jahren erstmals wieder begehbar sein“, stellt der Schlösserdirektor in Aussicht.

Danach schließen sich die Türen wieder. In der Zeit werden die Innenräume der einstigen Sommerresidenz von Kaiser Wilhelm I. und seiner Frau Augusta restauriert. Den Aufwand dafür beziffert Dorgerloh mit 30 Millionen Euro. „Der Beginn hängt davon ab, wie das Geld bereitsteht“, sagt er.

Im kommenden Jahr endet das Sonderinvestitionsprogramm, mit dem der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg die Schlösserlandschaft vor dem Verfall retten wollen. Der Masterplan sieht vor, dass die Schlösserstiftung bis 2017 rund 155 Millionen Euro zusätzlich investieren kann. Vom Bund kommen 77,5 Millionen Euro, von Brandenburg 53 Millionen und von Berlin 24,53 Millionen Euro. „Die Signale sind gut, dass zusätzliches Geld bis 2026 bereit stehen wird“, sagt Regierungschef Woidke.

Dorgerloh: Potsdam baut zu wenig sensibel

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) habe bereits erklärt, es gebe einen Bedarf von 350 Millionen Euro. Schlösserchef und Ministerpräsident geben bei dem Termin das klare Signal, dass sie ein gemeinsames Ziel verfolgen: die Schlösser und Gärten für nachfolgende Generationen erhalten zu wollen.

Von der Stadt Potsdam und den Bürgern hingegen wünscht sich Dorgerloh deutlich mehr Unterstützung. Auf einer Podiumsdiskussion warf er jüngst der Stadt, Kommunalpolitikern und Bürgern mangelndes Bewusstsein vor. Er habe den Eindruck, man sei in Potsdam sehr zufrieden mit dem Welterbe, „weil man nicht viel dafür tun muss“.

Er beklagte, dass die Bürger den Wert des Welterbes nicht zu schätzen wissen. Gäste an der geduldeten Badestelle am Heiligen See hätten Müllberge hinterlassen. Der Stadt Potsdam hielt er vor, zu wenig sensibel zu bauen. Außerdem vermisse er die politische Unterstützung beim Ringen um die Finanzierung. „Mit dem Land läuft es gut“, sagt Dorgerloh am Rande der Führung. Die Zusammenarbeit mit der Stadt sei allerdings schon einmal besser gewesen, erklärt der Direktor.

Ob sich nach der geplanten Abwahl des bisherigen Beigeordneten für Stadtentwicklung und Bauen, Matthias Klipp (Grüne), in der nächsten Woche das Klima zwischen Stiftung und Stadt womöglich wieder bessert? „Wir haben mit dem Vorgänger gut zusammengearbeitet und werden auch mit Nachfolger gut zusammenarbeiten“, sagt Dorgerloh – unmissverständlich.